Tiere RHEINPFALZ Plus Artikel Betrunkener Waschbär: Das lustige Doppelleben des „Müllpandas“

„Definitiv nicht mehr aufnahmefähig“: Betrunkener Waschbär auf der Toilette eines Spirituosenladens im US-Bundesstaat Virginia.
»Definitiv nicht mehr aufnahmefähig«: Betrunkener Waschbär auf der Toilette eines Spirituosenladens im US-Bundesstaat Virginia.

Ein bewusstloser Waschbär in einem US-Spirituosenladen sorgte weltweit für Schlagzeilen. Nun zeigt sich: Die nächtliche Sauftour war offenbar nicht sein erster Ausflug.

Er wurde schlagartig weltberühmt, weil er sich in einem Spirituosenladen hemmungslos bediente und seinen Rausch ausgerechnet auf dessen Toilette ausschlief. Nun stellte sich heraus: Der betrunkene Waschbär aus dem US-Bundesstaat Virginia hat sich offenbar nicht zum ersten Mal einen „Fehltritt“ geleistet, sondern scheint ein Wiederholungstäter mit erstaunlicher Ortskenntnis zu sein.

Bekannt wurde der Fall am ersten Adventswochenende, als Mitarbeiter eines ABC-Stores im Großraum Ashland am Morgen einen regungslos wirkenden Waschbären im Badezimmer des Geschäfts entdeckten. Der nächtliche Eindringling hatte zuvor erhebliche Verwüstungen angerichtet: Flaschen waren zerbrochen, Alkohol hatte sich über den Boden ergossen, eine Deckenplatte war eingestürzt. Und der Täter lag bewusstlos neben der Toilette.

Bereits der dritte Einbruch?

Wie Samantha Martin von der Tierschutzbehörde des Hanover County jetzt im Regional-Podcast „Hear in Hanover“ berichtete, war sie damals als Erste vor Ort. Der vordere Teil des Geschäfts habe völlig normal ausgesehen, schilderte sie; das Chaos habe sich im hinteren Bereich abgespielt. „Der Boden war klatschnass, als ich ankam“, sagte Martin. Der Waschbär habe tief geschlafen. „Er war definitiv nicht mehr aufnahmefähig.“

Der Einbruch in den Schnapsladen war nach Martins Darstellung wohl nicht der erste Auftritt des Tieres. Es könnte bereits der dritte bekannte Vorfall gewesen sein. Zuvor sei ein Waschbär – vermutlich derselbe – in ein Karatestudio eingedrungen. Außerdem habe es einen nächtlichen Besuch bei der Kfz-Zulassungsstelle gegeben, wo Snacks verschwunden seien. Alle Tatorte lägen in derselben Shopping-Mall.

In dem Podcast wird der Waschbär „Trashed Panda“ genannt. Das ist kein zoologischer Hinweis - „Panda“ ist nicht das englische Wort für Waschbär, sondern ein Spitzname: In den USA werden Waschbären umgangssprachlich oft „trash pandas“ genannt – „Müllpandas“ –, weil sie gern in Abfällen wühlen und mit ihrer dunklen Gesichtszeichnung ein bisschen an einen Panda erinnern. „Trashed Panda“ spielt zusätzlich darauf an, dass das Tier in dieser Nacht offenbar „trashed“ war – also stockbetrunken.

„Er ist eine schlaue kleine Kreatur“, sagte Martin. Jedes Mal, nachdem das Tier eingefangen und wieder freigelassen worden sei, habe es den Weg zurückgefunden. Umgesiedelt werde der Waschbär bewusst nicht. Das Aussetzen in einem fremden Gebiet sei für Waschbären lebensgefährlich. Deshalb sei das Tier nur rund eine Meile vom Schnapsladen entfernt wieder in die Freiheit entlassen worden – innerhalb seines angestammten Reviers.

Nach dem Fund im Spirituosenladen habe Martin den Waschbären zunächst in einen Käfig gesetzt und einige Stunden ausschlafen lassen. Verletzungen habe er nicht gehabt. „Er hat nichts falsch gemacht“, betonte die Tierschützerin. „Er hatte einfach eine gute Zeit.“ Am frühen Nachmittag sei das Tier wieder fit gewesen und ohne Probleme davongezogen.

„Wir sehen ihn wieder“

Ein Foto des bewusstlosen Waschbären verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken. Was als lokaler Kuriositätenfall begann, wurde zur internationalen Geschichte. Laut Martin berichteten Medien weltweit, sogar eine Satire-Sendung habe den Vorfall aufgegriffen. Für das Tierheim habe die unerwartete Aufmerksamkeit positive Folgen gehabt: Mit dem Verkauf von T-Shirts und Fanartikeln mit dem Schriftzug „Trashed Panda“ seien bislang mehr als 180.000 Dollar zusammengekommen. Das Geld solle in die Sanierung und Erweiterung der veralteten Einrichtung fließen.

Ob der Waschbär aus seinen nächtlichen Ausflügen gelernt habe, bleibe offen. „Ich glaube, er lebt einfach sein bestes Leben“, sagte Martin – und fügte schmunzelnd hinzu: „ Er ist nicht dumm. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ihn wiedersehen.“

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