Handball RHEINPFALZ Plus Artikel VTZ Saarpfalz: Trainer-Duo Schumann und Wiese zieht schweren Herzens die Reißleine

Das VTZ-Trainer-Duo Kai Schumann (links) und Philip Wiese hatte zuletzt zunehmend das Gefühl, die Mannschaft nicht mehr zu errei
Das VTZ-Trainer-Duo Kai Schumann (links) und Philip Wiese hatte zuletzt zunehmend das Gefühl, die Mannschaft nicht mehr zu erreichen und zog daraus für sich mit dem Rücktritt die logische Konsequenz.

Kai Schumann und Philip Wiese sind nicht mehr Trainer des Oberligisten VTZ Saarpfalz. Das Duo, das die VTZ seit Januar 2020 gecoacht hatte, hat unter der Woche seinen Rücktritt bei dem Klub erklärt, an dem beide Coaches sehr hängen. Vorläufig übernimmt der Mannschaftskapitän die Trainingsleitung.

Sie hätten das Gefühl, die Mannschaft nicht mehr zu erreichen, begründeten Kai Schumann und Philip Wiese ihre Entscheidung. Der Rücktritt kommt für alle überraschend, aber er kommt nicht grundlos. Überraschend, weil Schumann und Wiese nicht einfach nur Trainer waren. Ihre persönlichen Verbindungen zum Verein, die Verbindung ihrer Familien mit dem Klub sind vielschichtig, langjährig, freundschaftlich und engagiert. Als Jugendtrainer – Wiese bei der E-Jugend, Schumann bei der F- und C-Jugend – bleiben sie der VTZ daher erhalten.

Wiese hat nie ein anderes Vereinstrikot als das der VTZ getragen, hat als 17-Jähriger in der Regionalliga debütiert. Kai Schumann war seit 2002 zunächst als Spieler, dann in verschiedenen Funktionen der VTZ verbunden. Der Rücktritt war keine leichte Entscheidung. Dass die beiden sie dennoch getroffen haben, zeigt, dass der Schritt für sie alternativlos war. Dass haben sie letztlich auch dem VTZ-Vorstand deutlich machen können, als sie ihn über ihren Entschluss informierten. „Seitens der Vorstandschaft bedauert man diese Entscheidung sehr, hat sie aber akzeptiert“, heißt es von Vorstandsseite und weiter: „Wir bedanken uns bei Philip und Kai für ihren Einsatz, der weit über dem lag, was sonst einen Trainerjob ausmacht.“ Die Arbeit der beiden, die nie zur Disposition standen, wurde geschätzt.

Fortschritt erkennbar, aber nicht von Dauer

Alle wussten, dass es ein schwieriger Job ist und dass die beiden Trainer alles in ihrer Macht stehende taten, damit bei der VTZ Oberliga-Handball gespielt werden kann. Kaum das Traineramt übernommen – früher als geplant -, wurde ihre erste Saison abgebrochen. Eine weitgehend neuformierte Mannschaft konnte bedingt durch Corona eine ganze Runde nicht spielen, sich nicht finden. Trotzdem wurde der Kader zusammengehalten. Es folgte eine Saison, in der gegen den Abstieg gespielt wurde. Corona erschwerte vieles. Wiese und Schumann schnürten sogar notgedrungen teils selbst wieder die Handballschuhe, bezahlten das im Fall von Philip Wiese mit einer Verletzung. Sie baten frühere Weggefährten der Freundschaft und der VTZ willen um Hilfe. Mit Erfolg. Die Klasse wurde gehalten. Und doch hatte die Runde enorm viel Kraft und Nerven gekostet, die jetzt möglicherweise fehlten.

Die aktuelle Runde sollte eigentlich entspannter laufen. Der Kader wurde verbreitert, der Kern-Kader war eingespielt. Die Fortschritte zeigten sich auch gegen Worms, Eckbachtal und im Stadt-Derby. Umso größer muss die Enttäuschung über die Rückschritte in den folgenden Spielen gewesen sein, die nicht nur in den Ausfällen der etablierten Spieler Tomas Kraucevicius und Moritz Baumgart begründet waren. Mit Raimonds Trifanovs wurde noch mal ein langjähriger Weggefährte als Nothelfer reaktiviert. Ein Signal an die Mannschaft, dass man ihr helfen will.

Auf Rückschritt folgt Rücktritt

Es half nichts. Die Mannschaftsleistung am Sonntag in der zweiten Halbzeit gegen Vallendar war enttäuschend. Nichts von dem, was ihnen die Trainer in der Halbzeit und in der Auszeit noch mal nahelegten, wurde umgesetzt. Das war unübersehbar. Der Auszeit folgten kopflose Aktionen, die Vallendar mit zwei leichten Toren bestrafte. Kai Schumann saß ab diesem Zeitpunkt ganz ruhig auf der Bank, Philip Wiese wechselte gelassen durch. Beide Trainer (als emotional am Spielfeldrand bekannt) regten sich nicht mehr über durchaus diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidungen auf. Das sprach Bände.

Der Rücktritt war dennoch keine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Beide überschliefen das noch mal. Es blieb beim Gefühl, den Negativtrend nicht mehr stoppen zu können, und dass es neue Impulse, einen neuen Trainer braucht. „Wir drücken dem Team natürlich die Daumen“, sagen Wiese und Schumann. Vorerst übernimmt Mannschaftskapitän Norman Dentzer die Trainingsleitung.

x