Interview Wie das Marsupilami ins Schloss Bellevue kam

Exklusive Tischkarte.
Exklusive Tischkarte.

Hoher Besuch aus Belgien war diese Woche in Deutschland. Und Zeichner Flix (47), der schon berühmte belgische Comic-Figuren nach Berlin verfrachtet hat, durfte mit König Philippe und Königin Mathilde speisen. Hier erzählt er über einen „irren Abend“ beim Bundespräsidenten.

Wie kam es denn zu dieser ungewöhnlichen Einladung?
Ich kann es nur erahnen. Ich bin zeichnerisch in den letzten Jahren ja immer wieder im deutsch-belgischen Bereich unterwegs gewesen, also mit dem Spirou- und dem Marsupilami-Album. Mir wurde dann erzählt, dass die deutsche Botschaft in Brüssel den Band gerne als Gastgeschenk nutzt. Das verbindet genau das, was sie machen: zwei verschiedene Kulturen in einem Medium, das in Belgien einen enorm hohen Stellenwert genießt. So als Brückenbauer wurde ich dann zu diesem Event eingeladen. Da war ich sehr geehrt und erfreut.

Mit so etwas rechnet man eher nicht, oder?
Überhaupt nicht. Der Brief vom Auswärtigen Amt in einem grauen Umschlag lag einfach so im Atelierbriefkasten, und ich dachte: Was ist das denn? Dann siehst du dieses Schreiben mit den goldenen Buchstaben: „Einladung zum Staatsbankett“.

Haben Sie lang überlegen müssen, ob Sie zusagen?
Da gab es wenig Zweifel. Ich dachte kurz an einen Scherz von meinem Atelierkollegen. Dann habe ich mich gefragt, wie ich mir das vorstellen muss: Wie groß ist das, kommen da viele Leute? Ich habe so etwas ja noch nie gemacht. Ich musste mir auch einen Smoking besorgen, um hingehen zu können.

Wie lief der Abend ab?
Es war ein irrer Abend. Man kam zum Schloss Bellevue, stieg in eine Limousine und wurde vorgefahren zum roten Teppich. Im Empfangssaal plauderten die Gäste ein wenig, irgendwann begann das Defilee. Nach und nach wurden alle vom Bundespräsidenten, seiner Frau, dem König und der Königin begrüßt.

Und wie sind die so?
Erstaunlich nett (lacht). Ich hatte ein signiertes Buch dabei, das ich der Königin schenken wollte. Sie freute sich sehr. Auch Frank-Walter Steinmeier ist übrigens Comic-Leser, das ist gar nicht so bekannt. Er wusste sofort, wer ich bin. Das hat mich überrascht. Bei seiner Tischrede hat er noch mal seine Liebe zu Comics und zum Marsupilami betont.

Das Marsupilami spielte beim Bankett ja eine besondere Rolle.
Das Schönste war, dass ich vorher gefragt wurde, eine Zeichnung zu Ehren dieses Tages zu machen. Jeder Gast bekam an seinem Tisch eine exklusive Karte mit dem Marsupilami. Als die Königin sich setzte, sah ich, wie sie diese Karte nahm, schmunzelte und sie ihrem Mann zeigte. Das fand ich cool.

Der nächste Comic spielt also in Schloss Bellevue?
(lacht) Mal gucken. Es ist jedenfalls toll, dass diese Veranstaltung eine Wertschätzung für Comics ausgedrückt hat.

Comic-Zeichner Flix: „Das war ein irrer Abend.“
Comic-Zeichner Flix: »Das war ein irrer Abend.«
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