Handball
SV 64 Zweibrücken zeigt sein Bestes diesmal nicht zum Schluss
„Glückwunsch, nach zehn Jahren Handball-Pause so eine Leistung!“ Rüdiger Lydorf, Trainer der Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken, stand am Samstag in der vorerst letzten Drittliga-Partie der Zweibrücker 23 Minuten zwischen den Pfosten und war der SV-Spieler, dem viele Zuschauer nach Abpfiff der Partie gegen die HSG Bieberau-Modau gratulierten. „Die 20 Drittliga-Minuten nimmt mir keiner mehr“, bemerkte Lydorf selbst lachend dazu. Seine Parade beim Gegenstoß von Leonid Mykhailiutenko (51.) gehörte zu den Höhepunkten des Spiels, das die Zweibrücker mit 30:39 (15:17) verloren.
„Was soll ich jetzt sagen?!“, sagte auch Ralf Ludwig, Trainer der HSG, die wie der SV 64 den Gang in die Oberliga antreten muss, nach dem Abpfiff lachend: „Es war ein schnelles Spiel, amüsant, bestimmt gut anzuschauen für die Zuschauer und war jetzt nicht geprägt von guten Abwehr- und Torhüterleistungen“, fasste er die 60 Minuten treffend zusammen. Noch knackiger war die Analyse von SV-Trainer Stefan Bullacher. Normalerweise sage man ja, „das Beste kommt zum Schluss. Wir haben es anders herum gemacht: Was die Heimspiele angeht, haben wir das Schlechteste zum Schluss gezeigt“.
Bei beiden Absteigern war die Luft raus
Wie sehr die Luft raus war, zeigte die erste Halbzeit, in der beide Trainer auf Auszeiten verzichteten. Wäre es um was gegangen, hätten sich beide Defensivreihen sicher schon früh einiges anhören dürfen.
Ein paar Schmankerl – abgesehen von Lydorfs Paraden – gab es dennoch. Zum Beispiel Kevin Knieps Treffer zum 8:8, bei dem der Ball mit extrem viel Effet den Weg ins Tor fand. Zehn Sekunden später traf sein HSG-Pendant David Wucherpfennig mit genau so viel Effet zum 9:8 für die Gäste. „Schön kopiert“, kommentierte SV-Hallensprecher Markus Rogge den Treffer. „Knieps am Kreis“ könnte es kommende Runde in Bieberau heißen, beide Parteien sind im Gespräch. Nachdem die TSG Haßloch in letzter Sekunde den Drittliga-Abstieg abwendete, könnte Knieps aber auch dort auflaufen. „Ich entscheide nächste Woche“, sagt der Kreisläufer. Geht er nach Bieberau-Modau, wird er mit dem bisherigen SV-Torwart Marko Ivankovic zusammenspielen, der auch bei den Hessen anheuert.
Zehn kampfintensive Minuten in Hälfte zwei
Ivankovic war im Abschlussspiel nicht mehr dabei. Er hörte daher auch nicht Rogges schmunzelnden „Abgeguckt“-Kommentar, als Jonas Dambach per Kempa das 34:28 für Bieberau erzielte. 13 Sekunden zuvor hatten Zuspieler Tim Götz und Verwerter Philipp Kockler gezeigt, wie man einen Kempa erfolgreich spielt.
Zehn Minuten in der zweiten Halbzeit wurde auch gekämpft. 25:21 führte Bieberau, die Partie schien gelaufen. Lydorf parierte einige Bälle. Der SV-Angriff verkürzte auf 24:26. Ludwig nahm die erste Auszeit des Spiels. Der ließ Götz den Treffer zum 25:26 folgen. Götz wurde nach seinem letzten Spiel im SV-Dress mit stehenden Ovationen von den Fans verabschiedet. Der zwölffache Bieberauer Torschütze Kevin Kunzendorf zum 27:26, die Antwort von Tom Grieser: 26:27.
Dann leistete sich der SV-Angriff Fehler, die Bieberau bestrafte. Beim 26:30 war die Partie entschieden. „Es ist einfach gut, dass die Saison vorbei ist“, bekannte SV-Linksaußen Sebastian Meister, der sich mit drei schönen Treffern in die Pause verabschiedete. Der Abstieg in einer Saison, in der die Zweibrücker das Ergebnis ihrer zweitbesten Drittliga-Runde aller Zeiten einstellten, schmerzt. „Es ist echt brutal“, bekannte Abwehrchef Tom Grieser. Aber SV-Abteilungsleiter Jürgen Kroner versprach: „Dritte Liga, wir kommen wieder!“
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Dörr, Lydorf (ab 37.) - Bayer (5), Götz (3), Kockler (7) - Ihl (1), Meister (3) - Knieps (6/3) – Grieser (4), Hammann, Naumann, Aris Wöschler (1)
HSG Bieberau-Modau: Witkowski, Sevo (ab 31.) - Dambach (8), Brandt (3), Mykhailiutenko (4) - Kunzendorf (12/1), Eisenhuth (5) - Wucherpfennig (3) – Büttner (1/1), Grusovnik (1), Buschmann, Becker (1), Hübscher, Malik (1)
Spielfilm: 8:8 (17.), 14:14 (26.), 15:17 (Halbzeit), 17:18 (32.), 17:21 (35.), 21:26 (39.), 25:26 (44.), 27:33 (53.), 30:39 (Ende) - Zeitstrafen: 2:1 - Siebenmeter: 4/3 - 3/2 - Beste Spieler: Kockler, Bayer, Grieser - Kunzendorf, Dambach, Eisenhuth - Zuschauer: 300 - Schiedsrichter: Peiser/Schek (HV Pfalz).