Handball
SV 64 Zweibrücken leistet sich gegen Dansenbergs Zweite unnötigen Punktverlust
55:18 Minuten waren gespielt, da hatte SV-Spielmacher Lasse Finck seinen besten Moment im Spiel: Sicher verwandelte er den Strafwurf zum 24:21. Dass zu diesem Zeitpunkt aber kein Fan auf einen Zweibrücker Sieg gewettet hätte, zeigt, wie viel Kredit das SV-Team binnen kurzer Zeit verspielt hat. Fünf Minuten später wurde die „grottige“ Partie abgepfiffen: Sie endete 24:24 (14:14).
Enttäuschte SV-Spieler im fast bewegungslosen Zweibrücker Spielerkreis nach dem Abpfiff, lautstark jubelnde und tanzende Dansenberger auf der anderen Seite. Das sprach Bände. Nahezu emotionslos hatten sich die Zweibrücker in ihr Schicksal ergeben. Die Dansenberger hingegen kämpften um ihre Chance auf den Punkt beim Drittliga-Absteiger, der aktuell ein Schatten seiner selbst ist.
Einladungskarten zum Torewerfen
Das taten die Gäste auch beim 21:24 – weil Zweibrücken die Hoffnung nährte. Nils Bechtel traf unbedrängt aus dem Rückraum zum 22:24. Im Gegenzug scheiterte Benny Zellmer frei an TuS-Torwart Norman Becker, der einst in der SV-Jugend spielte. Die schwach und oft kopflos werfenden Zweibrücker Angreifer bescherten ihm eine entspannte Rückkehr. Im Gegenzug verhinderte SV-Keeper Patryk Foluszny, der noch zu den Lichtblicken im SV-Team gehörte, den früheren Anschluss. Diese Chance eröffnete dann SV-Kapitän Philipp Hammann den Gästen. Der hatte zuvor, wie schon serienweise vor der Pause, die nächste hundertprozentige Chance vergeben. Henry Hofmann sagte danke, verkürzte für den TuS 48 Sekunden vor dem Abpfiff auf 23:24.
Hofmann hatte den TuS schon mit 1:0 in Führung geworfen. Ein Tor, das früh ahnen ließ, dass es mit dem Vorsatz der Gastgeber, endlich mal ein gutes Heimspiel zu zeigen, wieder nichts werden würde. Die SV-Defensive verteilte, so wie bei diesem Treffer, vor allem auf der linken Abwehrseite so großzügig wie Disco-Besitzer auf Mallorca Getränkegutscheine.
Coolness fehlt, das Ergebnis über die Zeit zu bringen
Da wollte sich die rechte SV-Abwehrseite offensichtlich nicht lumpen lassen und lud, quasi mit dem Schlusspfiff, Marc Philipp Becker ein, ein einfaches Tor zu erzielen. Die SV-Deckungszentrale um Tom Grieser, der sich vergeblich gegen den Punktverlust stemmte, konnte diese Löcher links und rechts nicht stopfen.
Dass der Ausgleich gelang, hatte Adam Soos tatkräftig ermöglicht. Achtmal hatte er bis zur 60. Minute getroffen, aber keine 100-Prozent-Quote gehabt. 33 Sekunden waren noch zu spielen, da nahm er sich einen Wurf – Platz war genügend da – und verwarf. Die Worte von Fußballnationalspieler Ilkay Gündogan dieser Tage in Katar, dass man auch mal die Coolness haben müsse, ein Ergebnis über die Zeit zu bringen, kamen einem in den Sinn.
Von allem zu wenig: Das Zweibrücker Spiel hat derzeit Abstiegskampf-Charakter
„Wir sind als Tabellenletzter natürlich wahnsinnig glücklich, dass wir diesen Punkt erkämpft haben. Eine Wahnsinnsleistung von uns allen“, sagte TuS-Co-Trainer Patrick Schulze, der nach der tollen Schlussphase der Dansenberger bekannte, noch so aufgeregt zu sein, „dass ich das noch gar nicht richtig analysieren kann“.
Der Punkt für die Dansenberger, die Anschluss ans untere Mittelfeld gefunden haben, gehe völlig in Ordnung, befand SV-Trainer Stefan Bullacher. Ausreden, wie die, dass Top-Spieler fehlen oder die Trainingssituation schlecht ist, weil viele krank sind, wollte er nicht aufkommen lassen. „Was unsere Jungs hier gezeigt haben, war unterm Strich einfach zu wenig“, sagte er und präzisierte, was schlecht war: zu wenig Qualität bei Würfen und im Entscheidungsverhalten, und zu wenig, was Einsatz und Kampfbereitschaft angeht.
Dass Letztere bei einigen fehlte, war – mal wieder – die größte Enttäuschung. Was die Qualität der 60 Minuten anbelangt, war es ein Spiel gegen den Abstieg. Der Unterschied war, dass der TuS das verstanden hat und um den Punkt kämpfte. Beim SV 64 hingegen haben viele noch nicht verstanden, dass das, was sie vom Abstiegskampf trennt, derzeit nur die 16:0-Serie vom Saisonstart ist.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Zayac, Foluszny - Naumann (3), Finck (1/1), Eberhard (2) - Hammann (2), Meister - Grieser (5) – Zellmer (1), Soos (8/1), Winter, Schimmel, Kroner (2)
TuS KL-Dansenberg II: Norman Becker - Kölsch (3), Hofmann (3), Bechtel (2) - Kötz (6), Marc Philipp Becker (3) - Jung (4/1) – Dettinger, Linnenbach (1), Theuer (1), Kurz (1)
Spielfilm: 4:6 (12.), 11:9 (22.), 14:14 (Halbzeit), 19:16 (40.), 23:19 (47.), 24:21 (56.), 24:24 (Ende) - Zeitstrafen: 6:4 - Siebenmeter: 4/2 - 3/1 - Beste Spieler: Grieser - Kötz - Zuschauer: 310 - Schiedsrichter: Müller/Krispenz (Osthofen/Mainz).