Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Können Glasscherben Waldbrände auslösen?

Häufige Auslöser von Waldbränden sind laut der R+V-Versicherung achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, Lagerfeuer und heiße Kata
Häufige Auslöser von Waldbränden sind laut der R+V-Versicherung achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, Lagerfeuer und heiße Katalysatoren von Autos oder Motorrädern.

Es gibt starke Indizien, nach denen Glasscherben nur in extrem seltenen Fällen Waldbrände auslösen können, trotzdem werden immer wieder als Verursacher dieser Feuer genannt. Wir haben uns die Sache mal genauer angesehen.

Durchschnittlich 40 Mal brennt jedes Jahr in Rheinland-Pfalz ein Waldstück, die dadurch pro Jahr verbrannte Fläche überschreitet selten 20 Hektar. Ein guter Wert, immerhin hat das Bundesland einen Waldanteil von rund 42 Prozent. In Polizeimeldungen zu den Bränden ist als Ursache oft von Glasscherben oder Bierflaschen die Rede, die als Brennglas das Sonnenlicht gebündelt und so den trockenen Waldboden entzündet haben sollen. Diese Theorie ist jedoch sehr umstritten.

Zündversuche unter Idealbedingungen scheiterten

So brannte Ende April im Landkreis Bad Dürkheim ein Waldstück und die Polizei meldete, möglicherweise habe „die Sonnenreflexion einer alten Bierflasche“ das Feuer verursacht. Nachdem Wettermoderator Jörg Kachelmann die Meldung auf seinem Twitter-Kanal geteilt hatte, hagelte es Spott für Medien und Polizei.

Kritiker der Glas-Theorie stützen sich dabei auf Versuchsreihen, bei denen vergeblich versucht wurde, auf diese Art ein Feuer zu entfachen. Etwa 2006 an der TU Braunschweig, wo es Forschern selbst bei idealen Bedingungen nicht gelang, mit Glasscherben trockenes Pflanzenmaterial zu entzünden. Dabei waren alle Faktoren wie Sonnenstand, Trockenheit des Untergrundes, die Entfernung der Flasche zum Boden und die Färbung der Scherben optimiert. Doch selbst nach 120 Zündversuchen brannte es nicht. Fazit der Wissenschaftler: „Waldbrände, hervorgerufen durch den Brennglaseffekt, sind als extrem unwahrscheinlich anzusehen.“

Bei der Feuerwehr teilt man diese Einschätzung: „Es gibt in der mir bekannten Feuerwehrliteratur genau einen Waldbrand, der zweifelsfrei durch eine Flasche ausgelöst wurde“, sagt Peter Eymann, Stabsstellenleiter bei der Feuerwehr Speyer. In seinem Einsatzbereich musste die Feuerwehr Ende März bereits den ersten Waldbrand des Jahres löschen. Seiner Meinung nach werden diese jedoch „viel häufiger durch achtlos weggeworfene Zigaretten ausgelöst.“ Glasscherben im Wald seien aus Sicht der Feuerwehr aus einem anderen Grund gefährlich: „Damit zerschneiden wir uns im schlimmsten Fall die Schläuche.“ Dass die Scherben Waldbrände auslösen, hält Eymann für einen „Irrglauben, der sich durch Mundpropaganda weiterverbreitet.“

Polizei hält an ihrer Version fest

Doch trotz der dünnen Beweislage bleiben die in Dürkheim eingesetzten Brandursachenermittler bei ihrer Version. Sie bestätigen, dass Glasscherben oder -flaschen als Brandursache „eher unwahrscheinlich“ sind, denn „normalerweise erfüllen heutige Flaschen durch ihre Beschaffenheit nicht mehr die Voraussetzungen, um einen Brennglaseffekt zu erreichen.“ Dazu müsste nach Ansicht der Brandexperten nämlich „eine Vielzahl von Umständen (Dauer der Sonneneinstrahlung, Winkel, Hitze, trockene Umgebung, Beschaffenheit des Glases mit entsprechendem Abstand) sehr ungünstig zusammenkommen.“

Dennoch könne eine Flasche als Brandursache „nicht völlig ausgeschlossen werden“, außerdem sei in Dürkheim „entsprechendes Spurenmaterial gefunden worden“, so die Ermittler. Man habe die Meldung jedoch bewusst vorsichtig verfasst und auf die Flasche als „potenziellen Erklärungsansatz im Konjunktiv hingewiesen“.

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