Tiere Kämpft „Flipper“ auch bei der Marine mit?

Große Tümmler sind gut trainierbar und besitzen überragende Fähigkeiten beim Orten.
Große Tümmler sind gut trainierbar und besitzen überragende Fähigkeiten beim Orten.

Delfine gehören zu den absoluten Sympathieträgern. Wenig bekannt ist jedoch, dass die Tiere in manchen Staaten auch für den Kriegseinsatz trainiert werden. Wie passt das zusammen?

Delfine kennen wir aus TV-Serien wie „Flipper“. Sie sind intelligent, schnell, gehorsam und besitzen ganz besondere Fähigkeiten unter Wasser. Doch taugt der scheinbar nette Meeresbewohner auch als Kriegswaffe? „Unter dem Oberbegriff ,Kampfdelfine’ versteht man Große Tümmler. Da kann man also überspitzt sagen, Flipper wird zum Killer gemacht“, sagt Ulrich Karlowskii von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Aktuell soll Russland „Kampfdelfine“ im Schwarzen Meer im Einsatz haben. Die britischen Geheimdienste berichteten kürzlich, damit soll die Marinebasis auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim geschützt werden. Aufnahmen des Hafens von Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, zeigten eine Verdopplung schwimmender Gehege, in denen höchstwahrscheinlich Große Tümmler gehalten würden. Mit denen sollten feindliche Taucher abgewehrt werden. Beweise für den Kampfeinsatz von Delfinen dort fehlten aber, sagt Biologe Karlowski.

Wettrüsten im Kalten Krieg

Unzweifelhaft ist hingegen, dass sich sowohl die USA als auch die ehemalige Sowjetunion viele Jahrzehnte lang bemüht haben, Delfine zu militärischen Zwecken zu trainieren. „Es gab eine Art Wettrüsten im Kalten Krieg. Die Amerikaner sollen dabei bis zu 140, die Russen etwa 120 Delfine besessen haben“, sagt Karlowski.

„Delfine orientieren sich hauptsächlich akustisch. Sie sehen quasi mit ihren Ohren und haben dadurch überragende Ortungsfähigkeiten unter Wasser“, erklärt der Experte weiter. Das mache sich der Mensch im Krieg zunutze. Zum Einsatz kämen die intelligenten Meeressäuger insbesondere, um Patrouillendienste zu leisten und feindliche Kampftaucher oder Seeminen aufzuspüren. „Selbst wenn es trüb oder Nacht ist und die Sicht schlecht, sind sie mit ihren Fähigkeiten allen technischen Geräten, die der Mensch erfunden hat, weit überlegen“, fasst Karlowski die Einsatzmöglichkeiten zusammen. Während ihrer Patrouillen könnten die Tiere zudem mit an den Flossen angebrachten Kameras Live-Bilder liefern.

Viele Gerüchte und auch viele Legenden

Um Delfine im Kampfeinsatz gebe es allerdings auch viele Mythen und Legenden. „Die Geschichten, dass Delfine feindliche Kampftaucher angreifen und töten oder auch Haftminen an feindlichen Booten anbringen können, sind für mich eher Gerüchte“, sagt Karlowski über die „Soldaten aus dem Meer“.

Die Anzahl der bekannt gewordenen Kriegseinsätze der Großen Tümmler ist überschaubar. Die amerikanische Marine hat Kampfdelfine im Vietnamkrieg Ende der 60er Jahre und später 1991 im Persischen Golf während des zweiten Golfkriegs gegen Irak eingesetzt. 2012 hätten Delfine einer amerikanischen Spezialeinheit vor Montenegro bei der Minenräumung geholfen, erinnert sich Karlowski. „Die Programme standen und stehen unter strengster Geheimhaltung.“

Hoher Aufwand

Im Gegensatz dazu ist der Einsatz anderer Tierarten im Krieg gut dokumentiert. Ratten etwa kommen bei der Minenräumung zum Einsatz, Hunde erschnüffeln dank ihres Geruchsinns Sprengstoffe und Maultiere helfen beim Transport militärischer Güter in unwegsamem Gelände.

Bekannt ist, dass Delfine lernen können, auf menschliche Befehle wie Signaltöne oder Handzeichen zu reagieren. Doch der militärische Einsatz der „Kampfdelfine“ ist mit einem hohen Aufwand verbunden. „Selbst wenn sie gute Trainer haben, braucht es ein paar Jahre, damit Delfine zuverlässig Aufgaben ausführen“, sagt der Verhaltensbiologe und Experte für Delfinhaltung, Lorenzo von Fersen.

Die Ausbildung sei mit der von Hunden vergleichbar. „So wie man einen Schäferhund trainiert, um als Wachhund zu funktionieren, so kann man auch Delfine trainieren“, sagt der Verhaltensbiologe. Große Tümmler könnten sich Fähigkeiten übers Anschauen aneignen. Das schaffen nur sehr wenige Tierarten.

Zweifel am Einsatz

In den USA soll es dem Delfin-Experten von Fersen zufolge noch 70 Meeressäuger bei der US-Navy in San Diego geben. Der Verhaltensbiologe ist sich sicher: „Sie werden nicht mehr für militärische Zwecke ausgebildet, sondern hauptsächlich für Forschungszwecke.“ Delfine für militärische Zwecke einzusetzen, findet er nicht mehr zeitgemäß. „Früher waren die technischen Hilfsmittel der Marine begrenzt“, sagt von Fersen. Doch das habe sich geändert. Deshalb zweifelt der Experte an den Berichten über Delfine im Einsatz der Russen.

Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz wiederum kritisiert den möglichen Einsatz von „Kampfdelfinen“ aus ethischen Gründen: „Wir nutzen die dem Menschen freundlich gesinnten Tiere für unsere aggressiven Zwecke aus.“

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