Die Montags-Umfrage
Wie Zweibrücker über die Bundeswehr denken
„Mein Verhältnis zur Bundeswehr hat sich überhaupt nicht geändert. Ich halte sie immer noch für abschaffungswürdig. Ich finde es nicht okay, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein stehendes Heer bekommen hat. Ich bin auch absolut gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht“, sagt Marie Strauch. Dass die Bundeswehr in humanitären Einsätzen hilft, kann die 28-jährige Zweibrückerin auch nicht von ihrer Haltung abbringen. „Ich finde halt, dass man kein bewaffnetes Heer braucht, um humanitäre Hilfe zu leisten.“ Lange wurde das russische Militär nicht als Bedrohung gesehen. Nun ist das anders. Kann selbst das nicht Strauchs Ansicht ändern? „Wenn es zum Kriegsfall mit Russland kommt, wird das hauptsächlich mit der Nato stattfinden. Ob da jetzt deutsche Truppen dabei sind, macht zahlenmäßig keinen großen Unterschied. Vielleicht finanziell. Aber im Großen und Ganzen ist der Unterschied nicht besonders. Und wenn Russland jetzt mit einem Nato-Mitgliedsstaat anfangen möchte, einen Krieg zu führen, dann glaube ich sowieso nicht, dass irgendein Heer der Welt noch was gegen Atomwaffen ausrichten kann.“
Unterschiedlicher könnten Meinungen kaum sein, wenn man im Gegensatz dazu Birgit Pottgiesser hört. „Wir haben zu lange nicht nach dem Zustand der Bundeswehr geschaut. Die gehört gefördert. Vielleicht sollte man in irgendeiner Weise auch die Wehrpflicht wiedereinführen. Die, oder der Sozialdienst, haben den meisten jungen Männern ja nicht geschadet.“ Wie empfindet die 49-jährige Zweibrückerin den Umgang mit der Bundeswehr? Als respektvoll? „Auf keinen Fall. Das sieht man doch daran, dass sie nicht genügend einsatzfähiges Material hat. Das liegt wohl daran, dass man nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht hat, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Es hat halt keiner mehr daran geglaubt, dass wir irgendwann noch einmal eine Armee brauchen. Keiner hat geglaubt, dass Putin die Ukraine wirklich angreifen wird.“
Vielfach wird von verantwortlichen Politikern eine Wiedereinführung der Wehrpflicht als unwahrscheinlich eingeschätzt. Sollte sie nun wiederkommen, könnte sie den jungen Zweibrücker Nicolas Denk treffen. Wie steht der 19-Jährige zur Bundeswehr? „Ich finde es richtig, dass die Bundeswehr derzeit in den Fokus der Medien gerückt wird und damit ihre Schwachstellen angesprochen werden. Aber man sollte eher auf andere Dinge schauen. Weil das ein Krieg ist, der uns nicht direkt betrifft. Er betrifft uns, weil er in einem Land geführt wird, das in Europa liegt. Deswegen sollte man da eher humanitäre Hilfe leisten. Wenn mein Land wirklich bedroht wäre, würde ich aber dienen.“
Dominik Schneider baut derzeit am Helmholtz-Gymnasium sein Abitur: „Es hat sich gezeigt, dass eine Bundeswehr leider wohl nötig ist. Was schade ist, für eine Welt im 21. Jahrhundert. Ich finde es eigentlich nicht schlecht, dass jetzt wieder in die Bundeswehr investiert wird.“ Falls die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, könnte diese auch den 17-jährigen Zweibrücker treffen. Wie steht er dazu? „Wenn die kommt, kommen wir wahrscheinlich eh nicht drum herum. Aber es wird ja noch darüber diskutiert.“
Ganz ohne Wehrpflicht hätte Mariella Mischke bei der Bundeswehr ankommen können. Die 18-Jährige hat eine Zeit lang über die Bundeswehr als Berufsweg nachgedacht. „Das hat dann aber privat nicht gepasst. Ich habe aber absoluten Respekt für das, was Soldaten leisten, und ich hatte den auch schon vorher“, meint die Zweibrückerin.
Susanne Metzger hat die Bundeswehr bis Putins Angriff auf die Ukraine eher als Einrichtung für den Katastrophenschutz betrachtet. „Ich habe im Leben nicht damit gerechnet, dass so ein Krieg aufkommen würde. Umso wichtiger finde ich, dass die maroden Umstände gebessert werden. Ich frage mich auch, wo die bisher an die Bundeswehr gezahlten Gelder hingeflossen sind. Das war ja auch nicht gerade Peanuts“, beklagt sich die 62-jährige Zweibrückerin.