Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Bedrohungen und Übergriffe: Wie sicher sind Pfälzer Badeseen und Schwimmbäder?

Beliebtes Ziel an heißen Tagen: die Badeseen in der Pfalz, hier der Silbersee in Bobenheim-Roxheim.
Beliebtes Ziel an heißen Tagen: die Badeseen in der Pfalz, hier der Silbersee in Bobenheim-Roxheim.

Menschen springen im Hitzsommer gerne in Weiher und in Freibäder. Bedrohungen und Übergriffe an Pfälzer Badeseen machten 2021 Schlagzeilen. Dieses Jahr ist die Lage anders.

Es ging richtig zur Sache an einem Sonntag Anfang Juli in einem Freibad in Kaiserslautern: Zwei Männer, beide Mitte 20, hatten sich in die Haare bekommen – und schließlich so sehr gezofft, dass sie sich gegenseitig mit Faustschlägen traktierten. Das Aufsichtspersonal vermochte die Streithähne zu trennen, die angerückte Polizei geleitete beide zum Freibad hinaus.

So etwas komme vor, sagt Michael Schreiner. Dramatisieren will er solche Vorfälle gleichwohl nicht. Und überhaupt sei die Lage dieses Jahr in den Freibädern vergleichsweise ruhig: „Ich habe noch nichts davon mitbekommen, dass es größere Übergriffe gegeben hätte“, bilanziert der Landesvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister aus Kröppen (Südwestpfalz). Mit „größer“ meint Schreiner Vorfälle, die über das gewöhnliche Geplänkel hinausgehen, das sich automatisch einstelle, sobald viele Leute auf einem Haufen seien: Gespritze im Überschwang, Geschubse, die falschen Worte.

Nicht ganz ruhig, aber weniger Klagen

Klar, dass es da immer mal wieder zu Reibereien komme, meint Schreiner. „Aber von Verhältnissen wie in den Ballungsräumen sind wir weit entfernt“, sagt er und verweist auf Berichte über bedrohte Angestellte und Tumulte in Berliner Bädern oder in denen anderer Großstädte. Ihm seien jedenfalls keine Klagen hiesiger Kolleginnen und Kollegen bekannt, sagt Schreiner, der im Felsland Badeparadies in Dahn arbeitet.

Darauf, dass es doch nicht ganz so ruhig zugeht, deuten Daten der Stadtverwaltung Kaiserslautern hin. Demnach wurden bis zum 31. Juli dieses Jahres neunmal Angestellte im Freibad Waschmühle und im Warmfreibad bedroht, 49-mal beleidigt und auch einmal körperlich angegangen, was insgesamt 45 zeitlich begrenzte Hausverbote nach sich gezogen habe.

Dennoch: Für das Polizeipräsidium Westpfalz sind die Freibäder – und die Badeweiher – der Region keine Orte, an denen sich Rechtsverstöße übermäßig häufen. So seien in diesem Jahr bisher drei Körperverletzungen aktenkundig geworden. Zum Vergleich: Im ganzen Vorjahr waren es fünf, im Jahr 2019 waren es acht.

Rekordandrang brachte Probleme mit sich

Wobei zu ergänzen ist, dass 2019 ein Jahr war, das den Freibädern aufgrund hoher Temperaturen einen Rekordandrang bescherte. Und wo viele Menschen aufeinanderträfen, da gebe es hin und wieder Stress, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen. Die Anzahl der aktenkundigen Bedrohungen und Beleidigungen in Freibädern und an Badeseen in der Vorder- und Südpfalz bewege sich aktuell „im niedrigen einstelligen Bereich“. Gemessen an der Anzahl der Besucher – allein Ludwigshafen hat im Freibad Willersinnweiher bis zum 31. Juli 62.000 Gäste gezählt – ein überschaubarer Wert.

Ab einer gewissen Besucherzahl, so teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit, seien Beleidigungen „an der Tagesordnung und sicherlich schon jedem Mitarbeiter widerfahren“. Daher arbeite Ludwigshafen seit Langem mit einem privaten Sicherheitsdienst zusammen, „der an besucherstärkeren Tagen das städtische Personal unterstützt“. Körperverletzungen habe es bislang noch keine gegeben. Gerufen werde die Polizei, wenn Personalien aufgenommen werden müssten, um Hausverbote auszusprechen.

Sicherheitsdienste helfen bei Bedarf

Ähnlich handhaben es die Stadtwerke Neustadt, die das Stadionbad betreiben: Ist sehr viel los, wird ein Sicherheitsdienst hinzugezogen. In diesem Jahr musste er noch nicht eingesetzt werden, was nach dem Eindruck von Fachmann Michael Schreiner wohl damit zu tun hat, dass die Besucherzahlen in den Freibädern insgesamt „zufriedenstellend, aber weit von Rekordwerten entfernt“ seien.

Nun sei die objektive Gefährdungslage das Eine, das subjektive Sicherheitsgefühl aber etwas ganz Anderes, räumt die Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz ein. Ein Beispiel hierfür: die Badeseen Schlicht bei Neuhofen und Nachtweideweiher bei Lambsheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Beide machten im vergangenen Jahr Schlagzeilen, weil es zu lautstarken Feiern, Vermüllung, Vandalismus und sogar zu tätlichen Übergriffen auf Badegäste gekommen war. Sowohl die Ortsgemeinde Neuhofen als auch die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim beauftragten daraufhin private Sicherheitsdienste mit Kontrollen – die weiterhin stattfinden.

Keine auffällige Kriminalität

„Laut Polizei war die Schlicht nie auffällig, was Kriminalität angeht, und sie ist es auch jetzt nicht“, sagt Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP). Dennoch habe sich die Kommune entschlossen, private Wachleute patrouillieren zu lassen – zu wechselnden Zeiten und „wenn ein großes Aufkommen an Besuchern zu erwarten ist“. Viel haben die Aufpasser laut Marohn nicht zu tun: das Hundeverbot am Badestrand durchsetzen oder verhindern, dass Badegäste auf Mopeds bis zum Strand brausen. Aber es gehe eben um das Sicherheitsgefühl, weshalb auch die Polizei vermehrt Kontrollfahrten eingestreut habe.

Nach den Ausschweifungen im Vorjahr sei die Lage am Nachtweideweiher wieder ruhig, sagt der Lambsheimer Beigeordnete Gunter Steuer (FDP). Und merkt an, dass 2021 die Umstände ganz andere gewesen seien: „Es galten die Corona-Bestimmungen, die mussten wir durchsetzen.“ Zudem hätten gerade junge Menschen Ablenkung von den Belastungen der Pandemie und einen Platz zum Feiern gesucht, viele andere Angebote seien jedoch geschlossen gewesen. „Das haben wir ja zum Glück nicht mehr.“ Nun seien es am ehesten Parkverstöße, die die Gemeinde beschäftigten.

Überhaupt droht Badegästen in den kommenden Jahren viel größeres Ungemach von anderer Seite: „Uns mangelt es am Nachwuchs für die Bäderbetriebe“, sagt Michael Schreiner vom Schwimmmeister-Verband. Schon dieses Jahr mussten etliche Bäder ihren Betrieb einschränken – oder zeitweise ganz schließen wie in Eisenberg (Donnersbergkreis). Womöglich hält sich die Enttäuschung dennoch in Grenzen: „Viele Leute haben sich privat mit Pools eingedeckt.“

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