Zweibrücken
„Zeig mir Dein Gesicht“: Wie Sascha Berger heute Musik macht
25 Jahre sind seit Big Brother und Sascha Bergers Überraschungserfolg „Zeig mir dein Gesicht“ vergangen. Mittlerweile wohnt der Sohn der Zweibrücker Schlagerikone Cindy Berger in Saigon, Vietnam, wo er für die Firma Framas arbeitet. Er hat auf dem Stadtfest gespielt und tritt am Samstag nochmal in Zweibrücken auf.
Natürlich hatte Berger davon geträumt, mit Musik Karriere zu machen. Doch irgendwann setzte er realistischerweise doch auf einen bürgerlichen Beruf und studierte Kunststofftechnik am Pirmasenser Campus der Fachhochschule Kaiserslautern. „2011 habe ich noch in einer WG in Pirmasens gewohnt. Von da bin ich erst mal nach Vietnam gezogen. Für die Framas. Nach wie vor arbeite ich für diese Firma“, erzählt der 49-Jährige
Obwohl seine Mutter inzwischen in Berlin lebt, kommt Berger immer noch in die Rosenstadt und besucht alte Freunde und Verwandte. „Das ist die Stadt, in der ich großgeworden bin“, sagt der Musiker. „Zuletzt war ich vor zwei Jahren hier. Natürlich sehe ich Veränderungen. Es gibt viel Neues – und vieles Alte gibt es heute nicht mehr. Wie ich das bewerten soll, kann ich nicht sagen. Dazu bin ich zu selten hier.“
Nach Big Brother mit eigener Musik kein großer Erfolg
Er berichtet von seiner kurzen, erfolgreichen Musikerkarriere: „Zeig mir dein Gesicht“, die Single zur zweiten Staffel von Big Brother, sei eine Auftragsarbeit gewesen. Es war erst gar nicht vorgesehen, dass Berger das Lied singt. Die Produktionsfirma und seine damalige Plattenfirma hätten ihn ermutigt, es zu tun. „Das war ein vorprogrammierter Hit. Ich bin dankbar, so eine Chance gehabt zu haben. Die kriegt ja nicht wirklich jeder. Das war eine unheimlich spannende Zeit. Sie hat mir ermöglicht, mir einen Kindheitstraum zu erfüllen. Einmal mit einem Tourbus eine Woche unterwegs zu sein. Oder es waren sogar zehn Tage.“
Damals habe er lange mit sich gehadert, ob er diese Gelegenheit wirklich nutzen sollte. „Ob ich das nochmal machen würde? Mit dem Wissen von heute – ich glaube nicht. Damit habe ich musikalisch auch sehr viele Türen hinter mir zugeschlagen. Wenn man einmal in diesem hochkommerziellen Bereich ist, ist es in anderen Gefilden deutlich schwieriger. Dann hat man diesen Big-Brother-Stempel und wird mit Zlatko (Teilnehmer der ersten Staffel von Big Brother, Anmerkung der Redaktion) in einen Topf geworfen. Ich war so naiv zu glauben, dass das der eine Song ist und dass ich danach zeige, welch coole Mucke ich wirklich mache. Das ging natürlich völlig nach hinten los.“ Eigene Musik schreibt Sascha Berger „nur noch sehr wenig. Das kann auch wieder ein bisschen mehr werden, irgendwann mal“.
Dank Sabbatical viel Zeit mit Mama Cindy verbracht
Sein Projekt, mit dem er am Samstag im Café Pastis auftritt, heißt feetmadebeatz. Was in „mit den Füßen gemachte Schläge“ übersetzt werden kann. Berger covert Musik aus Pop, Rock und Punk. Während er Gitarre spielt, sorgt er mit den Füßen für den Rhythmus – mit einem selbstgebauten Fußschlagzeug. Auf Bergers Facebookseite kann man einige Kostproben davon hören und sehen.
Einen Song hat er auf diese Weise erst vor kurzem mit seiner Mutter Cindy Berger aufgenommen: „I follow Rivers“ von Lykke Li. „Das war für mich einfach eine Herzensangelegenheit. Meine Mama ist jetzt 77. Sie ist Gott sei Dank noch sehr fit. Aber wer weiß, wie lange das noch geht?“, erzählt er über die Schlagersängerin, die auch zum Stadtfestsamstag von Berlin nach Zweibrücken kam. Wenn sie Lust habe, singe sie den gemeinsam aufgenommenen Song auch bei seinen Konzerten, erzählt Sascha Berger.
Mutter und Sohn haben in den vergangenen Monaten viel Zeit miteinander verbracht. Sascha Berger gönnt sich eine achtmonatige Auszeit. „Aufgrund meines Sabbaticals hatte ich dann endlich wieder Zeit für deutlich mehr Deutschland. Ich bin super-happy, dass die Firma mitgespielt hat und gesagt hat: Am 1. Oktober bist du wieder da.“
Er spielt in zwei Kneipen in Saigon
Es sei für ihn durchaus denkbar, weitere 14 Jahre in Asien zu leben. „Was mir gut gefällt, besonders in Vietnam: Das ist ein junges, aufstrebendes Land. Da merkt man eine deutliche Entwicklung, was Technologie, Fortschritt und Lebensstandard betrifft. Ich habe da keinen Herbst und keinen Winter. Das ist auch toll. Das Leben in Asien ist sehr hektisch und kann auch stressig sein. Aber die Leute sind unheimlich friedlich. Freundlich. Man kann dort gut leben.“ Vietnamesisch oder die Sprache seiner chinesischen Frau spricht er jedoch nicht. „Das musste ich bis jetzt nicht. Mir fallen Sprachen auch schwer. Vietnamesisch hat fünf verschiedene Töne. Chinesisch immerhin nur vier. Dafür kann man es nicht lesen. Man muss ein paar Tausend Zeichen lernen, bevor man überhaupt etwas in Chinesisch lesen kann. Wenn man dann mit Englisch gut in Asien durchkommt, neigt der Mensch zur Faulheit.“
Auch in Saigon tritt Berger als One-Man-Band auf. Es sei in der asiatischen Musikszene auch schwierig, jemanden zu finden, mit dem er proben und auftreten könne. Er spiele nach Lust und Laune. „Da habe ich zwei Kneipen, in denen ich immer wieder bin. Das ist eine musikalische Reise, auf der ich mich derzeit befinde, die mir gefällt und die ich unheimlich genieße.“
Info
Sascha Berger spielt im Café Pastis, Maxstraße 11 in Zweibrücken, am Samstag, 2. August, ab 20 Uhr.