Meinung
Ärztemangel: Politik muss neue Praxisformen unterstützen
Der Ärztemangel in Rheinland-Pfalz ist noch nicht dramatisch, aber er kommt. Die Ballungsräume werden wenig, die ländlichen Gebiete stärker betroffen sein. Bei den Haus- und Fachärzten warnt die Kassenärztliche Vereinigung schon seit Jahren vor der Gefahr der Unterversorgung. In diesem Bereich werden bis Ende 2023 landesweit fast 3700 Mediziner in den Ruhestand gehen. Bei den Zahnärzten werden nach der Prognose bis Ende 2013 rund 1520 Mediziner aus Altersgründen ausscheiden. Das sind 57 Prozent aller derzeit in Praxen arbeitenden Kollegen.
Nachwuchs zieht es nicht in eigene Praxis
Es gibt schon zahlreiche Versuche, dem Ärztemangel entgegenzuwirken. Die Einrichtung von zusätzlichen Studienplätzen oder die Einführung einer Landarztquote gehören zu diesen Instrumenten. Entscheidend wird etwas anderes sein: Den Medizinernachwuchs zieht es nicht mehr in die eigene Praxis. Gefragt sind Arbeitsplätze im Angestelltenverhältnis mit Chancen auf Freizeit, mit Chancen auf Teilzeitarbeit in gleichberechtigten Partnerschaften. An diesen Grundeinstellungen wird die Politik nichts ändern können und wollen, auch weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die meisten Parteien Programm ist. Deshalb muss es dem Land und den Kommunen gelingen, neue Praxisformen anzuregen und zu unterstützen. Andernfalls werden die ländlichen Gebiete einmal mehr auf der Strecke bleiben.
