Handball RHEINPFALZ Plus Artikel VTZ Saarpfalz erlebt Spielzeit mit vielen Unwägbarkeiten

VTZ-Coach Philip Wiese (Sechster von links) gibt in einer Auszeit Anweisungen an sein Team. Nach einer schwierigen Vorrunde bera
VTZ-Coach Philip Wiese (Sechster von links) gibt in einer Auszeit Anweisungen an sein Team. Nach einer schwierigen Vorrunde berappelt sich die Mannschaft, personell verstärkt, in der Rückserie und bleibt Oberligist.

Saisonbilanz: Lange kämpfte Handball-Oberligist VT Zweibrücken-Saarpfalz gegen den Abstieg und mit großer Personalnot in einer noch stark von Corona geprägten Saison. Zwei Neuzugänge in der Rückrunde trugen dazu bei, dass Qualität und Quantität im Kader stiegen. Einer von mehreren Gründen, warum die VTZ nicht bis zum letzten Spieltag zittern musste.

Es war die erste komplette Oberliga-Saison, für das Trainer-Duo Philip Wiese und Kai Schumann, das seit Januar 2020 die sportliche Verantwortung beim Handball-Oberligisten VT Zweibrücken-Saarpfalz trägt. Komplett ja, aber noch lange nicht normal – so lässt sie sich am Ende bilanzieren.

Die Spielzeit war mental sehr anspruchsvoll. „Das stimmt“, bekennt Philip Wiese. Zum Beispiel in der Saisonphase ab Dezember 2021, als zunächst die 2G-Regel griff, und Spieler, die nicht geimpft oder genesen waren, weder trainieren noch spielen durften. In diese Zeit fiel die Partie, die für Wiese der Tiefpunkt der Runde war: „das Heimspiel gegen Mundenheim“. Gar nicht wegen der Leistung, aber der VTZ gingen einfach die Spieler aus. Kai Schumann war als spielender Trainer im Prinzip der einzige Not-Not-Auswechselspieler auf der Auswechselbank.

Schwieriger Rundenbeginn, holprige Vorrunde

Auch Wiese musste in dieser Phase, bis zu seiner Fußverletzung, mehrmals ran. Unfreiwillig, aber unumgänglich. Und einige frühere VTZ-Oberliga-Spieler, die ihre Karriere schon beendet hatten, schnürten in der Not ebenfalls noch mal die Handballschuhe. Alle einte ein Ziel: „Wir wollten nicht absteigen“, sagt Schumann. Mission gelungen.

Insgesamt bekennt Wiese, „dachte ich vor Rundenbeginn, dass wir etwas stabiler stehen“. Aber die Mannschaft musste sich erst finden. Dazu kam der Spielplan. „Wir wussten schon, dass die Vorrunde für uns schwieriger wird“, sagt Schumann. Bei fast allen Abstiegskonkurrenten musste die VTZ zunächst auswärts antreten. Dazu kamen Spiele in der Fremde ohne Harz, und zu Hause ging es zunächst gegen Mannschaften, wie den TV Homburg oder Illtal, die in der Spitzengruppe erwartet werden konnte. „Dazu kam Pech, in manchen Spielen wohl auch Unvermögen“, resümiert Wiese selbstkritisch und erinnert an das Remis in Kastellaun, als in der Schlussminute ein Drei-Tore-Vorsprung verspielt wurde. „Das trägt natürlich nicht dazu bei, dass das Selbstvertrauen wächst“, weiß Schumann. Aber, da sind sich die beiden Trainer einig, schon in dieser Phase zeigte sich, was ein Faktor für den letztlichen Klassenverbleib werden sollte: Die Mannschaft steckte nie auf, ließ sich durch die widrigen Umstände nie unterkriegen und machte weiter.

Frühe Nackenschläge durch Verletzungen

Obwohl früh Nackenschläge zu verkraften waren: Kevin Hauck, abwehrstark und der Mann für die Konter, riss sich das Kreuzband. Auch auf Kreisläufer Julian Kreis musste die VTZ oft verzichten. Immer mal wieder aus beruflichen Gründen (das war eingepreist), aber auch aus gesundheitlichen Gründen. „Bei einem kleinen Kader tut natürlich jeder Ausfall weh“, stellt Schumann fest. Glück für die VTZ, dass mit Thomas Jung ein Spieler zur Verfügung stand, der variabel auf allen Positionen spielen konnte.

Es blieb personell eng. Corona-Ausfälle zu Jahresbeginn, immer wieder Unklarheiten: Kann gespielt werden oder nicht, wer kann spielen? Auch die Gegner kämpften mit Corona. Unterm Strich, findet Wiese, habe Corona schon einen wettbewerbsverzerrenden Teil zur Runde beigetragen. Ein Pfund, mit dem die Zweibrücker von Anfang an wuchern konnten: eine stabile Deckung vor dem starken Torhütergespann Norman Dentzer und Yannic Klöckner. Nur 751 Gegentore fing sich die VTZ-Defensive ein. Besser waren nur drei Teams, unter anderem die Top-Teams aus Homburg und Mundenheim. „Wir wussten ja, dass wir im Angriff nicht so durchschlagskräftig sind. Deshalb war von Anfang an klar, dass die Defensive stehen muss“, erläutert Schumann.

Top-Phase von März bis April

Am neunten Spieltag platzte gegen die HSG Völklingen dann der Knoten. Der erste Heimsieg. Wichtig vor der so schwierigen Saisonphase, die folgen sollte. Eine weitere Wende deutete sich Anfang Februar in Saulheim an; mit einer Mini-Truppe, aber auch einem neuen Hoffnungsträger. Abderrahmane Belhadi trug erstmals das VTZ-Trikot. Er bewies sofort, dass er eine Verstärkung ist. Einen Spieltag später stand mit Lasse Finck ein zweiter spielstarker Neuzugang auf dem Feld und dirigierte nach fast zwei Jahren Handballpause mit Selbstverständlichkeit das VTZ-Team, das er in der Trainingswoche zuvor erst kennengelernt hatte.

Die beiden Neuzugänge waren wichtig, bestätigt das Trainer-Duo. Weil die spielerische Klasse stieg, weil es mehr personelle Möglichkeiten gab. „Aber auch weil es ein Signal an die Mannschaft war, dass der Verein hinter den Jungs steht“, sagt Wiese. Es habe sich positiv im Training bemerkbar gemacht, dass mehr Spieler zur Verfügung standen. Gut für die spielerische Linie: Das Umschaltspiel der VTZ wurde besser, Gegenstoßtore wurden erzielt. Bei den wichtigen Heimsiegen gegen Worms und Daun, beim überraschenden Punktgewinn in Illtal. Vom 6. März bis Ende April blieb die VTZ ungeschlagen, der Grundstein für den Klassenverbleib.

Saisonbilanz

Endstand: Platz 11, 26:34 Punkte, 720:751 Tore; Spiele: elf Siege, vier Unentschieden, 15 Niederlagen; höchster Sieg: 35:21 gegen Kastellaun; höchste Niederlage: 18:30 in Mundenheim; Beste Torschützen: 1. Robin von Lauppert 165/67, 2. Tomas Kraucevicius 126/18, 3. Thomas Jung 109/7.

Was wollen wir anders machen? Das VTZ-Trainerduo Kai Schumann (links) und Philip Wiese bespricht sich kurz vor dem Kabinengang.
Was wollen wir anders machen? Das VTZ-Trainerduo Kai Schumann (links) und Philip Wiese bespricht sich kurz vor dem Kabinengang.
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