Panorama Dänemark: Lamas als Schaf-Hütetiere

Gar nicht harmlos: Lamas können schmerzhafte Tritte austeilen – und treffsicher spucken.
Gar nicht harmlos: Lamas können schmerzhafte Tritte austeilen – und treffsicher spucken.

Zum Schutz der Herden vor Wölfen

«Kopenhagen.» Auch in Dänemark gibt es inzwischen immer mehr Wölfe. Der Vorsitzende eines regionalen Schafzüchterverbandes rät seinen Mitgliedern zum Kauf eines Lamas als Wachhund. Dafür gibt es sogar staatliche Unterstützung. Die einst fast vor dem Aussterben bedrohten Wölfe finden dank Tierschutzmaßnahmen derzeit in mehreren europäischen Ländern wieder Verbreitung. Auch wenn die Raubtiere weniger gefährlich sein sollen, als ihr historisch bedingter schlechter Ruf es nahelegt, kommt es auch in Dänemark immer häufiger dazu, dass sie etwa Schafe reißen. Seit einiger Zeit machen sich das Landwirtschaftsministerium und Züchter Gedanken, auf welche Weise man das verhindern kann, ohne die Rudel einfach zu dezimieren. So wurde angeregt, Wölfe mit einem GPS-Sender auszustatten, damit man sie orten und rechtzeitig Alarm schlagen kann, wenn sie sich in der Nähe von Herden befinden. Auf der Suche nach einer wolfsfreundlichen Lösung, ist nun auch ein großes, temperamentvolles und manchmal spuckendes Tier in den Blick geraten. Die Rede ist vom aus der Familie der Kamele stammenden Lama, das eigentlich in den Anden in Südamerika zu Hause ist. In einem abgegrenzten Gebiet in Jütland können Landwirte derzeit staatliche Zuschüsse für „Wach- und Abwehrtiere“ zum Schutz ihrer Herden erhalten. Mit der Zunahme der Wölfe sei es „völlig sicher, dass viele die Anschaffung eines Lamas oder eines anderen Wachtiers erwägen werden“, sagt Jens Nielsen Direktor vom südjütischen Schafzüchterverband. Vor allem kleineren Züchtern rät Nielsen die Anschaffung eines Lamas. Sie sind mit einer Höhe von bis zu 1,8 Metern und einem Gewicht von bis zu 200 Kilo recht imposante Tiere. Dabei sind die Paarhufer weniger friedliebend, als ihr Aussehen vermuten lässt. Es sind selbstsichere, launische Tiere. Einmal an eine Schafherde gewöhnt, treten sie gern als deren Revierwächter auf. Mit ihren Vorderbeinen können Lamas schmerzhafte Tritte austeilen. Und sie sind treffsicher: Ihre Spuckattacken mit stinkenden, halb verdauten Essensresten gelten als Geheimwaffe. Lamas spucken aber eigentlich nur, wenn sie sehr bedrängt werden oder um in einer Herde ihre Dominanz gegenüber Artgenossen zum Ausdruck zu bringen. Im Nachbarland Schweden gibt es bereits Lamas, die Schafherden hüten. In den USA werden sie seit Jahrzehnten zum Schutz von Zuchttieren vor Präriehunden, Luchsen, Füchsen und Pumas genutzt. Angeblich haben sie sogar schon angreifende Kojoten getötet. Verbandsvertreter Nielsen weist auf einen Nachteil hin: Lamas seien auch teuer im Unterhalt, sie fressen viel. Für größere Schafherden empfehle sich daher doch eher ein klassischer Wachhund.

x