Raumfahrt Absturz von „Luna-25“: Moskaus Weltraumpläne zerschellen auf dem Mond

Vergangene Woche hatte die Sonde eine Aufnahme des von der Erde aus nicht sichtbaren Zeeman-Kraters gesendet.
Vergangene Woche hatte die Sonde eine Aufnahme des von der Erde aus nicht sichtbaren Zeeman-Kraters gesendet.

Beim Wettlauf im All hat Russland eine schmerzliche Niederlage erlitten. „Luna-25“ sollte auch einen dauerhaften Außenposten auf dem Erdtrabanten vorbereiten. Doch das Scheitern der ersten Mondmission seit fast 50 Jahren wirft das Land hinter andere Nationen zurück.

Das Projekt galt von Anfang an als riskant. Die staatliche Raumfahrtagentur Roskosmos schätzte die Erfolgschancen auf lediglich 70 Prozent, die Herstellerfirma NPO Lawotschkin auf immerhin 80 Prozent. Doch unabhängige Experten sahen nur eine Fifty-fifty-Wahrscheinlichkeit, dass „Luna-25“ tatsächlich auf dem Mond aufsetzen würde. „Wenn sie landet, hat sie großes Glück gehabt“, sagte der Weltraumexperte Iwan Moissejew der BBC.

Am Sonntag nun ist die russische Raumsonde „Luna-25“ auf dem Mond zerschellt. Schon am Samstagnachmittag hatte Roskosmos gemeldet, man habe den Funkkontakt zu dem Fluggerät verloren. Gestern bestätigte die russische Raumfahrtagentur den Verlust der 1800-Kilo-Sonde: „Das Gerät geriet in eine nicht vorhergesehene Umlaufbahn und hörte aufgrund einer Kollision mit der Oberfläche des Mondes auf zu existieren.“

Mondstation bis 2040

Vor dem Start befürchtete Moissejew, die Sonde könne angesichts des unbekannten Bodenreliefs auf der der Erde abgewandten Seite des Monds bei der Landung Schaden nehmen. Aber die Technik versagte schon in der Mondumlaufbahn. Moissejew vermutet jetzt, der Antrieb habe sich nicht wie vorgesehen automatisch ausgeschaltet; andere Experten vermuten einen Programmierfehler.

„Luna-25“ galt als technisch sehr ehrgeiziges Projekt. „Aufgabe ist eine gründliche Erforschung der Polarregion des Mondes und die Suche nach Wasser“, schrieb Forbes Russland zum Start der Sonde. Außerdem gelte es, den Status Russlands als führende Weltraumnation zu bestätigen. Es komme darauf an, dort zu landen, wo noch niemand gelandet sei, erklärte der Weltraumphysiker Maxim Litwak von Roskosmos.

Keine Antwort auf US-Apollo-Programm

„Luna-25“ war Teil des russischen Mondprogramms, das die Errichtung einer Raumstation auf dem Himmelskörper bis 2040 vorsieht. Die Sonde sollte am Südpol des Mondes aufsetzen; in der wenig erforschten Region werden große Mengen gefrorenen Wassers vermutet. Sie war vollgestopft mit Hochtechnologie und sollte ein Jahr lang die Mondoberfläche fotografieren, aber auch untersuchen, aus welchen vielleicht nutzbaren Materialien die Oberfläche besteht.

„Jeder Misserfolg im Kosmos wirkt sich auf die bestehenden Pläne und Programme eines Landes aus“, sagte der Raumfahrtexperte Alexander Schelesnjakow dem Wirtschaftsportal RBK. „Leider haben wir einiges von unserer Kompetenz für interplanetare Flüge und für Landungen auf anderen Himmelskörpern verloren. Wir sind gezwungen, unsere Ambitionen einzuschränken. Und wir müssen verstehen, dass es notwendig ist, alles neu zu erlernen.“

Russland beziehungsweise die Sowjetunion, seit Jurij Gagarins Erdumrundung 1961 die erste Weltraumfahrtnation der Welt, gerät im Kosmos zusehends ins Hintertreffen. Moskau fand nie eine Antwort auf das Apollo-Programm der USA, die zwischen 1969 und 1971 zwölf Astronauten auf den Mond schickten. Auch alle Versuche der Sowjetunion und später Russlands, eine einsatzfähige Forschungssonde auf den Mars zu bringen, scheiterten, während amerikanische und chinesische Sonden dort schon mehrfach landeten.

Druck aus Indien

Moskau brachte auch sein Mondprogramm erst nach einer Pause von 47 Jahren wieder in Gang. Zuletzt war 1976 die sowjetische Sonde „Luna-24“ auf dem Mond gelandet. Nach dem Zerfall der UdSSR mangelte es der russischen Raumfahrt jahrzehntelang an Geld, erst 2006 konnte Roskosmos wieder eine Mondlandung ins Auge fassen – ursprünglich in Kooperation mit Indien. Roskosmos verhandelte auch mit der europäischen Weltraumorganisation Esa über ein Mondprojekt, aber nach dem Beginn von Putins „Kriegsspezialoperation“ gegen die Ukraine brachen die Europäer im März 2022 alle Kontakte ab.

Jetzt läuft Russland Gefahr, neben „Luna-25“ abermals ein Wettrennen im All zu verlieren, diesmal zum Südpol des Mondes. Die Inder haben inzwischen eine eigene Mondsonde gebaut, „Chandrayaan-3“. Diese startete am 14. August, nur drei Tage nach „Luna-25“, und soll Mitte dieser Woche in der Südpolarregion des Erdtrabanten aufsetzen. Sollte die indische Landung gelingen, dürfte der Druck auf Roskosmos noch wachsen.

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