Homburg
Wie Jerry Lewis die Ehe der Atzorns rettete
Angelika Atzorn lief bei der Hochzeitsreise in New York heulend aus dem Motelzimmer, Robert Atzorn setzte um ein Haar eine ganze Rolle aufs Spiel. Die beiden haben viel zu erzählen bei ihrer Lesung aus dem Buch „Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt“.
Dabei liefern sie sich immer wieder Wortgefechte. Auch, als Robert Atzorn erzählt, wie er eigentlich darauf kam, seine Autobiografie zu schreiben. „Viele denken ja: Ach, Schauspieler, die bekommen Preise, Auszeichnungen, und viel, viel Geld.“ – „Mehr, als man ausgeben kann“, ergänzt seine Frau. Sie wirkt wie der fehlende Teil des 76-jährigen Schauspielers, dem sein Durchbruch mit der Serie „Unser Lehrer Doktor Specht“ gelang.
Dass das alles nicht so ist, wollten die beiden mit ihrem Buch deutlich machen. Und ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Als Robert Atzorn in der Hauptrolle von „Der Kapitän“ blonde Haarsträhnen gefärbt bekommen sollte, geht das gründlich nach hinten los. In Polen wurde gedreht, und so kam die Idee der Strähnen zwar von seinem Maskenbildner – mit dem Färbvorgang wurde aber eine Hotelfriseurin betraut. Das Ergebnis: Keine Strähnen, sondern Atzorns gesamte Haarpracht strahlte in grellem Weißblond. „Also so ähnlich wie heute“, meint er lachend und zeigt auf seine ergrauten Haare. „Ich sah bestenfalls aus wie ein mieser Zuhälter mit Babygesicht.“ Ein eindeutiges Resümee.
Auch privat lief es nicht immer so, wie die Atzorns sich das wünschten. Die völlig chaotischen Flitterwochen in New York führten dazu, dass die Ehe fast gescheitert wäre. Unterirdisches Motel, kein Plan, wo das Meer ist, zu dem sie so gerne wollten – „Meine Frau saß auf dem Bett und fing an zu heulen. Das war das erste Mal. Plötzlich stand sie auf und rannte. Ja, spinnt die?“, liest Robert Atzorn. Angelika Atzorn wollte sich sogar scheiden lassen.
Die Versöhnung erfolgte dank einer Comedyshow von Jerry Lewis und einem Hühnchen aus der Dose. Als Robert seine Frau fragte, ob die Scheidung jetzt „verschoben oder aufgehoben“ sei, antwortete sie: „Verschoben.“
Aber offensichtlich auf unbestimmte Zeit. Die beiden wissen, wie sie ihre Zuhörer unterhalten können. Hätte nur einer die Lesung gemacht – es wäre nicht halb so unterhaltsam gewesen.
Auch wenn ab und zu ein paar Passagen langatmig daherkommen – die Wirrungen in den Anfängen ihrer Theaterschauspiel-Karriere etwa –, reißen das die Anekdoten wieder raus.
Bemerkenswert ist, dass die beiden kein Geheimnis um ihre Eheprobleme machen. Alle möglichen Therapien hatten sie ausprobiert. Bei einem Seminar für 1000 Mark kam die Erleuchtung. Es war eine gute Investition, sind die beiden doch schließlich immer noch verheiratet.
Aber Moment – wie lange denn jetzt? „Wir sind 36 Jahre verheiratet“, verrät Angelika zu Beginn der Lesung voller Stolz. Darauf ihr Mann: „46 Jahre! Mensch, Atzorn!“
Einen ernsten Beigeschmack bekommt die Lesung, wenn die beiden bei ihrer Kindheit verweilen. Als Nachkriegskinder hatten sie wenig. „Meine Mutter hatte der Krieg völlig aus der Bahn geworfen“, lässt Robert seine frühesten Erinnerungen lebendig werden. „Sie stand verloren im Garten und weinte.“ Die fehlende Wärme der vom Krieg traumatisierten Mutter bekam er von seinem Opa.