Panorama RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Mallorca wird das Wasser knapp

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Immer weniger Regen und immer mehr Touristen, die auf Mallorca den Wasserverbrauch steigen lassen. Das hat gravierende Folgen auf Europas berühmtester Urlaubsinsel. Ein riesiges Problem sind Zehntausende Swimmingpools.

Nach einem der trockensten Winter der vergangenen Jahrzehnte, in dem nach Angaben des staatlichen Wetteramtes Aemet nur die Hälfte der sonst üblichen Niederschläge fielen, steuert Mallorca auf eine bedenkliche Wasserknappheit zu. Für weite Teile der spanischen Mittelmeerinsel haben die Behörden inzwischen die Vorwarnstufe gelb ausgerufen. Das heißt, das Trinkwasser wird noch nicht rationiert, aber die Einwohner und Urlauber werden eindringlich zum Wassersparen aufgerufen. Dieser Voralarm gilt auch in den touristischen Hochburgen rund um die Inselhauptstadt Palma.

Schon bei der Ankunft werden die Touristen auf die sich anbahnende Dürre eingestimmt. „Willkommen! Genießen Sie ihren Urlaub und denken Sie daran, Wasser zu sparen“, heißt es in einer Videobotschaft, mit der die Regionalregierung der Balearischen Inseln, zu denen Mallorca gehört, die Reisenden begrüßt.

In dem Video wird Mallorcas Regenmangel mit einem gläsernen, zweigeteilten Koffer illustriert. Die linke Kofferhälfte ist bis oben mit Wasser gefüllt und symbolisiert die mittlere Niederschlagsmenge in München. In der rechten Kofferhälfte ist nur der Boden mit Wasser bedeckt, was der durchschnittlichen Regenmenge auf den Balearen entspricht. Das vergleichende Bild ist mit dem Satz unterlegt: „An anderen Orten regnet es viel, aber nicht hier.“

Täglich werden 100 Millionen Liter verbraucht

Der Mangel lässt sich auch eine Autostunde nördlich der Inselhauptstadt Palma eindrucksvoll beobachten: Dort liegen im Tramuntana-Gebirgszug die einzigen beiden Trinkwassertalsperren der Insel. Die künstlichen Seen Cúber und Gorg Blau versorgen den Großraum Palma, wo annähernd 560.000 Menschen leben und in diesen Sommerwochen zudem Hunderttausende Touristen einquartiert sind.

Jetzt im Hochsommer fließen in Palma täglich rund 100 Millionen Liter aus Wasserhähnen und Duschköpfen. Entsprechend sinkt der Wasserspiegel der Talsperren kontinuierlich: Nach Angaben des kommunalen Wasserwerks Emaya sind die Seen nur noch zu 39 Prozent gefüllt.

Ohne starke Regenfälle in den nächsten Wochen könnten von den Seen bald nur noch Pfützen bleiben. Schon jetzt muss in Palma entsalztes Meerwasser beigemischt werden, um die Reserven in den Talsperren zu schonen. Dieser Mix sei genießbar, versichern die Behörden.

Mallorca verzeichnet Besucherrekorde

Zum wachsenden Regenmangel fügt sich ein steigender Wasserbedarf. Obwohl das Wasser auf der Mittelmeerinsel schon immer ein kostbares Gut war, ist der Gesamtverbrauch in den vergangen Jahren gestiegen. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes erhöhte sich der Wasserkonsum innerhalb von zwei Jahren um rund zehn Prozent.

Dies liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen auf die Insel kommen. Die Anzahl der Einwohner und vor allem die Anzahl der Touristen wächst. 2018 wurde mit zwölf Millionen Urlaubern schon wieder ein neuer Rekord verzeichnet. Dieses Jahr könnten es noch mehr werden: Im ersten Halbjahr wurde laut offizieller Statistik ein Besucherplus von 2,7 Prozent registriert.

Milliarden Liter verdampfen aus Pools

Mit dem Tourismus steigt aber auch die Verschwendung: So werden zum Beispiel immer mehr Swimmingpools gebaut, die meistens mit Leitungswasser gefüllt werden. Nirgendwo in Spanien gibt es so viele Pools wie auf Mallorca und den balearischen Nachbarinseln. 70.000 Schwimmbecken sollen es insgesamt sein, die meisten befinden sich auf der Hauptinsel Mallorca.

Nach einer Studie der Balearen-Universität in Palma aus dem Jahr 2018 verdampfen in diesen Pools in der Sommerhitze jährlich rund fünf Milliarden Liter Wasser. Das entspreche etwa einem Drittel des gesamten Fassungsvermögens der beiden Talsperren Cúber und Gorg Blau, berechneten die Forscher. Und sie warnen, diese Entwicklung bedrohe die Wasserreserven auf den Balearischen Inseln.

Aber nicht nur die Verbraucher sind für den hohen Wasserbedarf verantwortlich: Auch die kommunalen Versorgungsbetriebe auf Mallorca agieren nicht gerade vorbildlich: Rund ein Viertel des von ihnen ins Netz eingespeisten Wassers versickert auf dem Weg zum Endabnehmer im Erdreich, weil die Rohre kaputt oder leck sind.

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