Zweibrücken
Weil die Zweibrücker Industrie immer noch für den Weltmarkt bedeutend ist
Ausschlaggebend für die Gründung dieses Freundeskreises war die öffentliche Diskussion um die Zukunft der Remise der Villa Schwinn. Wer waren die Schwinns? Was hat die Familie in und für Zweibrücken getan? Diese Frage stellte sich Gerhard Herz, Orthopäde und von 1994 bis 2018 Vorsitzender des Naturschutzbundes Zweibrücken.
„Damit wuchs ich in die Industrialisierungszeit von Zweibrücken hinein, die ja über 170 Jahre die Geschicke der Stadt mitbestimmt hat. Diese Entwicklung ist in der Breite und durch die damit verbundenen Erfindungen faszinierend. Das war für mich eine tolle Erkenntnis“, so Herz.
Als Arzt hat er Dietrich Soyez kennengelernt, der an der Universität in Köln einen Lehrstuhl in Geografie hatte. Beide sind seitdem befreundet, Soyez lebt mit Familie in Zweibrücken. Soyez ist für Herz der ideale Partner beim Bemühen, 170 Jahre Zweibrücker Industriegeschichte aufzuarbeiten.
„Wir wollen die Zweibrücker Industrie mehr ins Gespräch bringen, als das bisher der Fall ist“, erklärt Herz und ist froh, hierfür einen Wissenschaftler an seiner Seite zu haben. Die Initiatoren des Freundeskreises „Zweibrücker Industriekultur“ wünschen sich zur Aufarbeitung dann auch keine Lobhudelei, sondern einen wissenschaftlichen Diskurs.
Zweibrücken sei als Industriestandort immer noch für den Weltmarkt bedeutend, so Soyez. Nicht nur durch allgemein bekannte Namen, wie John Deere. Auch eine Firma, wie WDI Blankstahl, im Volksmund als Nagelwerk bekannt, habe als weltweit bedeutender Erzeuger zu gelten. „Wir beide wussten das bis vor wenigen Wochen nicht“, gibt Soyez entwaffnend ehrlich zu.
In den vergangenen Monaten haben Soyez und Herz Menschen aus der Zweibrücker Industrie angesprochen. 20 bis 30 haben versprochen mitzuwirken; darunter Helmut Reichling, früherer Zweibrücker Oberbürgermeister. Es sollen aber noch mehr Menschen angesprochen werden. Auch junge, wie die beiden Initiatoren des Projekts Zweibrücker Industriekultur betonen.
Am Ende der Forschungen könnten mehrere Industriepfade stehen, die Menschen an teilweise noch sichtbare Spuren Zweibrücker Industriekultur führen. Als Beispiel diente bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen die Schillerstraße. Dort steht die Villa Peschke, die einst die Familie des Gründers der Carl Peschke Maschinenfabrik beheimatete. Und noch viel mehr.
Charlotte Glück, Leiterin des Zweibrücker Stadtmuseums, begrüßt die Initiative der beiden Freunde, weil sie für die Stadt von immenser Bedeutung sei. In diesem Zusammenhang verwies Glück auf den Arbeitskreis „Zweibrücken unter dem Hakenkreuz“, infolgedessen sogar ein Buch veröffentlicht wurde. Allerdings nach jahrelanger Arbeit. Herz und Soyez wissen, dass ihnen und ihrem Freundeskreis Arbeiten in ähnlicher Dimension bevorstehen.
Info
Dietrich Soyez und Gerhard Herz suchen Bürger, die ihren Freundeskreis bei der Aufarbeitung der Zweibrücker Industriegeschichte unterstützen wollen. Eine Kontaktaufnahme ist unter seiner E-Mail-Adresse d.soyez@uni-koeln.de, aber auch unter stadtmuseum@zweibruecken.de möglich. Der Freundeskreis wird sich, sobald das wieder möglich ist, regelmäßig an der Volkshochschule treffen.