Haßloch
Interview: Pfälzer Weinkönigin Anna-Maria Löffler „liebt es, über Wein zu reden"
Bei der Vorfreude auf vieles, das eine Pfälzer Weinkönigin in ihrem Amtsjahr üblicherweise erwartet, hat Ihnen Corona leider einen Strich durch die Rechnung gemacht: Zahlreiche Auftritte und andere interessante Termine sind ausgefallen. Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich war wie wohl jeder erstmal sehr geschockt vom Lockdown. Für mich war es schlimm, fast nicht vor die Haustür und unter Menschen gehen, nicht verreisen zu können. Aber man muss versuchen, aus allem das Beste zu machen und die neuen Chancen, die sich durch solch eine Krise bieten, zu nutzen. Das Amt sozusagen ein bisschen umkrempeln und sich online für den Pfälzer Wein starkmachen. Heutzutage gibt es doch so viele Möglichkeiten, digital zu arbeiten – zum Beispiel mit Online-Weinproben. All diese Plattformen, die sich da bieten, habe ich versucht zu nutzen.
Sie sind auf diesen Wegen sehr aktiv geworden, mit etlichen Online-Projekten für die Pfalzwein-Werbung und vor allem über die Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram ...
Genau. Zum Beispiel mit „Wine-Workouts“, mit denen ich auf humorvolle Art zeigen wollte, wie man sich in solchen Zeiten auch mit Weinflaschen fit halten kann. Oder zusammen mit meinen drei Weinprinzessinnen Christina, Tamara und Rosa mit kleinen Videos für „Support your locals“, in denen wir, solange die Gastronomie geschlossen bleiben musste, abwechselnd bei Lokalen in der Region besorgtes oder von diesen geliefertes Essen kombiniert mit passenden Weinen getestet haben. Und bei „Pfalz to go“, dem neuesten Format, gebe ich in einminütigen Videos Tipps zu Sehens-, Genießens- und Wissenswertem in der Pfalz, darunter Geheimtipps .
Bevor die Pandemie alles veränderte, hatten Sie aber immerhin schon ein paar besondere Erlebnisse bei öffentlichen Terminen als Weinmajestät ...
Es gab von Anfang an unglaublich viele besondere Momente. Super in Erinnerung geblieben ist mir der Winzerfestumzug in Neustadt, ich war überwältigt von der Menschenmenge. Das war für uns als Hoheiten-Team ein toller Start in die gemeinsame Zeit. Highlights waren auch der Neujahrsempfang von Malu Dreyer in Mainz und die Internationale Sommelier-Trophy in Neustadt, wo ich das Know-how der Fachleute faszinierend fand. Außerdem war ich in Berlin auf der Grünen Woche und bei einer Weinmesse in Leipzig. Dann kam leider der Shutdown – und so vieles Geplante fiel aus. Aber nachdem es inzwischen Lockerungen bei den Corona-Regeln gibt, genieße ich nun meine letzten Termine als Pfälzer Weinkönigin.
Was bereitet Ihnen am meisten Freude und Spaß an Ihrem Amt als Repräsentantin der Winzerschaft?
Die richtig weinbezogenen Termine machen mir am meisten Spaß. Ich liebe es, mit Menschen über Wein zu reden, herauszufinden, was Verbraucher gern trinken und Weinwissen zu vermitteln. Auch der Austausch mit Fachleuten ist mir sehr wichtig, da es immer wieder neue Projekte und Ideen in der Weinwelt gibt. Da hat man die Chance, so viel zu lernen und sein eigenes Wissen zu erweitern.
Ihr Heimatort Haßloch ist übrigens nicht gerade als Weinbaugemeinde bekannt. Viele wissen gar nicht, dass er immerhin 23 Hektar bestockte Rebfläche aufweisen kann – in der Einzellage „Haßlocher Leisböhl“. Ist das ein wenig publiker geworden, seit das Großdorf Weinköniginnensitz wurde?
Viele sprechen mich darauf an. Sie sind doch aus Haßloch – da gibt’s doch nur einen Weinberg, sagen manche auch mal ein bisschen spöttisch. Vor meiner Wahl wurde das eher belächelt, nachher sagten manche: Die weiß ja doch was über Wein. Ich denke, dass unsere Einzellage Haßlocher Leisböhl zumindest etwas bekannter geworden ist. Und zur Rebsortenvielfalt im Land trägt Haßloch übrigens auch bei: Die historische Sorte Gänsfüßer wurde hier als Hausrebe erhalten und wird inzwischen auch fast nur hier wieder angebaut.
Zurück zu Ihrem Amt: In einigen anderen Weinbauregionen wurde beziehungsweise wird dieses Jahr wegen der Corona-Problematik auf die Wahl einer neuen Gebietsweinmajestät verzichtet, die Amtszeit der amtierenden um ein Jahr verlängert. Sie haben dies der Pfalzwein-Werbung auch angeboten. Aber die hat sich für Neuwahlen entschieden. Bedauern Sie das sehr?
Im ersten Moment war ich natürlich traurig. Ich fand es superschade, nicht verlängern zu dürfen. Aber mittlerweile bin ich froh, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde. Man weiß ja gar nicht, wie sich die Situation coronamäßig weiter entwickelt. Es könnte sein, dass das zweite Amtsjahr genauso verlaufen würde. Der Jahrgang 2020 kommt auch trotz all der Einschränkungen auf die Flasche und den Markt – warum also soll’s nicht auch eine neue Weinkönigin geben? Jetzt bin ich auch wirklich froh, noch einmal so einen besonderen Auftritt bei der Wahl haben zu dürfen, auch wenn es besondere Einschränkungen gibt.
Und Sie haben nun die Chance, eine neue Krone zu erobern ... Da diesmal nur sieben statt wie üblich 13 Kandidatinnen zur Kür der neuen Deutschen Weinkönigin antreten, dürfen am 25. September in Neustadt alle ins Finale – einen Vorentscheid wird’s bei der Fachbefragung am 19. September nicht geben. Mit welchen Gefühlen ziehen Sie in den Titelwettstreit?
Mit sehr guten Gefühlen. Weil ich die anderen Kandidatinnen alle so sympathisch finde, mich mit einigen besonders gut verstehe. Wir sind alle in einem Boot, pushen und unterstützen uns gegenseitig, jede würde der anderen den Wahlerfolg gönnen. Der Zusammenhalt ist super. Ich habe den Eindruck, es geht uns allen darum, dass der deutsche Wein gut vertreten wird. Und ich werde auf jeden Fall mit Spaß rangehen – und mich nicht verstellen, sondern so geben, wie ich bin.
Egal, wie die Wahl ausgeht – der Weinwelt wollen Sie offenbar treu bleiben: Obwohl Sie nicht aus einer Winzerfamilie stammen, sind Sie beim Thema Wein so sehr auf den Geschmack gekommen, dass Sie nach der Ausbildung zur Hotelfachfrau seit dem vorigen Herbst in Geisenheim International Wine Business studieren ...
Ich werde auf alle Fälle in der Wein- und Genusswelt engagiert bleiben. Man ist immer Repräsentant für den deutschen Wein, wenn man weinaffin und irgendwo unterwegs ist und neue Leute kennenlernt – da wirbt man automatisch und auch ohne Krone für die Weinbranche. So wie man als Pfälzer immer gern Werbung für die Pfalz macht. Und ich glaube auch nicht, dass mir das Thema Wein irgendwann langweilig werden wird.
Weitere Informationen zum Thema:
Die Wahl der 82. Pfälzischen Weinkönigin erfolgt am 2. Oktober im Neustadter Saalbau, sie wird ab 20.15 Uhr live vom Rhein-Neckar-Fernsehen übertragen.
Die Wahl der 72. Deutschen Weinkönigin ist am 25. September am selben Ort und ab 20.15 Uhr live im Südwest Fernsehen zu verfolgen. Voraus geht am 19. September die Fachbefragung der Kandidatinnen im Mainzer SWR-Studio.