Handball
SV 64-Frauen würden so gerne mal wieder ein Sieger-Selfie machen
Ein Sieger-Selfie. Zu gerne würden das die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken mal wieder machen. Am Samstag mussten sie in der Westpfalzhalle nach Abpfiff der Partie gegen den TV Bassenheim erneut mit ansehen, wie der Gast das Selfie vor der großen Ergebnistafel macht. 19:36 (8:15) unterlag der SV 64 den Bassenheimerinnen. Die jubelten lautstark, beendeten mit diesem Erfolg eine lange Durststrecke. Im September 2012 hatten sie letztmals in Zweibrücken gewonnen, abgesehen von einem Remis 2017 stets Zweibrücken mit einer Niederlage im Gepäck verlassen.
Glücksgefühle auf Bassenheimer Seite, weil die Revanche für die Hinspielniederlage geglückt war. Tiefe Enttäuschung auf Zweibrücker Seite. „Das schmerzt schon“, bekannte Dunja Bullacher, die den erkrankten SV-Trainer Rüdiger Lydorf auf der Bank vertrat. Es schmerzte, weil die Trainingswoche gut und Siegeshoffnung vorhanden gewesen war.
Dunja Bullacher sieht große Nervosität
Das 0:1 durch Christina Henn steckte der SV weg. Janine Baus mit zwei Toren und Lucy Hilz mit ihrem Treffer warfen eine 3:1-Führung nach sieben Minuten heraus. Wie ungewöhnlich das war, zeigte sich auf der Anzeigetafel. Da war fälschlicherweise ein 1:3 zu sehen, also eine Gästeführung.
„Man hat aber in der Anfangsphase bereits gemerkt, dass die Nervosität groß ist“, resümierte Bullacher. Einfache Fangfehler gehörten vom Anpfiff weg zum Spiel. Die Führung brachte keine Sicherheit. So kam, was kommen musste: Das 3:4, das auf der Anzeigetafel stand, bedeutete nun tatsächlich die Gästeführung nach elf Minuten.
Oft reicht schnelles Doppelpassspiel der Gäste
Mit jedem Tor, das Bassenheim erzielte, verlor Zweibrücken Linie und Selbstbewusstsein. „Ihr müsst nur schnell in die Lücke stoßen, das klappt immer“, wies Bassenheims Trainerin Jessica Gerlach ihre Angreiferinnen an. Und hatte recht. Oft reichte ein schnelles Doppelpassspiel in der Mitte schon, um links oder rechts der Mitte in der Zweibrücker Abwehr die Gasse weit zu öffnen. Christina Grünewald, die für die erkrankte Annalena Zahm im Tor stand, sah sich ständig Eins-gegen-eins-Duellen aus der Nahwurfzone gegenüber.
Oder traf auf Nicole Hommen am Siebenmeterpunkt. Hommen, die gegen den SV traditionell eine gute Trefferquote verzeichnet, versenkte acht der zehn Siebenmeter, die sie werfen durfte, weil die Zweibrückerinnen beim Versuch, die Abwehrlücke zu schließen, zu spät dran waren.
Hinten fehlt Stabilität, vorne Durchschlagskraft
Hinten fehlte es an Stabilität, vorne an Durchschlagskraft. Dass Janine Baus für Zweibrücker Torgefahr steht, hatte Gerlach ihren Abwehrspielerinnen deutlich gemacht. Die waren meist mit zwei, oft mit drei Spielerinnen zur Stelle, um Baus’ Würfe zu unterbinden. Von den Freiräumen profitierten Baus’ Nebenfrauen nicht. Sie blieben zu harmlos, scheiterten oft an der ehrgeizigen Rebekka Schmitz im Bassenheimer Tor. Die 20-Jährige stauchte ihre Vorderfrauen noch ordentlich zusammen, als Bassenheim seinen Vorsprung längst auf 15 Tore ausgebaut hatte.
Bis zur 18. Minute war eine so deutliche Heimniederlage nicht abzusehen. Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Rebecca Knoll nutzte Bassenheim, um den Vorsprung auf 10:6 auszubauen. Der SV spielte in der Folge mehrfach in Unterzahl. Bis zum Halbzeitpfiff zog Bassenheim auf 15:8 weg und baute diese Führung nach dem Seitenwechsel weiter aus.
Zweibrücken war völlig von der Rolle, nichts klappte mehr. Fast nichts. Zwei schöne Paraden der jungen Maryam Midani, als sie Grünewald im Tor ablöste, setzten positive Akzente. Auch wenn sich an der deutlichen Niederlage nichts mehr änderte. Das Siegerselfie der Bassenheimerinnen können die Zweibrückerinnen aber auch als Hoffnungsschimmer werten. Es beweist, dass jede Negativserie mal zu Ende geht.
SO SPIELTEN SIE
SV 64 Zweibrücken: Grünewald, 45. Midani - Baus (3), Hilz (4), Jänicke (2) - Hartfelder (1), Luga - Bullacher (2) - Schlicker (2), Neff, Müller (1), Hoffmann (1), Knoll (3)
TV Bassenheim: Schmitz - Kohlenbeck (1), Schubert (4), Wambach (6) - Hommen (8), Marx (3) - Christina Henn (4) - Oster (6), Stephanie Henn, Schlapp (4)
Spielfilm: 3:3 (10.), 6:8 (18.), 6:11 (23.), 8:15 (Halbzeit), 10:25 (44.), 19:36 (Ende) - Zeitstrafen: 6:3 - Siebenmeter: 0 - 10/8 - Beste Spielerinnen: Fehlanzeige - Wambach, Schubert, Oster - Zuschauer: 50 - Schiedsrichterinnen: Hugger/Nitzke (HV Rheinhessen).