Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Nationalspielerin Amelie Berger absolviert Reha in Pirmasens

Schwitzen für das Comeback: Handballerin Amelie Berger (links) absolviert ihre Reha bei Christian Frank,
Schwitzen für das Comeback: Handballerin Amelie Berger (links) absolviert ihre Reha bei Christian Frank,

63 Kilogramm Gewicht auf dem Rücken, runter in die Hocke und mit einem Bein auf die Box springen. Schwitzen für das Comeback. Handball-Nationalspielerin Amelie Berger ist nach ihrem Kreuzbandriss auf dem Weg zurück aufs Spielfeld. Bis Ostern absolvierte sie neun Wochen lang zu Hause in Zweibrücken und bei Physiotherapeut Christian Frank in Pirmasens die erste Reha-Phase. Der Heilungsprozess verläuft sehr gut.

Es passierte am 11. Februar. Ein Freitag. Training bei Borussia Dortmund, dem Tabellenzweiten der Frauenhandball-Bundesliga. „Bei einer unspektakulären Bewegung, in einer Situation, die ich schon 10.000-mal so erlebt habe“, erinnert sich Handball-Nationalspielerin Amelie Berger an den Moment, als ihr Kreuzband im linken Knie riss und sich ihre Saisonplanung komplett änderte. Operation in Köln statt Champions-League in Brest, Reha-Training in Zweibrücken und Pirmasens statt Lehrgang mit der deutschen Frauenhandball-Nationalmannschaft.

Sie habe schon gemerkt, dass da etwas kaputt gegangen war. „Aber es gab ein bisschen Hoffnung. Es war nicht geschwollen, die ersten Tests fielen gut aus“, erzählt sie. Ihre Muskulatur habe offensichtlich so zugemacht, dass man zunächst nichts gemerkt habe. Das änderte sich nachts. „Ich konnte nicht mehr auftreten, Beugung und Streckung waren nicht mehr möglich“, beschreibt sie die Folgen. Montags folgte die MRT-Untersuchung. Diagnose: Kreuzbandriss. Mittwochs wurde sie in Köln operiert.

Auch Luis und Balu in der Pfalz

Ihr Verein, der amtierende Deutsche Meister, gab grünes Licht für die ersten Reha-Wochen zu Hause. „Das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt die 22-Jährige. Hund Balu kam mit, Freund Luis konnte zeitweise von Zweibrücken aus arbeiten. „Mir war es wichtig, zu Hause zu sein. Es fühlt sich an, als würde man zu Hause von alleine wieder gesund werden“, sagt sie lachend. Die Psychologie-Studentin weiß, dass der Kopf bei der Genesung eine wichtige Rolle spielt. Auch in Zukunft. „Fünf Minuten Extra-Übungen für das Knie werden künftig bewusst zum Aufwärmprogramm gehören“, sagt sie.

Bis Ostern trainierte Berger täglich bei Physiotherapeut Christian Frank in der Bodylounge-Physiotherapie in Pirmasens. Den ehemaligen Handballer der TS Rodalben, der auch den Fußball-Regionalligisten FK Pirmasens betreut, hatte ihr Jürgen Knoch empfohlen. Knoch, Orthopäde in Pirmasens, ist Vorsitzender des SV 64 Zweibrücken, Bergers Heimatverein. „Bereits auf dem Weg von der Klinik in Köln nach Dortmund hat sie hier angerufen“, erzählt Frank, der 2009 selbst einen Kreuzbandriss erlitten hatte. Seither habe sich die Kreuzbandriss-Behandlung komplett verändert. Aktivierung statt Ruhe, könne man es vereinfacht beschreiben. Er freue sich, mal eine Handballerin auf dem Weg zurück aufs Spielfeld begleiten zu dürfen. „Handballer kommen selten, die sind nicht so wehleidig“, sagt Frank lachend. Nach etwa zehn Minuten beim ersten Termin habe Berger zu ihm gesagt: „Ich glaube, du weißt, was du tust“, erinnert sich Frank. „Ich hatte und habe viel mit Physios zu tun. Da merkt man schnell, ob es passt oder nicht“, sagt Berger. Es passte.

LAZ stellt Halle zur Verfügung

Frank plante für die Nationalspielerin täglich Reha-Termine ein. Zunächst eine Stunde, zuletzt anderthalb. Neun Wochen arbeiteten die beiden gemeinsam an der Genesung der Pokalsiegerin des Jahres 2021. Vom LAZ Zweibrücken bekam Berger die Möglichkeit, in der vereinseigenen Halle alleine Übungen zu absolvieren, die ihr Frank in Absprache mit dem Athletiktrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft zusätzlich aufgab.

In den ersten beiden Wochen, schildert Frank, sei es darum gegangen, den Oberschenkelmuskel wieder zu aktivieren, das Knie zu entstauen. Nachdem Berger die Krücken in die Ecke stellen konnte, folgte ein Kardio-Belastungstraining. 120 bis 160 Wiederholungen an der Beinpresse, zunächst mit leichtem Gewicht. Als das Knie reizfrei war, folgten zwei Wochen intensive isometrische Übungen. Anschließend, nachdem der Muskel aktiviert war, begann das Krafttraining. „Wir konnten das alle zwei Wochen gut im Trainingsintervall steigern“, erzählt Frank, während Berger auf dem Ergometer zum Aufwärmen radelt. Normalerweise gehe man davon aus, dass man zwölf Wochen nach einem Kreuzbandriss wieder mit leichtem Joggen beginnen könne. „Amelie wird das zwei Wochen früher können“, prognostiziert Frank, der der Bundesligaspielerin bereits zehn Minuten auf dem Laufband gestattet. In den letzten gemeinsamen Trainingswochen in Pirmasens „konnten wir schon anfangen, an der Explosivität zu arbeiten“, beschreibt er die guten Genesungsfortschritte. Als Handballerin brauche Berger die schnell kontrahierende Muskulatur. Die ist wichtig für die Spritzigkeit. Einbeinige Sprünge auf die Box mit dem verletzten Bein sind machbar.

Im November auf dem Spielfeld

Gemeinsam haben sie die Grundlagen für die weiteren Genesungsschritte gelegt: Lauf-ABC, Sprung-ABC, Sprint-ABC. Die Rückkehr ins funktionale Handballtraining. „Kann ich leider nicht mitbegleiten“, bedauert Frank. Für Berger geht es mit der Rückkehr zum Leistungssport – spätestens im November will sie wieder spielen können – in Dortmund weiter.

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