Kinderstar „Mama“: Troubadour der Mütter kommt ins Rentenalter

Volksmusik statt Schlager: Hein Simons lebt seit Jahrzehnten auf seinem Reiterhof in Belgien.
Volksmusik statt Schlager: Hein Simons lebt seit Jahrzehnten auf seinem Reiterhof in Belgien.

Mit „Mama“ sang sich Heintje in den 60er Jahren in die Herzen der Deutschen. Zumindest in deren weiblichen Teil. Sogar Heiratsanträge bekam der junge Niederländer. Nach dem Stimmbruch tat sich Hein Simons lange schwer, an seine frühen Erfolg anzuknüpfen. Jetzt wird er 65.

Wenn Kinderstars ins Rentenalter kommen, liegen ihre großen Erfolge oft weit zurück. Bei Heintje sind es genau 54 Jahre: 1966 sang Hendrik Nikolaas Theodoor Simons bei einem Talentwettbewerb im niederländischen Schaesberg auf Holländisch das italienische Lied „Mamma“, das damals schon einige Jahrzehnte auf dem volkstümlichen Buckel hatte. Der junge Niederländer gewann und startete wenig später eine Riesenkarriere im Nachbarland Deutschland.

1967 präsentierte Heintje, der am Mittwoch 65 Jahre alt wird, eine deutsche Version des nun „Mama“ geschriebenen Titels in der damals von Vico Torriani moderierten ZDF-Show „Der Goldene Schuss“. Mit seinem inbrünstig intonierten Schmachthit berührte Heintje seinerzeit ein ganzes Volk – oder zumindest den weiblichen Teil der Deutschen: Der Junge bekam zahlreiche Heiratsanträge.

Ein Pony für zwölf Lieder

„Troubadour der Mütter“, taufte die Wochenzeitung „Die Zeit“ den in der niederländischen Grenzstadt Kerkrade geborenen Kinderstar. Das Singen hatte Heintje in der Gastwirtschaft seiner Eltern gelernt. Der Produzent Addy Kleijngeld wurde durch den Wettbewerb in Schaesberg auf den Jungen aufmerksam. Er holte Heintje zu sich ins Studio und ließ ihn zwölf Lieder einsingen, im Gegenzug erhielt der Junge ein Pony.

Nur ein Jahr nach seinem Auftritt in der ZDF-Spielshow erhielt Heintje zehn goldene Schallplatten auf einen Schlag – die Deutschen waren verrückt nach ihm und seinen Liedern wie „Ich bau dir ein Schloss“ und „Heidschi Bumbeidschi“. Er sang Deutsch, Holländisch und Englisch, trat in den USA, Australien, Neuseeland, Südafrika und sogar in Indonesien auf.

40 Millionen Schallplatten

Bis zum Ende seiner Kinderkarriere stiegen seine Verkaufszahlen auf insgesamt mehr als 40 Millionen Schallplatten, dazu kamen Erfolge mit Kinofilmen. Der Junge singe „Lieder für wunde Herzen“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Friedhöfe meldeten, dass Heintjes „Mama“ bei den Beerdigungshits mit Händels „Largo“ weit vorn stand. Und Heintje bediente das Kitschbild, für das er stand. „Wenn du Kummer hast, dann sing’ ich für Dich, Du liebe Omi“, sagte der Knabe.

An die großen Erfolge seiner Kinderzeit konnte Heintje nach dem Stimmbruch nicht mehr anknüpfen. In der ersten Hälfte der 70er zog er sich weitgehend zurück und baute in der Folgezeit gemeinsam mit seinen Eltern einen Reiterhof in Belgien unweit der deutschen Grenze auf.

Später Erfolg als Erwachsener

Ab Mitte der 90er Jahre gelang es ihm, als Hein Simons in der volkstümlichen Musik wieder Fuß zu fassen. 2014 brachte er seinen ersten Tonträger auf Niederländisch seit vier Jahrzehnten heraus, der im Nachbarland prompt 13 Wochen in den Charts stand.

2017 gelang Hein Simons mit dem Duettalbum „Heintje und ich“ auch in Deutschland wieder ein Erfolg. Zuletzt veröffentlichte er 2019 sein Album „Lebenslieder“ – es war das 28. Studioalbum seiner Karriere.

Heute lebt der 2014 von seiner langjährigen Ehefrau geschiedene Hein Simons weiter auf seinem Reiterhof in Belgien unweit von Aachen. Die Liebe zu Pferden zieht sich durch das ganze Leben des dreifachen Vaters – seit Heintjes erstem Pony damals als Kinderstar.

„Troubadour der Mütter“: Heintje wuchs im deutsch-niederländischen Grenzgebiet auf.
»Troubadour der Mütter«: Heintje wuchs im deutsch-niederländischen Grenzgebiet auf.
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