Panorama Knapp an der Katastrophe vorbei
«Treuenbrietzen.» Weniger als 100 Meter sind die Flammen an die Dörfer herangekommen. Doch die Feuerwehr konnte das Übergreifen des Waldrands auf die Häuser und damit eine Katastrophe verhindern. Bei der Wiederaufforstung will man aus der Erfahrung lernen.
Das Flammenmeer in Brandenburg schreckte gestern auch viele Menschen in Berlin auf. Der Wind wehte am frühen Morgen Rauchwolken bis ins Regierungszentrum. Besorgte Anrufer meldeten sich bei der Polizei; die Feuerwehr rief dazu auf, Fenster geschlossen zu halten. Mit einem Windwechsel verzog sich der Rauch in Berlin rasch wieder. Bei Treuenbrietzen ging der Kampf gegen den Waldbrand unterdessen auf rund 400 Hektar Fläche in die entscheidende Phase. Vor Ort boten die Helfer auf, was das Material hergab. Aus ganz Brandenburg rückten Löschzüge der Feuerwehr an. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Flammen zu ersticken. Und in der Nacht auf Freitag flog ein Hubschrauber der Bundeswehr fast pausenlos, um immer wieder Wasser auf die bis zu 1000 Grad heiße Glut zu schütten. Denn manche Waldflächen können die Helfer nicht betreten – zu groß ist die Gefahr, dass im Wald Munition aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Bereits Donnerstagabend wurden drei Ortschaften mit zusammen rund 500 Menschen evakuiert, weil ein Übergreifen der Flammen nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. „Sowas haben wir noch nicht einmal im Krieg erlebt“, sagt die 76 Jahre alte Anita Biedermann aus Frohnsdorf, als sie auf den Bus wartet, der sie zur Stadthalle im nahen Treuenbrietzen bringen soll. „Wir schlafen nicht, wir machen einen drauf“, macht sich die Rentnerin in ihrem Notquartier Mut. Am Morgen kommt die erste Entwarnung. Die Bewohner von Frohnsdorf dürfen zurück. Die Menschen aus Tiefenbrunnen und Klausdorf müssen auf jeden Fall bis heute warten. Für die gute Nachricht ist Ministerpräsident Dietmar Woidke in die Halle gekommen. „Es war hoch gefährlich“, sagt er. Das Feuer sei dicht an die Häuser herangekommen. Und es sei auch noch nicht absehbar, wann Entwarnung gegeben werden könne. „Es kann sich um Tage handeln.“ Wie es zu der Beinahe-Katastrophe kommen konnte, ist unklar. War es Brandstiftung? Eine weggeworfene Zigarette? Das könne noch nicht gesagt werden, sagt Woidke. Zwei Dinge sind aber jetzt schon klar: Tausende Hektar Wald in Brandenburg sind noch immer sogenannte Munitionsverdachtsflächen. Das sei ungefährlich, wenn der Wald nicht betreten werde – aber ein Problem bei Großbränden, sagt Woidke. „Wir müssen uns stärker um diese Flächen kümmern.“ Und es soll eine Wiederaufforstung geben; möglichst als Mischwald statt der leicht brennbaren Monokulturen aus Kiefern. „Da, wo Mischwald steht, hat das Feuer keine Chance gehabt“, sagt Woidke nach einer Rundfahrt.