Panorama Gruß an die Feuerwand

2011 veränderte ein Ultramarathonlauf das Leben von Turia Pitt.
2011 veränderte ein Ultramarathonlauf das Leben von Turia Pitt.

«Ulladulla.»Ein Feuerwall, knackende Zweige, Hitze: Turia Pitt steht plötzlich vor einem Buschfeuer, die in Australien wie aus dem Nichts entstehen. 64 Prozent des Körpers der Marathonläuferin verbrennen. Wie geht es ihr heute, knapp sieben Jahre danach?

„Ich hatte ein Viertel des 100-Kilometer-Ultramarathons zurückgelegt“, erinnert sich Turia Pitt. „Plötzlich stand ich vor einer Wand aus Feuer.“ Die Marathonläufer befinden sich in einer Schlucht im australischen Outback und haben die Wahl: Entweder sie laufen den Weg zurück, den sie gekommen sind, oder versuchen, sich auf einen Hügel zu retten, wo weniger Vegetation wächst. Sie entscheiden sich für den Hügel. „Im Nachhinein war das die falsche Entscheidung, weil sich Feuer bergauf schneller fortbewegt.“ Die Flammen erfassen Turia Pitt: „Ich dachte, dass mein Leben jetzt endet. Und ich fand es unfair, dass ich meinen Freund Michael nie wiedersehen würde.“ Pitt, halb tot, harrt auf dem Hügel aus. „Die Sonne schien mir auf die verbrannte Haut.“ Vier Stunde später wird sie von einem Helikopter gerettet. „Ich bin’s, Turia“, sagt sie. Ihre Retterin erkennt sie nicht. Der Marathon am 2. September 2011 verändert das Leben von Turia Pitt für immer. Der damals 24-Jährigen standen alle Türen offen: Sie hat ihr Bergbauingenieursstudium abgeschlossen. Die Beziehung zu ihrem Freund Michael, sportlich wie sie, ist glücklich. Dann der Unfall. „Ich habe noch keinen Fall gehabt, dass jemand mit diesen Verbrennungen überlebt“, erzählt ihr Arzt Jahre später in einer Dokumentation. 65 Prozent von Pitts Haut sind verbrannt. Sieben Finger werden amputiert, sechs Monate liegt sie im Krankenhaus, muss 200 Operationen und Hauttransplantationen über die ergehen lassen. Sie muss zwei Jahre lang eine schwarze Stoffmaske tragen: „Ich hätte einige Banken ausrauben sollen“, scherzt sie später in einem Vortrag. Und: „Heute sieht meine rechte Hand aus wie die von Bart Simpson.“ Die Ärzte sagen ihr, dem Sportfreak, dass sie nie wieder wird laufen können . „Nach zwei Schritten schrie sie vor Schmerzen“, erinnert sich ihr Freund. Doch Pitts Körper erholt sich. Ihr Mann hält zu ihr. Michael, ein Polizist, gibt seinen Job auf, um bei ihr zu sein. „Sie ist immer noch das Mädchen, in das ich mich verliebt habe“, sagt er. Ihre Liebe übersteht die Prüfung. Heute sind sie verheiratet und haben 2017 einen Sohn bekommen. „Nach dem Unfall hatte ich große Schmerzen, die keine Bedeutung hatten. Aber von diesem Schmerz habe ich ein Baby bekommen. Wie cool ist das?“, sagt sie über die Entbindung. Turia Pitt ist in Australien inzwischen prominent. Die Öffentlichkeit kennt sie als Aktivistin und Motivationstrainerin. „Ich fordere jeden heraus, nach nur einem kurzen Moment mit Turia Pitt nicht inspiriert zu sein, mehr aus seinem Leben zu machen“, wird ein Journalist zitiert. Auf ihrem Blog betont sie, dass Erfolg wie Heilung nicht linear verläuft. Und dass Ablenkung der häufigste Grund ist, weshalb Menschen ihre Ziele nicht erreichen. „Starten Sie klein und bleiben Sie konstant.“ Es gibt Fotos von ihr und Angelina Jolie und Brad Pitt. Und mit Herzogin Kate. Für Interplast, eine Organisation, die plastische Chirurgie in Entwicklungsländern durchführt, sammelt sie Spenden. 2016 nimmt sie an Ironman-Läufen auf Hawaii teil. Sechs Jahre nach dem Unfall posten sie und ihr Ehemann Michael ein Foto mit einem Gruß an die Feuerwand: „Vor sechs Jahren hast du versucht, unser Leben zu stehlen. Fuck you, Buschfeuer!“

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