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SchnittmengeArnold Gevers und Verena Stoppel haben den herkömmlichen Produktionsvorgang einfach umgedreht: Bei ihnen bestimmt di
SchnittmengeArnold Gevers und Verena Stoppel haben den herkömmlichen Produktionsvorgang einfach umgedreht: Bei ihnen bestimmt die Stoffmenge den Schnitt ihrer Kollektion.

Übliche Schnittmuster scheren sich in der Regel wenig um den Verschnitt, den sie hinterlassen. Doch greifen sie wie Puzzleteile ineinander, gibt es keinen Abfall. Ein Münchner Start-up versucht sich daran, wenn auch mit Hindernissen.

Wenn große Modelabels ihre Jacken, Hosen oder T-Shirts produzieren lassen, wird üblicherweise zuerst der Schnitt entworfen und dann auf den Stoff gelegt. Rund 20 Prozent des Materials fallen dabei als Verschnitt an, sagt Arnold Gevers, Professor für Modedesign an der AMD Akademie Mode & Design in München. Sogar bis zu 40 Prozent können im Abfall landen, klagt Greenpeace. Geht es nach Gevers, soll damit Schluss sein. Gemeinsam mit der Soziologin Verena Stoppel bringt der Designer in diesen Tagen eine Kollektion auf den Markt, die gänzlich ohne Verschnitt auskommt.

Im akademischen Umfeld diskutiere man bereits seit Jahren über diesen Ansatz, sagt Gevers. Er sitzt im ersten Stock eines Büros im Münchner Norden. Links und rechts stehen gebrauchte Nähmaschinen an der Wand, vorne rechts hängt die Musterkollektion. Er nimmt Jacken, Hosen und T-Shirts von der Stange, legt sie auf den großen Zuschneidetisch in der Mitte des Raums und daneben einen Schnittmusterbogen, den er am Computer entworfen hat.

Schnitte wie Puzzleteile

„Wir haben den normalen Ablauf einfach umgedreht“, sagt Gevers. Bei ihm folgt aus der Stoffbegrenzung und der Beschaffenheit des Materials, wie der Schnitt aussieht. Ob Ärmel, Vorder- oder Rückenteil – der Designer hat die Schnitte so entworfen, dass sie wie Puzzleteile ineinandergreifen. Insgesamt sechs Schnitte hat er für die erste Kollektion ersonnen. Nicht ein Stofffitzelchen bleibt übrig.

Doch diese Art und Weise, Schnitte zu entwickeln, hat ihren Preis. Da die Stoffbreite entscheidend ist, kann nicht jeder Schnitt in allen gängigen Konfektionsgrößen produziert werden. Was dafür sorgte, dass Gevers und Stoppel trotz ihres pfiffigen Vorhabens bei den großen Fashion Groups abblitzten. Da gründete das Münchner Duo kurzerhand das Start-up AA Gold, um eine eigene Kollektion unter dem Namen Maxi Over herauszubringen. Das Geld dafür, 12.500 Euro, kam per Crowdfunding zusammen.

Stücke bis zu 365 Euro

Jetzt sind die Klamotten zwar geschneidert, doch die Auswahl ist noch etwas begrenzt, etwa in der Farbpalette. Schwarz oder Weiß sind Hemd und T-Shirt, die Hose gibt es in Schwarz wie auch das Sweat-Shirt und die Jacke. Letztere zusätzlich in Blau und das Sweatshirt in Rosa. Alles sind Uni-Sex-Modelle, seinen Stil beschreibt Designer Gevers als „japanisch orientiert“, die Jacke beispielsweise gleicht einem Kimono.

Die Hauptzielgruppe des Start-ups: 25- bis 35-Jährige, die „Nachhaltigkeit mit individuellem Stil“ verbinden wollen, sagt Verena Stoppel. Hippe Großstädter also. Zwischen 45 und 365 Euro kosten die Kleidungsstücke. Die Baumwollstoffe stammen von einem schwäbischen Hersteller und tragen das Nachhaltigkeitssiegel Global Organic Textile Standard. Genäht wird die Kollektion in Rumänien bei einem Betrieb, der nach den Vorstellungen der beiden Neu-Unternehmer produziert: „Sie haben die gleiche Geisteshaltung in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit“, sagt Gevers.

Ungetragene Kleidung einfach verschenken

Kunden sollen nun in ausgewählten Geschäften mit der Kollektion vertraut gemacht werden und können dann die passenden Stücke bestellen. Bei Modenschauen vorab ist das Sweatshirt mit der doppelten Naht am Oberarm am besten angekommen. Dieses Detail trifft offenbar einen Nerv, ist aber im Grunde Ergebnis der Vermeidung von Verschnitt.

Vielleicht trägt das zeitlose Design des Duos ein wenig dazu bei, dass nicht die nächsten Klamotten ungetragen in deutschen Schränken hängen. Laut Greenpeace ist dies bei jedem fünften Kleidungsstück, das Erwachsene hierzulande besitzen, der Fall. Insgesamt besitzen Deutsche demnach im Schnitt – ohne Unterwäsche und Socken – 95 Kleidungsstücke, Frauen mit 118 deutlich mehr als Männer mit 73 Teilen. Viola Wohlgemuth, Konsumbeauftragte bei Greenpeace, appelliert, die Kleidung im Schrank wertzuschätzen. Man solle sich Zeit nehmen, den Schrank sortieren, schauen, welche Teile miteinander neu kombiniert werden können und Kleidungsstücke, die man nicht braucht, einfach verschenken.

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