Zweibrücken Zweibrücken: Gestüt sucht neue Geldquellen
Was vom Jahre übrig blieb: Bezirksverband sichert Fortbestand der Landgestüts-Stiftung – Betreibergesellschaft hofft auf Landeshilfe
Zwischen 200.000 und 250.000 Euro beträgt der jährliche Finanzbedarf des Landgestüts Zweibrücken. 150.000 Euro benötigt die Stiftung, der die Gebäude und Grundstücke gehören, rund 100.000 Euro die Landgestüts-GmbH, die das Gestüt gepachtet hat und betreibt. Nach der Zusage des Bezirksverbandes Pfalz, der die Stiftung mit 80 000 Euro jährlich unterstützt, ist deren Fortbestand gesichert. Trotzdem müssen neue Geldquellen gesucht werden. „Ich kalkuliere mit einem Verlust“, sagt Alexander Kölsch, Geschäftsführer der Landgestüt Zweibrücken GmbH, mit Blick auf das Geschäftsjahr 2018. Es wird, nach derzeitigem Stand, das erste Jahr seit der Privatisierung des Landgestüts 2008, in dem das Land Rheinland-Pfalz die Verluste nicht mehr übernehmen wird. Zuletzt waren das rund 65 000 Euro. Gestrichen sind dann auch die Landeszuschüsse für Veranstaltungen. Bislang hatte das Land der GmbH jährlich eine sechsstellige Summe überwiesen. Die Tür zur Landeskasse hat sich für die GmbH noch nicht ganz geschlossen. Das Wirtschaftsministerium, bei dem die Stadt mit den Pferdezüchtern vor kurzem vorstellig wurde und um eine Verlängerung der finanziellen Unterstützung für die Betreibergesellschaft bat, hat sich bislang noch nicht geäußert. „Das Ministerium wollte das bis Ende des Jahres entscheiden“, sagte Stadtsprecher Heinz Braun. Die Gesellschaftsversammlung der GmbH – mit 64 Prozent sind die Pferdezuchtverbände dort in der Mehrheit – hatte im Sommer Geschäftsführer Kölsch beauftragt, ein Angebot in dem EU-weiten Ausschreibungsverfahren über die Neuverpachtung des Gestüts abzugeben. Es war das einzige Gebot, die GmbH erhielt im Spätsommer den Zuschlag (wir berichteten mehrfach). Der neue Pachtvertrag ist am 1. Januar in Kraft getreten und läuft über fünf Jahre. Künftig zahlt die GmbH jährlich 15.000 Euro Pacht an die Stiftung statt wie bisher 1000 Euro. Der Entschluss mitzubieten, war die vorerst letzte Entscheidung, die die Pferdezüchter mitgetroffen haben. „Es gibt keine Beschlüsse, was im Falle von Verlusten passiert“, bemerkt Kölsch mit Blick auf den Bezirksverband Rheinhessen-Pfalz-Saar und den übergeordneten Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar (PRPS). Im Pferdezuchtverband brodelt es, er steht vor einer Zerreißprobe, ein gravierender Mitgliederschwund droht. Das könnte dazu führen, dass der kleinste deutsche Pferdezuchtverband nicht mehr im Rahmen einer Kooperation – Gespräche wurden mit Baden-Württemberg geführt – eigenständig bleiben kann, sondern die Eigenständigkeit verliert und fusionieren muss. Mit diesen Problemen werden sich die Verbände bei ihren Mitglieder- und Delegiertenversammlungen im Frühjahr auseinandersetzen. Das Zweibrücker Landgestüt steht erst mal hinten an. Kölsch hofft, dass doch noch Geld aus Mainz fließt. Das Land hatte 2008 1,5 Millionen Euro zum Ausgleich von Verlusten zur Verfügung gestellt – 150 000 Euro pro Jahr. Von diesen 1,5 Millionen ist noch Geld übrig: Mehr als 200 000 Euro habe man bisher nicht abgerufen. „Wenn man die Summe auf fünf Jahre verteilen würde, hätten wir erst mal Ruhe“, sagt Kölsch. Eine Haupteinnahmequelle der Betreibergesellschaft sind Veranstaltungen, die sie selbst organisiert – etwa die Pferdegala –, oder für die sie die Gestütsanlagen vermietet, etwa bei Turnieren und den Islandpferdefestivals. Neue Veranstaltungen könnten weitere Einnahmen erschließen: 2016 hatte Kölsch das Arena-Polo angesprochen, 2018 könnte es die Übertragung der Fußball-WM im Landgestüt sein. Diese Ideen wurden bisher nicht umgesetzt. Die Stiftung kann mit den 80 000 Euro des Bezirksverbands ihren dringendsten Finanzbedarf decken, große Sprünge sind damit nicht möglich. Stadtkämmerer und Stiftungsgeschäftsführer Julian Dormann sprach von 100.000 bis 150.000 Euro jährlich, die die Stiftung benötigt, um das Landgestüt dauerhaft zu erhalten. Durch das Einspringen des Bezirksverbandes ist die Wohnbebauung des Platzes zwischen Festhalle und Gestüt vom Tisch. Der von Oberbürgermeister Kurt Pirmann vorgeschlagene Bau eines Kindergartens wird konkreter. Er würde der Stiftung weitere Einnahmen durch die Verpachtung des Baugeländes einbringen – von mindestens 25.000 Euro pro Jahr war die Rede. Wenn der Kindergarten entlang der Gabelsbergerstraße gebaut wird, wäre der Eingriff in die Fläche des ehemaligen Sportplatzes eher gering. Das käme der Bürgerinitiative zum Erhalt der Zweibrücker Grünachse entgegen. Die fordert die Freihaltung des Sportplatzes und einen unverbauten Blick auf die Festhalle. Und es käme den Turnierveranstaltern entgegen, die den Platz weiter als Stellfläche für Pferdetransporter nutzen könnten. Nach wie vor bemüht sich die Stadt um die Erlaubnis der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, einen Teil der Sparkassengewinne für das Landgestüt verwenden zu dürfen. Damit wäre sie in der Lage, der Betreibergesellschaft Aufträge für Veranstaltungen zu erteilen und diese zu bezahlen – so wie es bislang das Land tat. Damit wäre auch der GmbH geholfen.