Impfungen für Kinder RHEINPFALZ Plus Artikel Kinderärzteverband: „Kein Grund zur Angst“

Seit Anfang November werden in den USA Kinder ab fünf Jahren mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft.
Seit Anfang November werden in den USA Kinder ab fünf Jahren mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft.

Seit Donnerstag ist der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer für Fünf- bis 14-Jährige in der EU zugelassen. Der Landesvorsitzende des Kinder- und Jugendärzteverbands rät nun zur Eile.

980, 723, 1106 – das sind die Sieben-Tage-Inzidenzwerte von Kindern und Jugendlichen im Alter von fünf bis 14 Jahren in Frankenthal, Ludwigshafen und in Germersheim vom Freitag. Drei Städte in der Pfalz, doch so oder so ähnlich sieht es gerade überall aus: Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die derzeit an Covid-19 erkranken, ist hoch und steigt weiter. Am Donnerstag empfahl nun die Europäische Arzneimittelbehörde eine Erweiterung der Zulassung von Impfungen für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer.

Freude über die Nachricht

„Ich habe mich gefreut, als diese Nachricht kam“, sagt Lothar Maurer, Facharzt für Säuglings-, Kinder-und Jugendmedizin in Frankenthal und Landesvorsitzender des rheinland-pfälzischen Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Kinder in diesem Alter könnten das Virus genauso weitergeben wie Erwachsene, sagt Maurer. Und: „Auch ich behandle in meiner Praxis Kinder und junge Erwachsene, die unter Spätfolgen einer Covid-19 Erkrankung leiden.“ Er persönlich würde im Prinzip direkt loslegen mit der Impfung für Kinder – allerdings empfiehlt er als Landesvorsitzender, auf die Lieferung des Kinderimpfstoffs am 21. Dezember zu warten und auch auf eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), die im Dezember kommen soll.

„Hervorragende Daten aus den USA“

„Wir haben hervorragende Daten aus den USA, dort impfen sie bereits seit November in dieser Altersklasse“, sagt Maurer. Man verimpft dort Kindern jeweils ein Drittel der Dosis für Erwachsene. Die Situation in den USA beobachtet der Mediziner aus Frankenthal genau: „Die Daten dort werden wöchentlich aktualisiert, jede Nebenwirkung notiert. Bis jetzt sind dort drei Millionen Kinder geimpft, bis Weihnachten werden es fünf Millionen sein. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Eltern Angst vor der Impfung für ihre Kinder haben müssen“, sagt der Arzt.

Schnelle Empfehlung der Stiko gefordert

Eine Impfreaktion trete bis zu sechs Wochen nach einer Impfung auf, nie nach zehn Jahren. Dagegen seien Langzeitfolgen einer Covid-19 Erkrankung noch nicht ausreichend erforscht. „Ich schicke gerade Schulkinder nach einer Infektion in Reha. Und einen Fall von einer PIMS-Erkrankung – also einem post-viralen Entzündungssyndrom nach einer Corona-Infektion – hatte ich auch schon. Bei einem gesunden neunjährigen Kind“, erzählt der Mediziner. Maurers Meinung nach sollte sich die Ständige Impfkommission mit einer Empfehlung beeilen. Er könne Eltern verstehen, die nicht mehr warten wollen und ihre Kinder bisher ohne Zulassung des Impfstoffs mit einer sogenannten „Off-Label“-Impfung haben impfen lassen.

Eltern, die noch auf die Empfehlung der Stiko warten möchten, sollten in diesem Winter ihre Kinder zumindest gegen die Grippe impfen lassen, empfiehlt Maurer. „In wenigen Wochen beginnt die Grippesaison und wenn Kinder die Grippe und gleichzeitig eine Covid-19-Erkrankung bekommen, stecken sie das nicht immer gut weg.“

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