Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Die Winzersaga geht weiter: Neues vom Hambacher „Weingut Wader“

Bald mit Zukunftsängsten konfrontiert: Anne Wader (Henriette Richter-Röhl).
Bald mit Zukunftsängsten konfrontiert: Anne Wader (Henriette Richter-Röhl). Foto: ARD degeto/Frank Dicks

Im November vergangenen Jahres führten zwei Freitagsfilme im Ersten erstmals ins vorderpfälzische „Weingut Wader“. Von April bis Juli dieses Jahres kamen die Schauspieler und das Team der Frankfurter U5-Filmproduktion zurück an die Weinstaße, um zwei weitere Folgen der Winzersaga zu drehen: „Nur zusammen sind wir stark“ und „Neue Wege“ laufen am nächsten und übernächsten Freitag (22. November und 29. November) jeweils um 20.15 Uhr im Ersten.

Die Sendetermine passen jahreszeitlich zwar nicht ganz zu den Geschichten, doch schlägt der Vorspann Brücken und zeigt die Lese bei herbstlich warmgoldenen Licht. Gleich zu Beginn des ersten neuen, insgesamt nun dritten Teils springen wir aber in den Frühling. Es lodern, schön anzusehen, unzählige Feuer im Weinberg der Waders, um die empfindlichen Beeren und Trauben vor spätem nächtlichen Frost zu bewahren. Die 17-jährige Tori wünscht sich einen Helikopter, der das Areal einfach überfliegen könnte und: „Wrumm! Rein mit der warmen Luft!“ Sie lächelt, als sie das sagt. Ihre Mutter Anne (Henriette Richter-Röhl) blickt hoffnungsfroh in die Zukunft, und ihr Onkel Matthias macht ein Selfie für seinen Sohn Simon. Nach nur zwei Minuten Laufzeit des Films ist dies leider schon der glücklichste Familienmoment der beiden Folgen.

Ein Schicksalsschlag folgt auf den anderen

Sie haben es wirklich nicht leicht, die Waders. In ihrem Weingut in Neustadt-Hambach folgt ein Schicksalsschlag auf den anderen. Kaum hat Tori (Caroline Hartig) gelächelt und Matthias (Max von Pufendorf) sein Foto gemacht, steht die Aufsichtsbehörde vor dem Hoftor an der Schloßstraße, wegen Verdachts auf Steuerbetrug. Kurz darauf sind Gärraum, Lager und Büro amtlich versiegelt, der Familienbetrieb wird vorläufig geschlossen. Erst wenn geklärt ist, ob Wader-Wein unter der Hand verkauft wurde und wer den Roten in den Tanks überschwefelt hat, können Produktion und Vertrieb wieder anlaufen. „Das wird Wochen dauern, Wochen, in denen wir nicht liefern können, in denen uns der Wein im Keller unter den Händen kaputtgeht!“, ahnt Anne und befürchtet das Schlimmste: den Ruin.

Ihr Onkel Bruno Wader (Jürgen Heinrich) steht jetzt schon gleichsam vor dem Nichts. Der einstmals bedeutende Winzer erklärt seiner Frau den Krieg, torkelt betrunken durch Deidesheim und lässt sich von japanischen Investoren anheuern, die in der Region ein internationales Weinbauunternehmen aufbauen möchten. Nick Dong-Sik, der mit Tee auf den Deal anstößt, wird dieser Tage zum Pfälzer Vorzeige-Asiaten, indem er sowohl in beiden neuen „Weingut Wader“-Folgen als auch im „Tatort: Die Pfalz von oben“ (als Wirt der „Pizzeria Ragusa“) auftaucht.

Neustadter „Suite“ steht für Mannheimer Club

Tori, die eigentlich mit ihrem Freund Philipp nach Mannheim ziehen und an der Popakademie studieren wollte, indes trennt sich von Philipp und auch von ihrem Blindenhund Marley, um sich ganz der Suche nach ihrem unbekannten Vater zu verschreiben. Er ist ein „aufgeblasener, präpotenter, ignoranter, arroganter Möchtegern-Rocker!“ schimpft Oma Käthe (Leslie Malton), sobald sie ihn aufgespürt hat.

Das Konzert, bei dem er mit seinen Metallic Rangers aufspielt, führt Tori laut Film auf die andere Rheinseite, nach Mannheim, während die Dreharbeiten doch ganz in der Nähe, in der Neustadter Diskothek Suite stattfanden. Hier auch wird Tori in einen Hinterhalt gelockt und eingesperrt. Überhaupt prasselt das Unglück nur so auf die Waders herein. Es kommt durchweg ganz dick für Anne, deren Weinstöcke Schaden nehmen und der die Nachbarn Mist vors Hoftor kippen, Matthias, der um das Sorgerecht seines Sohnes kämpft, oder Bruno, der fortwährend intrigiert und mit seiner Frau Christel streitet. Christel (Judith von Radetzky) selbst stürzt und sitzt danach im Rollstuhl, und Tiertrainer Jelle (Tobias van Dieken) wird angezeigt, weil er Tori belästigt haben soll.

Henriette Richter-Röhl: „Auf in die Konfrontation“

Das ist sehr viel Schicksal in zwei Teilen, viel mehr als eigentlich nötig wäre, um das Interesse an den Figuren, die recht plastisch gestaltet und gut gespielt sind, wachzuhalten. Wenn die Betroffenen nicht immer wieder die Kraft fänden, wieder aufzustehen, für sich einzustehen und zu kämpfen, wäre das alles nicht auszuhalten. „Es heißt: Auf in die Konfrontation, auch wenn's weh tut“, erklärt die Berlinerin Henriette Richter-Röhl, die die Hauptrolle spielt. „Um ehrlich zu sein, agiert Anne im dritten und vierten Teil eigentlich permanent an der Grenze des Machbaren, an der Grenze ihrer physischen und psychischen Kräfte. Denn die Umstände, unter denen sie das Weingut am Leben hält, sind einfach schwierig.“

Akteure aus Grünstadt und Ludwigshafen dabei

Aus der Region sind diesmal dabei: der Grünstadter Nils Brunkhorst als böser Betriebsleiter, die Heidelbergerin Katharina Ley als Weinkontrolleurin sowie die Kurpfälzer Nikolas Weber und Gerhard Fehn. Und als Frau Schröder vom Jugendamt agiert die Ludwigshafenerin Petra Mott, Tochter der Leiterin des Theaters Hemshofschachtel, die in einer kleinen Rolle auch im „Tatort: Die Pfalz von oben“ mitmischt.

Das Weingut wird dicht gemacht: Sezne mit (von links) Käthe Wader (Leslie Malton), Weinkontrolleurin Petra Jansen (Katharina Ley
Das Weingut wird dicht gemacht: Sezne mit (von links) Käthe Wader (Leslie Malton), Weinkontrolleurin Petra Jansen (Katharina Ley), Anne Wader (Henriette Richter-Röhl) und Matthias Wader (Max von Pufendorf) Foto: ARD Degeto/Frank Dicks
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