Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Spiel der Zweibrücker SV-Damen ist nichts für schwache Nerven

Die Zweibrücker Spielmacherin Rebecca Knoll (Mitte, hier gegen (von links) die Bodenheimerinnen Jona Reese, Lara Sagner und Lina
Die Zweibrücker Spielmacherin Rebecca Knoll (Mitte, hier gegen (von links) die Bodenheimerinnen Jona Reese, Lara Sagner und Lina Sinsel) erzielte in der Schlussphase einen Treffer, der vom schwachen Schiedsrichtergespann nicht anerkannt wurde. Es hätte das Tor zum ersten Saisonsieg der SV 64-Damen sein können.

Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Der Satz, den Fußball-Profi Jürgen Wegmann berühmt machte, beschreibt aktuell perfekt die Lage bei den Oberliga-Damen des SV 64 Zweibrücken. Auch nach dem Schlusspfiff in der Partie gegen den TV Bodenheim. Tränen flossen nach der SV-Niederlage allerdings auf beiden Seiten.

Vier Sekunden Spielzeit zeigte die Uhr noch in der Westpfalzhalle. 23:24 (9:10) lagen die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken am Samstagabend gegen den TV Bodenheim zurück. SV-Trainer Rüdiger Lydorf hatte eine Auszeit genommen. Mit Freiwurf ging es weiter. Noch eine Wurfchance, um zumindest den ersten Punkt dieser Saison zu sichern. Dass Top-Torschützin Janine Baus werfen sollte, war klar. Auch für Bodenheim. Die gegnerische Deckung konzentrierte sich auf Baus, versuchte sie bereits im Anlauf zu stören. Anpfiff, Wurf, übers Tor, aus. Und dann flossen die Tränen.

Auf beiden Seiten wurden viele Augen feucht. Bei den Zweibrückerinnen, die sich schnell stille Ecken zum Verkriechen suchten, aus Enttäuschung über die fünfte Niederlage im fünften Spiel. Bei den Bodenheimerinnen, die ihr Glück nicht fassen konnten, aus Freude über den Erfolg. Bereits zum dritten Mal gewannen sie in dieser Runde ein Spiel mit einem Tor Unterschied. Glück und Pech liegen nahe beieinander.

Hektische Schlussphase mit schwachen Referees

„Das halten meine Nerven nicht mehr lange aus“, sagte Bodenheims Trainer Paul Günther, die Hände nach dem Schlusspfiff fast ungläubig über dem Kopf zusammenschlagend. Wie blank die Nerven lagen, zeigte sich in der 56. Minute. Hanna Müller hatte die Zweibrückerinnen mit 23:22 in Führung geworfen. Kurz danach setzte sich Rebecca Knoll rechts schön durch und traf – 24:22. Günther schrie am Spielfeldrand seine Spielerin Lara Sagner an, machte sie für den möglicherweise spielentscheidenden Abwehrfehler verantwortlich, Hektik pur. In dieser Hektik bekam keiner mit, dass der Feldschiedsrichter, der die klar schlechtere Position gegenüber seinem Kollegen hinter der Torauslinie, den Treffer nicht anerkannte. Er hatte Knoll im Kreis gesehen. Der Kollege hinterm Tor hatte keine Einwände. Abstimmung bei dem Gespann, das eine schwache Leistung bot – Fehlanzeige. Auch wenn die Zweibrückerinnen aktuell oft Probleme haben, Eins-gegen-eins-Situationen richtig zu verteidigen: Das Strafzeiten-Verhältnis mit 5:1 zuungunsten der Gastgeber entsprach ebenfalls nicht dem Spiel über 60 Minuten.

Das Tor nicht anerkannt, und es kam noch schlimmer für den SV 64: Knoll musste direkt danach für eine Abwehraktion für zwei Minuten vom Feld. Die Überzahl nutzte Bodenheim, um die Partie wieder zu drehen. Knoll war gerade wieder zurück, da erzielte ausgerechnet Sagner das 24:23. Bei seiner Spielerin, die er Minuten zuvor noch lautstark angegangen war, war Günther unmittelbar nach dem Abpfiff, suchte gleich das klärende Gespräch mit ihr.

SV-Team verteidigt die Außenpositionen schlecht

Bodenheim feierte, Zweibrücken trauerte. „Wir sind mal wieder schlecht ins Spiel gekommen“, resümierte SV-Trainer Rüdiger Lydorf aber auch. Mit 2:7 lag sein Team nach 18 Minuten zurück. Aber Zweibrücken kämpfte. Katrin Hoffmann übernahm nun die Regie. Janine Baus traf, und im linken Rückraum fand Lucy Hilz zu ihrer Form zurück, machte ein klasse Spiel. In der 50. Minute warf sie die Zweibrückerinnen mit 22:18 in Führung. Der erste Heimerfolg schien möglich.

Dass daraus nichts wurde, hatte mit den Unparteiischen zu tun, aber auch wieder mit dem SV 64 selbst. Zweibrücken hat derzeit enorme Probleme, die gegnerischen Außenspielerinnen zu verteidigen und Tore von außen zu verhindern. So ließ Sagner, die vom Siebenmeterpunkt zweimal an SV-Torhüterin Annalena Zahm scheiterte, auf der linken Außenbahn gar nichts anbrennen. Allein drei Treffer gelangen ihr in den spielentscheidenden Schlussminuten.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Zahm - Baus (9/1), Knoll, Hilz (7) - Schlicker (1), Luga (2) - Bullacher (1) – Hoffmann, Müller (3), Jänicke, Jag

TV Bodenheim: Schepky, Konischek (ab 39.) - Zsigmond (2), Jona Resse (6), Emily Reese (3/1) - Werling, Sagner (8/3) - Sinsel (1) – Stausberg (2), Knierim (1), Zimmermann (1), Tomaschek

Spielfilm: 2:7 (18.), 6:10 (27.), 9:10 (Halbzeit), 13:13 (37.), 15:14 (39.), 22:18 (50.), 23:23 (58.), 23:24 (Ende) - Zeitstrafen: 5:1 - Siebenmeter: 1/1 - 6/4 - Beste Spieler: Baus, Hilz - Sagner, Jona Reese - Zuschauer: 150 - Schiedsrichter: Staatz/Röckendorf (Morbach/Koblenz).

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