GRÜNSTADT Coronavirus: Viertes Todesopfer in der Pfalz – Klinikdirektoren befürchten Insolvenzen

Hier ist ein weiterer Bewohner am Virus gestorben: das Seniorenheim Azurit in Grünstadt.
Hier ist ein weiterer Bewohner am Virus gestorben: das Seniorenheim Azurit in Grünstadt.

Im Grünstadter Azurit-Seniorenzentrum ist ein weiterer Bewohner verstorben, der mit dem Coronavirus infiziert war. Damit sind in der Pfalz vier Virus-Todesopfer zu beklagen, im gesamten Bundesland erhöhte sich die Anzahl auf elf. Landesweit waren nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums am Freitag, 10 Uhr, 2101 Corona-Fälle registriert.

Bei dem weiteren Todesfall in dem Grünstadter Seniorenzentrum handelt es sich um einen 81-jährigen , der am späten Donnerstagabend verstorben war. Das ist der zweite Todesfall in dem Heim in dieser Woche. Am Mittwoch war dort eine 70 Jahre alte Frau gestorben. Beide waren auf der Demenzstation untergebracht. Es gibt nach Angaben der Kreisverwaltung Bad Dürkheim auf dieser Station sechs weitere Bewohner, bei denen Covid-19 nachgewiesen wurde. Das Haus steht unter Quarantäne.

Anzahl der Infizierten überspringt 2000er-Marke

In Rheinland-Pfalz übersprang die Infizierten-Anzahl die 2000er-Marke: Sie erhöhte sich um 228 Patienten auf 2101 Betroffene (Stand Freitag, 10 Uhr). In der Pfalz stieg die Anzahl der bekannt gewordenen Corona-Fälle um 96 auf 653 Personen. Unter den acht pfälzischen Landkreisen und den acht kreisfreien Städten verzeichnet der Kreis Bad Dürkheim mit 136 (Vortag: 118) die meisten Infizierten. Danach folgt die Südliche Weinstraße mit 61 (Vortag: 46) Fällen. Bei den Städten liegen Kaiserslautern (48 Infizierte, Vortag 45), Ludwigshafen (45 Infizierte, Vortag 37) und Neustadt (43 Infizierte, Vortag 38) vorne.

Virus erreicht US-Stützpunkte

Der US-Luftwaffe-Stützpunkt Ramstein meldet fünf bestätigte Fälle der Erkrankung Covid-19. Es handele sich um Personen, die auf dem US-Luftwaffenstützpunkt wohnen oder arbeiten, darunter auch ein Soldat. Auf dem US-Militärflugplatz Spangdahlem in der Eifel ist bei zwei Luftwaffenangehörigen das Virus festgestellt worden. Die Männer sind isoliert in Quarantäne untergebracht. Auch für deren Angehörige und Personen, die mit ihnen in Kontakt waren, wurde Quarantäne angeordnet.

Hilfe für Frankreich

Aktuell werden sieben Patienten aus der französischen Region Grand Est in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern behandelt. Weitere acht freie Beatmungsplätze habe man der Nachbarregion angeboten, sagte am Freitag eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Die Landesregierung sei im ständigen Kontakt mit den Kollegen in Frankreich, um weitere Verlegungen zu ermöglichen.

Klinikdirektor: Millionen gehen verloren

Unterdessen beklagt der Verband der Krankenhausdirektoren für Rheinland-Pfalz und das Saarland, dass es sowohl an Geld als auch an Schutzausrüstungen fehle. Die Kliniken kämen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, sagt Peter Förster in einem Brief an die beiden Landesregierungen. Er ist Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern und Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland-Pfalz und Saarland des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands. Allein im Westpfalz-Klinikum fielen „hohe fünfstellige Beträge“ für Sicherheitsmaßnahmen und Abstriche beim Personal an. Für Schutzausrüstungen seien Summen im „mittleren sechsstelligen Bereich“ nötig. Durch abgesagte Operationen verliere die Klinik „einen Millionenbetrag – pro Woche“. Die Preise für Medikamente und Desinfektionsmitteln gingen „durch die Decke“, so Förster. „Im Extremfall kann die aktuelle Situation sogar dafür sorgen, dass aufgrund der Corona-Krise Kliniken Insolvenz anmelden müssen.“

Beratung zu Kurzarbeitergeld

Betriebe, die Fragen zum Kurzarbeitergeld haben, können sich auch an die Servicenummern der örtlichen Agenturen für Arbeit wenden, informiert das Mainzer Sozialministerium. Sie sind auf der Internetseite der Agenturen für Arbeit zu finden. In der Pfalz sind sie in Kaiserslautern, Ludwigshafen und Landau angesiedelt.

Qualitätswein trotzt dem Virus

Die Qualitätsweinprüfungen werden an allen Dienststellen der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz weiterhin stattfinden: Mit diesem Hinweis möchte die Kammer anderslautenden Gerüchten entgegenwirken. „Es handelt sich um eine Pflichtaufgabe, die wir auch künftig sicherstellen werden“, betont Kammerdirektor Alfons Schnabel.

Singen gegen Corona

Jutta Steinruck, Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, will mit einem Musikclip den Menschen Mut in der Corona-Krise machen. Die SPD-Politikerin veröffentlichte bei Facebook ein Video, auf dem sie zu einem Lied der Kölner Sängerin Bernice Ehrlich die Lippen bewegt. „Wenn jeder von uns zu Hause bleibt, sich ganz allein die Zeit vertreibt, dann können wir die Krankheit auch besiegen“, heißt es unter anderem. Im Internet reagierten die Hörer begeistert. „Gänsehaut pur und ein Tränchen im Auge“, hieß es etwa.

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