Sportschießen
Wie lässt sich die Jugend in die Schützenhäuser ziehen?
Neun Vereine zählt der Schützenkreis Zweibrücken derzeit: In Bottenbach, Reifenberg, Wiesbach, Wattweiler, Stambach, Rimschweiler und Oberauerbach wird noch geschossen. Maßweilers Schützen sind in Ermangelung eines eigenen Schießstandes Gäste in Reifenberg, und der Schießbetrieb in Contwig ruht.
Wie Christof Schwarz (56), Kreissportleiter des Schützenkreises, sagt, sei das Mitgliederaufkommen in Reifenberg und Maßweiler, wo er ebenfalls für die sportlichen Belange verantwortlich zeichnet, „stabil“. Dagegen berichtet Andreas Flicker, Sportleiter beim Schützenverein Stambach, von leicht rückgängigen Mitgliederzahlen. „Wir hatten mal 130 Mitglieder. Heute sind wir noch rund 80“, erläutert Flicker. Es gestalte sich schwierig, Nachwuchs zu akquirieren. Größtes Hindernis dabei: Erst mit 14 Jahren dürfen Jugendliche überhaupt den Finger an den Abzug von Luftdruckwaffen, der Einstiegswaffe, legen. „In diesem Alter sind die Kinder fast alle schon in einem anderen Bereich aktiv, und ein Wechsel zu unserer Sportart gestaltet sich sehr schwierig“, weiß Flicker.
Kosten fast verdoppelt
Zwar versuchen die Stambacher Schützen bei Veranstaltungen wie dem Ostereierschießen oder dem Schaumkuss-Schießen zur Kerwe vor allem die Jugendlichen anzusprechen und möglichst an den Verein zu binden. Es bleibe aber selten ein Teenager bei den Präzisionssportlern hängen. Sowohl in Reifenberg als auch in Stambach wurde eine sogenannte Laserwaffe angeschafft. Mit ihr ist ein Schießen „ohne Munition“ und Altersbeschränkung möglich. Doch auch diese Art des Schießens sorgte nicht für einen Mitglieder-Boom. Auch das Blasrohrschießen, das ohne Altersbeschränkungen ausgeübt werden kann, sorgt nicht für steigende Mitgliederzahlen. „Uns fehlt es auch an Kümmerern“, weiß Christof Schwarz und ist überzeugt, dass ein kommunikativer, motivierender und begeisternder Schütze oder eine Schützin gerade mit dem Blasrohrschießen die Jugend in die Schützenhäuser ziehen könnte. In Reifenberg funktioniere dies, allerdings mit den Luftdruckwaffen.
Der Schützenkreis benötigt dringend Nachwuchs, will er nicht weiter schrumpfen. Die Voraussetzungen, den Präzisionssport zu betreiben, gestalten sich aber immer schwieriger. Wenn jemand mit einer Pistole, Revolver oder Gewehr Schießen sportlich betreiben will, benötigt er neben guten Nerven Geld und Geduld, denn der Gesetzgeber setzt die Hürden kontinuierlich höher. Für eine großkalibrige Waffe und den Aufbewahrungstresor zu Hause dürfen je nach Waffe rund 2000 Euro veranschlagt werden. Schießen ist also nicht gerade ein günstiger Sport. „Die Kosten haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt“, merkt Schwarz an und hat auch die Munitionspreise im Sinn. Der Neuschütze muss zudem 18-mal in einem Jahr den Gebrauch seiner Waffe im Verein nachweisen und sich mit den extrem gestiegenen Munitionspreisen nicht überfordert fühlen. Es muss zudem „ein Bedürfnis“ nachgewiesen werden, eine Waffe führen zu dürfen, wobei die Schützen selbst lieber den Ausdruck Sportgerät als Waffe verwenden würden, sagt Flicker. Und ja: Mit jedem Vorfall außerhalb des Schützenhauses steigt der Druck auf die Sportschützen.
Heute Kreismeisterschaften
Der kleine Schützenkreis ist dennoch sportlich erfolgreich. Mit Harald Schieler aus Stambach stellt der kleine Verein einen deutschen Meister. Er war der beste Schütze Deutschlands mit aufgelegtem Kleinkalibergewehr. Überhaupt sind die Stambacher Präzisionssportler top, was die Ergebnisse im Landesverband betrifft. Am heutigen Freitagabend beginnen im Stambacher Schützenhaus um 19 Uhr die Kreismeisterschaften mit dem aufgelegten Luftgewehr. Übrigens: Alexander Müller, der Kreis-Chef der Schützen, wollte sich gegenüber der RHEINPFALZ nicht äußern.