Panorama Brandserie in Berliner Plattenbau: Bewohner festgenommen

Rund 50 Einsatzkräfte rückten am Sonntag nach Berlin-Lichtenberg aus.
Rund 50 Einsatzkräfte rückten am Sonntag nach Berlin-Lichtenberg aus.

Vier Brände in fünf Tagen: Nach mehreren Brandstiftungen in einem Plattenbau an der Landsberger Allee in Berlin hat die Polizei einen Verdächtigen ermittelt. Der 26-Jährige sei gestern festgenommen worden, teilten die Beamten mit. Er soll in dem 18-stöckigen Hochhaus im Bezirk Lichtenberg wohnen. Für Hochhausbewohner ist es der Horror schlechthin: Ein Feuer bricht aus, das Treppenhaus ist verraucht, der Fahrstuhl sollte vorsorglich nicht benutzt werden. Je höher die Wohnung liegt, desto größer sind die Sorgen der Mieter. In dem 18-stöckigen Mietshaus Landsberger Allee 175 im Berliner Bezirk Lichtenberg war die Angst zuletzt ein ständiger Mitbewohner: Seit dem vergangenen Mittwoch hat es in dem Gebäude bereits vier Mal gebrannt. Zuerst hatte Sperrmüll in der neunten Etage in Flammen gestanden. Am Freitag brannte Gerümpel im Treppenhaus und am Samstag kleinere Papierhaufen im sechsten und zwölften Stock des Wohnhauses. Zuletzt brannte am Sonntagabend im zehnten Stock Gerümpel. Zwar konnte die Feuerwehr die Brände rasch löschen. Vier Erwachsene und drei Kinder mussten aber am Sonntag in Sicherheit gebracht werden. 24 Bewohner wurden von Notärzten untersucht. Das Haus aus DDR-Zeiten wirkt innen vernachlässigt und sanierungsbedürftig. Nach Auskunft von Mietern wird von der Eigentümerin, der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen, nicht einmal „das Allernotwendigste“ erledigt: Türen seien defekt, Briefkästen schlecht beschriftet, Fahrstühle ruckelten. Gestern sei erstmals „seit Wochen“ wieder ein Reinigungstrupp im Haus unterwegs gewesen. Die milliardenschwere Immobiliengesellschaft besitzt über 100.000 Wohnungen in der Hauptstadt und gerät immer wieder in die Schlagzeilen, weil sich Mieter über Mängel und überhöhte Betriebskostenabrechnungen beklagen. Dass in den verwinkelten Gängen des Hochhauses achtlos Papierhaufen, Gerümpel und zu entsorgende Möbel gelagert werden, hat es dem mutmaßlichen Täter laut Polizei leicht gemacht. Das Landeskriminalamt ging von Anfang an von Brandstiftung aus. Denn auffällig war, dass die Brände immer zwischen 20.30 Uhr und 21.30 Uhr begannen. Bereits vor fünf Jahren – damals noch unter einer anderen Besitzerin – wurde das Gebäude mit rund 120 Mietparteien nahe der vielbefahrenen Landsberger Allee als „Berliner Horrorhaus“ bekannt. Das Trinkwasser war verseucht, in vielen Wohnungen tummelten sich Kakerlaken, oft funktionierte nur ein Fahrstuhl. Zwischenzeitlich gab es rund um die Uhr einen Concierge im Eingangsbereich, da soll das Haus deutlich weniger „vermüllt“ gewesen sein. Die Bewohner hatten laut Polizei einen Schutzengel. Glück hatten aber auch die Einsatzkräfte: Ein Mieter des Nachbarhauses soll nach dem dritten Brand am Samstagabend von seinem Balkon im elften Stock einen Böller auf Polizisten geworfen haben, der direkt neben der Gruppe explodierte. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Er soll von den vielen Feuerwehr-Großeinsätzen der vergangenen Tage genervt gewesen sein.

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