Zweibrücken Was Italienerinnen zur Wahl der rechtsradikalen Meloni sagen
Carmen Stalter stammt aus Sizilien, lebt seit ihrem ersten Lebensjahr in Deutschland, hat aber einen italienischen Pass. Das Ergebnis der Wahl hat sie aus den deutschen Medien erfahren. „Die Rechtsradikale hat gewonnen. Die sind mir zu rechts, das wäre dasselbe, als würde in Deutschland die AfD die Wahlen gewinnen“, sagt sie. Am Wahltag war sie zuhause. „Da ich in Deutschland lebe, bekomme ich so viel von Regierung und Politik nicht mit“, erklärt sie. Mit der Verwandtschaft in Sizilien spricht sie nicht über Politik. Man telefoniert zwar regelmäßig, aber dabei geht es um die Familie. Die Wahlkarte hat sie zwar bekommen, aber sie fühlt sich nicht gut informiert über die italienische Politik. „Auf der Wahlkarte stehen nur die Kandidaten, aber wofür die stehen, das bekommen wir Italiener in Deutschland gar nicht so mit“, sagt Carmen Stalter. Gewählt hat sie deshalb nicht. Sie kenne die zur Wahl stehenden Politiker nicht, und bevor sie jemand Falschem ihre Stimme gebe, lasse sie es lieber. Eigentlich würde sie lieber in Deutschland wählen. Darf sie aber nicht, weil sie nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hat.
Tiziana Rosi betreibt das Eiscafé Cantonati und ist nicht gerade zufrieden mit der Wahl ihrer Landsleute. Sie selbst hat per Wahlbrief mitgewählt, der ans italienische Konsulat zurückgeschickt wurde. „Ich habe diese Partei nicht gewählt. Ich finde diese Frau schrecklich. Ich habe immer gehofft, dass eine Frau gewählt wird, aber nicht die Frau. Ich verfolge ihre politische Arbeit seit Jahren, und ihre Ausrichtung gefällt mir nicht“, sagt Tiziana Rosi über die rechtsradikale Giorgia Meloni, die als neue Regierungschefin gehandelt wird. Auf die Frage, ob Silvio Berlusconi jetzt italienischer Präsident wird, antwortet sie: „Ich glaube es nicht. Ich hoffe es nicht“. Sie sei seit Anbeginn eine Gegnerin von Berlusconi und habe viel über ihn gelesen. Unter anderem, wie er zu seinem Vermögen gekommen ist. „Da sind viele Dinge dubios“, sagt Tiziana Rosi. „Ich finde es schrecklich, dass er sich alles kauft. In Italien schauen leider viele Menschen seine Fernsehsender. Dafür braucht man nur eine Gehirnzelle, wenn man sich ansieht, was dort gesendet wird. Man muss nicht mitdenken, das ist alles schrecklich“, hofft sie, dass Berlusconi nicht Italiens neuer Präsident wird.
Lisa Arreche, geborene Orro, arbeitet als Hebamme in Zweibrücken und hat einen italienischen Pass. Die Wahl ist bei ihr jedoch, wie sie selbst sagt, „ziemlich untergegangen“. Denn der Wahlschein für sie ist bei ihrem Vater angekommen, und der hat erst nach einiger Zeit Bescheid gesagt. Die Wahl in Italien war da schon gelaufen. Somit hat sie nicht mitgewählt. Sogar das Ergebnis habe sie aus Zeitmangel „nicht so ganz“ mitbekommen, wie sie erzählt. Daher könne sie das Ergebnis auch nicht wirklich beurteilen. „Ich müsste mich mal belesen, was in Italien so los ist. Mein Vater telefoniert ab und zu mit seiner Schwester in Italien und bekommt dadurch ein paar Brocken mit, aber ich eher nicht“, sagt die junge Mutter. Ihr Wunsch wäre jedoch, dass es nicht nur in Italien besser wird, als es im Moment in der Politik sei. Dabei sei es egal, wer an der Regierung ist. In allen europäischen Ländern liege Einiges im Argen. Daher hätte sie gerne mitbestimmt, wer die neue italienische Regierung bildet. Zuvor hätte sie sich allerdings noch informiert über die Kandidaten. „Man muss wählen. Man darf sich nicht beschweren, was ist, wenn man es nicht selbst in die Hand nimmt, es zu ändern“, ist sie überzeugt.
Eine ältere Dame in der Fußgängerzone will weder fotografiert werden, noch will sie ihren Namen nennen. Zur Wahl in Italien hat sie trotzdem etwas zu sagen. Sie sei Italienerin und meint: „Zum Glück hat Meloni die Wahl gewonnen. Endlich“.