Panorama
Gelbaugenpinguin statt Kakapo: Haben Russen Neuseelands Vogel-Wahl beeinflusst?
Der Gelbaugenpinguin ist Neuseelands „Vogel des Jahres“. Er hat den Kakapo kurz vorm Ziel ausgestochen. Doch unverhältnismäßig viele Stimmen stammen aus Russland, finden die Neuseeländer. Das heizt die Gerüchteküche an.
Neuseeland nimmt Wahlen jeder Art ausgesprochen ernst. Der Wille des Volkes soll nicht nur über die Zusammensetzung des Parlaments entscheiden: Auch über das Motiv der Flagge stimmten die 4,8 Millionen Neuseeländer ab. Und jedes Jahr wieder wählen sie den „Vogel des Jahres“.
Gewinner ist der seltenste Pinguin der Welt
Die Idee hinter dem Wettbewerb ist, mehr Aufmerksamkeit für die bedrohte Vogelwelt Neuseelands zu schaffen, zu der der flugunfähige Kiwi gehört – oder der verrückte Bergpapagei Kea, der Verkehrshütchen verschiebt, Brieftaschen klaut und Schafe attackiert.
Im vergangenen Jahr gewann die Taubenart Kererū, die dafür bekannt ist, vergorene Beeren zu fressen und betrunken von Bäumen zu fallen. Der diesjährige Gewinner – der Gelbaugenpinguin – ist der seltenste Pinguin der Welt. Mit Artgenossen kommuniziert er nur durch Schreien.
Organisatoren halten Schwindel für unwahrscheinlich
Hacker aus Australien hatten in der Vergangenheit bereits versucht, die Vogelwahl zu beeinflussen, weswegen die Organisatoren, die Umweltschutzgruppe Forest and Bird, die Abstimmung nochmals sicherer gemacht haben. Dieses Jahr mussten Wähler neben ihrer E-Mail-Adresse auch einen vierstelligen Code eingeben.
Trotzdem mussten die Organisatoren erneut die Integrität des Wettbewerbs verteidigen, nachdem Spekulationen über die Anzahl der Wähler aus Russland die Gerüchteküche anheizten. „Die Leute kommen mit allen möglichen Theorien über die Beteiligung Russlands daher“, sagte Megan Hubscher, die Sprecherin der Umweltorganisation. Sie könne aber versichern, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Unserer Meinung nach sieht alles ziemlich ordentlich aus.“
Vögel wandern zwischen Neuseeland und Russland
Die Auszählung ergab, dass Menschen aus 92 Ländern abgestimmt haben. Neben den 16.000 Stimmen aus Neuseeland kamen die meisten internationalen Stimmen aus Australien (684 Stimmen), gefolgt von Großbritannien (682 Stimmen), den USA (563 Stimmen) und Russland (335 Stimmen).
Hubscher findet, dass das große, russische Interesse sich leicht erklären lasse. Ihrer Meinung nach sind russische Ornithologen dafür verantwortlich. „Neuseeland hat tatsächlich Vögel mit Russland gemeinsam“, sagte sie. Als Beispiel nannte sie die Pfuhlschnepfe, die jährlich zwischen den Ländern hin- und herwandern würde.