Zweibrücken Zweibrücker Einlaufkinder beim Länderspiel gegen Estland
Wen sie da an der Hand halten werden, wissen sie gar nicht, die Nachwuchskicker des TSC Zweibrücken. Aber sie wissen, dass es Spieler der estnischen Nationalmannschaft sind, denen sie am Dienstag im EM-Qualifikationsspiel gegen die deutsche Elf auf den Platz helfen.
Der Vorverkauf für das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Estland läuft. Für die Partie am Dienstag, 11. Juni (20.45 Uhr) in der Mainzer Opel-Arena werden eine Reihe von Gratiskarten zurückgehalten, etwa zwei Dutzend davon sind für den TSC Zweibrücken reserviert. Die Jugendabteilung des Traditionsclubs stellt nämlich elf Einlaufkinder, die Nachwuchskicker der Jahrgänge 2010/11 kommen aus der F-Jugend des Sportclubs. Der Trainer- und Betreuerstab am Wattweiler Berg kann mit Namen wie Nikita Baranov, Joonas Tamm und Ken Kallaste genauso wenig anfangen wie seine Schützlinge, denen er die fußballerischen Grundlagen beibringt. Die Fußball-Nationalmannschaft Estlands steht in der Fifa-Rangliste auf Platz 96, ist eine unbekannte Größe für die TSC-Coaches Sven Lehberger, Lütfü Haliloglou, Norman Döbrei und Andreas Träutlein. Haliloglou und Träutlein trainieren zusätzlich die G-Junioren des Sportclubs.
11 aus 17
Die hatten kürzlich ihren großen Einlauf-Auftritt auf dem Betzenberg: Sie hielten mit den Lauterer Profis Händchen, als die zum Saisonfinale der Dritten Liga gegen Meppen antraten und 4:2 gewannen. „Das war ein Riesenerlebnis“, erzählt Haliloglou. Er nennt es eine „Glückssträhne“, dass es mit dem Einlaufen auf internationaler Ebene klappt. Lehberger ist happy, dass die Zweibrücker den Dusel hatten, vom Südwestdeutschen Fußball-Verband (SWFV) unter 98 Bewerbervereinen ausgelost zu werden. Vereinsintern wurde aus gelost: Es galt, unter den 17 F-Jugendlichen die Elf für Mainz festzulegen. „Wir haben die Namen auf Zettel geschrieben, wir Trainer haben gezogen“, erzählt Lehberger. Am Dienstag kommen nun Fabian Gallinger, Luca-Joel Lehberger, Leon Stork, Alina Hub, Nils Schäfer, Jake Döbrei, Chiara Storero, Alexander Gietzen, Finn Knöbel, Aron Strickler und Andreas Klos zu Einlauf-Ehren. Fragt man sie nach estnischen Nationalspielern, erntet man kollektives Schulterzucken, was an der Riesenvorfreude natürlich nichts ändert. Wie Sven Lehberger erklärt, fährt der TSC-Tross an dem großen Tag so los, dass er drei Stunden vorm Anpfiff am Stadion ankommt. „Unsere F-Junioren werden dann von Volunteers abgeholt, umgezogen und in den Spielertunnel gebracht“, berichtet er weiter. Sein Trikot könne jedes Kind hinterher mit nach Hause nehmen. Nach dem Einlaufen würden die Jungkicker auf die Tribüne zu ihrer jeweiligen Begleitperson (mit Freikarte) gebracht, um von dort aus ihren Idolen zuzuschauen. „Die deutsche Mannschaft wird von Mainzer Einlaufkindern begleitet“, erklärt Lehberger.
Händchenhalten kann jeder
Die Dreikäsehochs, die sonst am Wattweiler Berg ihrem Training nachgehen, fiebern dem Auftritt in der Opel-Arena bereits entgegen. Geübt habe man das Einlaufen nicht: Einen Erwachsenen an der Hand zu halten, müsse man einem Kind nicht beibringen. Aron Strickler hat drei Tage nach dem denkwürdigen Erlebnis Geburtstag, da wird er acht Jahre alt. Der Zweitklässler der Sechsmorgen-Grundschule ist beim TSC Abwehrspieler, sein Lieblings-Akteur auf der Profi-Bühne ist Manuel Neuer. „Ich lass’ mich überraschen“, sagt er schlagfertig, nach seinen Erwartungen an den betreffenden Abend befragt. Mannschafts- und Einlaufkollege Leon Stork sagt gar nichts, die Anwesenheit der Presse macht den siebenjährigen Kicker verlegen. Mit Hilfe von Sven Lehberger erfährt man aber, dass er Abc-Schütze in der Thomas-Mann-Schule ist und seit der G-Jugend beim TSC spielt. Auch Leon steht auf Manuel Neuer, wie ihm Trainer Lehberger aus der Nase zieht. Mit den Namen Mihkel Aksalu, Sergej Lepmets und Marko Meerits braucht man dem Steppke nicht zu kommen. Das sind die Torhüter der estnischen Fußballmannschaft. Er hofft aber, dass einer, womöglich auch zwei, am Dienstag hinter sich greifen müssen.