Zweibrücken
Zwischen Hochkultur und Die Ärzte: Was Zweibrückens OB so hört und liest
Neben den täglichen Geschäften, die zu erledigen sind, bleibt einem Oberbürgermeister dabei noch Zeit für Kultur? „Darüber muss ich, ehrlich gesagt, erst einmal nachdenken. Kultur beschränkt sich im Moment bei mir auf Lesen und Musik Hören. Mittlerweile auch auf ganz viele Hörbücher. Weil es die Zeit nicht mehr hergibt, mich stundenlang auf ein gutes Buch zu konzentrieren.“
Bücher über Donald Trump und über Barack Obama
Was liest Wosnitza dann? „Das ist stimmungsabhängig. Momentan lese ich relativ viele Biografien. Ist das überhaupt Kultur? Darunter sind Bücher über Donald Trump und Barack Obama. Weil ich es aus meiner jetzigen politischen Sicht spannend finde, wie sich manche Leben entwickeln.“
Zur Entspannung greift Wosnitza zu Krimis. „Das ist sicherlich keine Hochkultur. Für die starke Konzentration und intensive Auseinandersetzung inhaltlicher Natur fehlt mir im Moment die Zeit.“
„Home Stretch“ von Graham Norton ist ein solches Buch, das der Entspannung dient. Allerdings in englischer Sprache. Es spielt 1987 und beginnt mit den Vorbereitungen auf eine Hochzeit in Irland. Am Tag vor der Hochzeit unternehmen Freunde einen Ausflug zum Strand. Darunter auch die Braut. Ein Unfall geschieht. Drei Menschen überleben. Drei Menschen sterben. Der Unfallfahrer Connor verlässt Irland und geht nach New York. Dort holt ihn die Vergangenheit ein. Graham Norton liest Wosnitza gerne, „weil er spannende Geschichten im irischen Kontext erzählt. Aus dem Volk und aus der Familie heraus.“ Aber die Entwicklung der Menschen steht in „Home Stretch“ im Mittelpunkt. Weniger der Krimi.
Zuvor hat der Rathauschef „Wasserhinkel“ von Werner Voss gelesen. Das ist ein Roman, der in Zweibrücken spielt, 1997 erschienen und vergriffen ist. Ein Mann, Ende 40, besucht die Stadt, in der er seine Jugend verbracht hat. Er versucht dort, von den letzten Kriegstagen bis hinein in die Wirtschaftswunderzeit, seine Erinnerungen niederzuschreiben.
Wenn die Aral-Tankstelle auf der falschen Seite steht
„Ich glaube, der Roman hat eine Auflage von 300 Stück. Darin sind Beschreibungen, da weiß man ganz genau, welches Haus gemeint ist. Es fällt einem auch auf, wenn Kleinigkeiten falsch sind. Wenn zum Beispiel die Aral-Tankstelle auf der falschen Seite steht“, erklärt Marold Wosnitza seinen Spaß an „Wasserhinkel“.
Er bezeichnet sich übrigens als fanatischen Büchersammler. „Jedes Buch, seit ich angefangen habe zu lesen, besitze ich noch. Ich habe teilweise den Wahn, mir sowohl das Hörbuch, als auch das gedruckte Buch anzuschaffen. Wenn ich hören kann, höre ich. Wenn ich lesen kann, lese ich. Aber das Buch muss irgendwie bei mir im Regal stehen. Ich weiß, das ist absurd. Aber mein größter Traum als Kind war, in einem Raum zu sitzen in dem alle Wände bis zur Decke voll mit Büchern sind.“
Musik hört Wosnitza in großer Bandbreite. „Die geht von Folk über Blues zu Punk und Rock. Die letzte CD, die ich mir vor ein paar Wochen gekauft habe, ist die neue von den Ärzten. Ich muss fairerweise gestehen: Ich habe auch auf die neue von AC/DC gewartet.“
„Bands, die eigentlich keine Socke kennt“
Im Gegensatz zu Büchern setzt Wosnitza beim Erwerb von Musik eher auf Downloads. In der Digitalisierung der Musik erkennt er Vorteile. „Man hört Bands, die eigentlich keine Socke kennt. An irgendeinem Ort, wo ein Hinterhofkonzert ist. Man findet die gut und stellt auf einmal fest, die haben eine CD, eine Platte gemacht oder irgendeinen Downloadsampler. Das besorge ich mir.“
Wosnitza nennt in diesem Zusammenhang einen Musiker, den er in New York entdeckt hat. Don Flemons ist ein neotraditioneller Country-Multiinstrumentalist. „Ich fand den so spannend. Da habe ich mir ,Prospect Hill’ von ihm geholt. Was er macht, kann ich nicht beschreiben. Da muss man reinhören“ In einer ähnlichen Situation lernte er Swamp Thing kennen; eine neuseeländische Bluesrockband.
„Natürlich höre ich Klassik. Ich habe auch Platten von Honey Creek, Oku und weiß der Himmel, was. Ich habe mir unterschiedliche Playlists zusammengestellt, in den absurdesten Strukturen. Stimmungsabhängig. Ich habe halt ein breites Spektrum. Ich setze mich nicht hin und höre nur noch Cellomusik. Da bin ich noch nicht angekommen. Ich kann mich natürlich in ein richtig gutes Klassikkonzert reinsetzen. Das genieße ich sehr. Aber wenn man ständig am Rennen ist, da ist Musik etwas, das im Hintergrund läuft. Etwas, was mich durch den Tag trägt. Klassik höre ich live. Mit Ruhe und Konzentration.“