Handball
Wie der Zweibrücker Tomas Kraucevicius einen Doppelspieltag verkraftet
„Oh je, die Treppen am Samstagmorgen, das wird wieder weh tun“, ahnt Tomas Kraucevicius lachend. Wenn er in seinem Haus in Zweibrücken unterwegs ist, lässt sich Treppensteigen nicht ganz vermeiden. Aber nicht aufstehen, „das ist absolut keine Option“, sagt er. Auch wenn das Oberliga-Spiel am Freitagabend (20 Uhr, Westpfalzhalle) gegen den TuS Dansenberg 2 körperlich noch so anstrengend war, ihm samstags alles weh tun wird. Raus in die Natur, spazieren gehen: Lockere und moderate Bewegung schreibt sich der 36-Jährige für Samstag auf die To-do-Liste. Das sei für ihn das beste Rezept, so der erfahrene Spieler, um auch am Sonntag im Nachholspiel gegen den HV Vallendar (17 Uhr, Westpfalzhalle) Leistung bringen zu können.
Spieler mit viel Temperament
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann im rechten Zweibrücker Rückraum, der auch in der VTZ-Abwehr eine zentrale Rolle einnimmt, zweimal über die volle Spielzeit auf dem Feld stehen wird, ist groß. Er ist unverzichtbar für die Zweibrücker, für die er seit 2016 aufläuft. Der Litauer war zuvor in Sachen Handball in Europa unterwegs: Spanien, Österreich. In der Pfalz ist er mit seiner Familie heimisch geworden. Seine Jungs Gustav (sieben Jahre) und Adam (9) spielen bei der VTZ und haben das Talent vom Papa geerbt. „Gustav schimpft auch schon mal mit den Schiedsrichtern“, verrät Kraucevicius lachend, dass der Jüngste auf dem Spielfeld Papas Temperament nacheifert.
Denn auf dem Spielfeld kann der privat so ruhige Rückraumspieler schon mal lauter werden. „Ich weiß, man sollte ruhig bleiben, aber das ist nicht immer so einfach“, bekennt er. Handball ist es eben ein leidenschaftliches Spiel, und es ist das Spiel, das er liebt. Deshalb freuen sich die VTZ-Verantwortlichen, dass der Mann, der in dieser Runde bislang 114-mal getroffen hat, eine weitere Saison anhängt. „Es macht noch Spaß“, fühlt er sich zu jung, um aufzuhören.
An Ostern bei Eltern in Litauen entspannt
Und er fühlt sich auch zu jung, um nicht mehr Oberliga zu spielen. „Absteigen möchte ich nicht, dafür tun wir alles“, sagt er vor dem richtungsweisenden Heimspielwochenende. Auch wenn er sich freut, wenn die sehr lange Saison Ende Mai zu Ende geht. Es zwickt nach einer langen Spielzeit schon mal, in der Schulter, im Ellenbogen. Deshalb war er auch froh, in den Osterferien zwei Wochen in Litauen bei den Eltern zu sein. „Ich habe meinen Eltern bei ein paar Sachen geholfen, aber viel entspannt“, erzählt er. Gemeinsam mit dem Papa in die Sauna gehen, angeln, die gefangenen Fische grillen oder räuchern. Die Auszeit hat ihm gut getan.
Denn das jetzt sei schon eine der schwierigsten Runden in seinem bisherigen Handballerleben, bestätigt der 1,85 Meter große Linkshänder. Corona und all seine Folgen – das Spiel gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Vallendar am Sonntag muss jetzt nachgeholt werden, weil es coronabedingt bereits mehrfach abgesagt wurde. Dazu der anfangs sehr kleine VTZ-Kader, der im Jahr zuvor überhaupt kein Ligaspiel bestreiten, sich nicht einspielen konnte.
Anstrengende Saison für den „Kopf“
„Das war schon alles sehr anstrengend. Auch für den Kopf“, sagt Kraucevicius. Im Training Drei gegen drei spielen zu können, mal Vier gegen vier, „aber lange nicht Sechs gegen sechs“, erinnert er sich, dass das Auswirkungen auf das VTZ-Spiel gehabt habe. Seit die Mannschaft komplett ist, „ist es ja auch in der Liga aufwärts gegangen“, freut er sich. Und der Spaß am Handball hat bei allen wieder zugenommen.
Auch wenn es schon mal Rückschläge gibt. „In Bingen waren wir vergangene Woche wirklich schlecht. Das können wir deutlich besser“, sagt Kraucevicius, der bei der Firma Bastian in Zweibrücken arbeitet. Das will er jetzt zusammen mit der Mannschaft gegen Dansenbergs Zweite und Vallendar beweisen. Und das Thema Abstieg so schnell wie möglich endgültig abhaken.