Sri Lanka Tierschutz: Bessere Arbeitsbedingungen für Elefanten?

 Ein Elefant in Eisenketten wird als Touristenattraktion zu einer Safari gebracht.
Ein Elefant in Eisenketten wird als Touristenattraktion zu einer Safari gebracht.

Elefantentreiber dürfen nur noch nüchtern arbeiten, die Tiere nur noch vier Stunden am Tag Bäume tragen. Dickhäuter auf Sri Lanka sollen bessere Arbeitsbedingungen erhalten. Doch Tierschützer haben Zweifel.

Elefanten gelten auf Sri Lanka als Verkörperung von Buddha und als Segensbringer für ihre Besitzer. Doch in dem Inselstaat im Indischen Ozean leben auch rund 180 Elefanten leben in Gefangenschaft – bei buddhistischen Tempeln, reichen Geschäftsleuten, einflussreichen Politikern und staatlichen Elefantenparks. Sie müssen arbeiten – unter Bedingungen, die Tierschützer immer wieder kritisieren. So müssen sie bei religiösen Festen Reliquien von Buddha tragen und geschmückt durch große Menschenmengen laufen. Sie müssen auch schwere Bäume und viele Menschen schleppen, mit Touristen baden oder sich von ihnen füttern lassen.

Nun will die Regierung ihre Arbeitsbedingungen verbessern. Das Parlament soll den Gesetzesänderungen in den kommenden Wochen noch formell zustimmen: Ein Elefant soll dann nur noch vier Stunden am Stück Bäume oder Menschen tragen müssen – und das nur am Tag und bei schönem Wetter. Auf seinem Rücken sollen gleichzeitig höchstens vier Leute reiten dürfen, und er soll in einem Fahrzeug höchstens zwölf Stunden und mit höchstens 30 km/h transportiert werden. Elefantentreiber dürfen nur noch nüchtern arbeiten und müssen eine entsprechende Ausbildung absolvieren.

38 beschlagnahmte Tiere

Aber geht es dabei wirklich um das Wohl der Elefanten? Viele Tierschützer im Land machen diese Regeln nicht glücklich. Sie sind überzeugt, dass die Regierung sie lediglich als Vorwand nutzt, um mehr Elefanten zu domestizieren, wie der Chef des Centre for Environmental Justice, Hemantha Withanage, sagt. Die Tierschützer fürchten auch, dass Elefanten trotz der vermeintlich tierfreundlichen Regelungen weiter zu schwierigen Bedingungen ihre Arbeit verrichten müssen.

Außerdem sehen sie einen Zusammenhang zwischen den neuen Regeln und einem politisch brisanten Thema: Unter der Vorgängerregierung ließ Sri Lankas Wildtierbehörde 38 mutmaßlich illegal in der Wildnis gefangene Elefanten beschlagnahmen. Die Besitzer dieser Tiere gehören zu den einflussreichsten Menschen des Landes. Und die meisten von ihnen unterstützen die jetzige Regierung. Diese Leute wollen ihre Elefanten, die derzeit in staatlichen Elefantenparks leben, zurück.

Teilerfolg vor Gericht

Sollte dies passieren, befürchtet Panchali Panapitiya von der Organisation Rally for Animal Rights & Environment, dass die Besitzer den großen Wildtieren mit viel Gewalt Gehorsam antrainieren werden. Denn auch auf dem Inselstaat würden brutale Trainingsmethoden angewendet, wie man sie aus Thailand oder Indien kenne: Jungtiere würden längere Zeit in kleine Gehege gesperrt, wo sie sich kaum bewegen könnten, ihnen würde zeitweise Wasser und Nahrung verwehrt, sie würden geschlagen und angekettet.

Die Rückkehr der Elefanten sei wichtig, um die Tradition der buddhistischen Elefantenparaden zu bewahren, sagt dagegen der Sekretär der Elefantenbesitzervereinigung Sri Lankas, Dhamsiri Bandara Karunaratna. Und die Elefantenhalter konnten tatsächlich einen Teilerfolg feiern: Ein Gericht ordnete kürzlich an, 14 der 38 Tiere wieder zurückzugeben.

Zerstörter Lebensraum

Die Besitzer möchten aber generell mehr Elefanten haben, um noch mehr zu züchten. So fordert der buddhistische Mönch und Präsident der Vereinigung der gezähmten Elefanten, Magalkande Sudhantha, die Regierung auf, wilde Elefanten zu fangen und diese zu verkaufen. Gefangen werden könnten seiner Meinung nach Tiere, die Menschen schadeten – damit könne man auch ein anderes Problem im Land lösen.

Denn Menschen siedeln zunehmend im Lebensraum der Tiere. So zerstören Elefanten mehr und mehr Felder und Häuser, worauf sich deren Besitzer an den Tieren rächen und sie mit Knallkörpern, Gift oder Schüssen töten. Im ersten Halbjahr 2021 starben so nach offiziellen Angaben 172 Elefanten und 65 Menschen. Die Konflikte der Menschen mit den je nach Schätzung 2500 bis 6000 bedrohten Elefanten im Land sind ein Wahlkampfthema, für das die Politik allerdings noch keine wirksame Lösung gefunden hat.

Elefanten dürften für die Regierung ein heikles Thema bleiben, das ihre meisten Wähler betrifft. Die Existenz der Tiere ist bedroht, und auf das Elefantentöten steht die Todesstrafe. Elefanten bedrohen aber selbst auch Existenzen von armen Bauern. Und dann will die Elite des Landes mehr und mehr von ihnen besitzen. Ob die neuen Regeln den gefangenen Elefanten helfen, wird sich zeigen.

Touristen füttern Elefanten in einem Elefantenwaisenhaus.
Touristen füttern Elefanten in einem Elefantenwaisenhaus.
Touristen fotografieren sich mit Elefanten in einem Elefantenwaisenhaus.
Touristen fotografieren sich mit Elefanten in einem Elefantenwaisenhaus.
x