Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel So steht es um Zweibrückens Brücken

Eine Riesenbaustelle wird in einigen Jahren die Daimlerbrücke über die Lützelstraße.
Eine Riesenbaustelle wird in einigen Jahren die Daimlerbrücke über die Lützelstraße.

Einige Brücken der Stadt kommen ans Ende ihrer Lebensdauer. In den nächsten Jahren stehen Sanierungsarbeiten an. Wo es demnächst losgeht und wann es unangenehm werden kann.

Wie viele Brücken gibt es in Zweibrücken?
Mindestens 70. Der Umwelt- und Servicebetrieb (UBZ) ist für 64 Brücken zuständig. Es spielt oft eine Rolle, an was für einer Straße sie liegen, also ob es eine städtische Straße oder eine Landes- oder Bundesstraße ist. Um 46 Brücken muss sich der UBZ sowieso kümmern, weil die Straßen und Wege der Stadt gehören. Für 18 weitere Brücken hat er die Unterhaltung übernommen, auch wenn sie zum Beispiel an einer Landesstraße liegen. Dazu zählen die Brücken in der Saarlandstraße und der Landauer Straße. Die Autobahnbrücken und die Brücken über den Bahneinschnitt – darunter die Storchenbrücke und die der Oselbachstraße – kommen noch dazu. Sie gehören nicht zum Aufgabenbereich des UBZ. Damit eine Brücke als Brücke gilt, muss sie eine Spannweite von mindestens zwei Metern haben. Alles andere gilt beispielsweise als Durchlauf.

Was sind das für Brücken?
Die meisten sind aus Beton. 80 Prozent. „Wenig Stahl, wenig Aluminium“, sagt Helge Marschall, der beim UBZ für die Brücken zuständig ist. Eine Brücke ist gemauert. Zwei Brücken sind über 100 Meter lang.

Wie werden die Brücken überprüft?
Jede Brücke wird alle sechs Jahre intensiv geprüft, so genau, dass jedes Bauteil überprüft wird. „Man muss jedes Bauteil anfassen können“, erläutert Helge Marschall. Drei Jahre danach gibt es eine einfache Prüfung, und in den Jahren dazwischen wird jede Brücke noch einmal begangen. Jedes Bauteil wird in drei Kategorien mit Noten von 0 bis 4 bewertet: Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Daraus wird eine Durchschnittsnote errechnet.

Wie ist der Zustand der Zweibrücker Brücken?
„Definitiv okay“, sagt Helge Marschall. Vor allem bei der Standsicherheit liegen die Brücken größtenteils im grünen Bereich. Allerdings sind viele schon über 50 Jahre alt und kommen damit so langsam ans Ende ihrer Lebensdauer. „Maximal 80 bis 100 Jahre“ halte ein Brücke, sagt Helge Marschall – und ergänzt: „Das ist schon sehr, sehr gutmütig gerechnet.“ Das Alter der Brücken spiegelt sich auch bei den werten für die Dauerhaftigkeit wider, wo schon mehr als ein Drittel der Bauwerke im orangefarbenen Bereich liegen. Dringender Handlungsbedarf besteht aber fast nirgendwo, schon gar nicht bei den vielbefahrenen Brücken für Autos.

Welche Brücken werden demnächst erneuert?
Bereits im August soll die Fuß- und Radwegbrücke erneuert werden, die am Rosenweg gegenüber von Lidl und Niederer über den Auerbach führt. Die Holzbohlen sollen gegen Glasfaser-Kunststoff-Bohlen ausgetauscht werden. Holz über einem Gewässer sei „immer ein bisschen schwierig“, sagt Marschall. Holz sehe zwar klasse aus, sei aber in der Unterhaltung ein undankbarer Werkstoff. 15.000 Euro kostet die Erneuerung, die zwei Wochen dauern soll.

Entfernt werden soll eine kleine Brücke über den Atzenbach in Rimschweiler, die parallel zum Radweg verläuft, von Landwirten genutzt wird und mittlerweile bereits gesperrt ist. 6000 Euro wird der Rückbau kosten, ersetzt wird die Brücke nicht mehr.

In zwei Jahren soll die Brücke über den Auerbach am Oberauerbacher Dorfgemeinschaftshaus erneuert werden. 650.000 Euro soll das nach derzeitiger Schätzung kosten. Sechs Monate sind für den Abriss samt Neubau veranschlagt. Thorsten Gries (SPD) erinnerte in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag daran, dass in der Ortsmitte von Oberauerbach gerade erst eine Brücke erneuert wurde. Laut Helge Marschall war es nicht möglich, beide Brücken auf einmal zu erneuern und die Straße Richtung Battweiler somit nur einmal zu sperren. Denn sonst wären die Oberauerbacher nicht mehr mit den Autos an den Kindergarten und die übrigen Gebäude gekommen. Frank Schmid (SPD) wunderte sich über die Kosten von 650.000 Euro. Das begründete Helge Marschall mit dem sehr schlechten Untergrund. In der feuchten Talaue müsse man zwölf Pfähle in den Boden bringen und dafür 12 bis 14 Meter tief bohren, bis man auf Sandstein stößt. Marschalls Fazit: „Das kostet.“

Dieses Jahr sollen auch die vier Fußgängerunterführungen in der Steinhauser Straße erneuert werden. Rolf Franzen (CDU) hatte Zweifel, dass die allzu oft genutzt werden, ließ aber den Einwand von Norbert Pohlmann (Grüne) gelten, dass es noch teurer wäre, sie aufzugeben. Dass die Unterführungen nicht allzu beliebt sind, deutete auch Helge Marschall an: „Man hat früher Dinge gebaut, wo sich gezeigt hat, dass die nicht das Nonplusultra sind.“

Müssen die Autofahrer mit Sperrungen rechnen?
Wegen der Erneuerung von Brücken sind in den nächsten beiden Jahren keine Sperrungen geplant. 2025 könnten aber zwei wichtige Brücken saniert werden: die über den Schwarzbach zwischen Bahnhaltepunkt Rosengarten und dem Niederauerbacher Kreisel und die über den Hornbach zwischen Kinokreisel und Hornbachstaden. Nächstes Jahr sollen die ersten Überlegungen beginnen. Zum ins Auge gefassten Baubeginn 2025 sagte Helge Marschall: „Nageln Sie mich darauf nicht fest.“

Was wird die größte Baustelle?
Eine Riesenbaustelle wird auf jeden Fall die Daimlerbrücke über die Lützelstraße. Sie führt vom Bubenhauser Kreisel an der Abzweigung nach Ixheim in die Alte Ixheimer Straße. Hier stehen dieses Jahr Voruntersuchungen an, aber bis die Brücke abgerissen und neu gebaut wird, dauert es noch. UBZ-Vize Steffen Mannschatz rechnet damit, dass sich in den nächsten fünf Jahren schon etwas tut, und er geht von zwei Jahren Bauzeit aus.

Die neue Daimlerbrücke wird auf jeden Fall schmaler als die bisherige. Eine Möglichkeit wäre auch, dass die Brücke abgerissen und gar nicht neu gebaut, sondern durch einen Kreisel ersetzt wird. Das sieht Mannschatz aber skeptisch. Er verweist darauf, dass die Autos vom Bubenhauser Kreisel erst den Buckel hinauf und dann wieder herunter fahren und schließlich wieder hinauf in die Alte Ixheimer Straße fahren müssten. Diese Entscheidung trifft aber nicht der UBZ alleine. Auch der Stadtrat und die Straßenbehörde des Landes reden hier mit.

Ob Kreisel oder neue Brücke: Für den Verkehr wird die Baustelle auf jeden Fall eine Belastung. Denn die Daimlerbrücke ist ein Einfallstor zur Innenstadt aus Richtung Ixheim, Bubenhausen, dem Hornbachtal und von der Autobahn.

Helge Marschall ist beim UBZ für die Brücken der Stadt zuständig.
Helge Marschall ist beim UBZ für die Brücken der Stadt zuständig.
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