Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Seit Montag klingt es an den Schulen wieder ganz anders

Zum Klassentreffen: Schüler der Mannlich-Realschule eilen am Montag ins Schulgebäude. Es ist der erste Tag des vollen Präsenzunt
Zum Klassentreffen: Schüler der Mannlich-Realschule eilen am Montag ins Schulgebäude. Es ist der erste Tag des vollen Präsenzunterrichts nach den Corona-Beschränkungen in Rheinland-Pfalz.

Erst Fahrzeug-Schlagen durch den „Lieferverkehr“ der Eltern vor die Schulen, dann freudige Begrüßung lange Vermisster: Seit Montag, nach einem halben Jahr, sind Schulhäuser wieder gefüllt, Präsenzunterricht für alle. „Das ist ein ganz anderes Gefühl, allein durch den Sound im Haus auf dem Hof. Einfach schön“, sagt Kerstin Kiehm, die Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums.

900 Schüler des Helmholtz-Gymnasiums strömten am Montag wieder zusammen. Alle werden zweimal die Woche mit Schnelltests auf versteckte Viren getestet. Zudem gibt es noch – freiwillig – das Angebot, sich von geschultem Personal einen Test abnehmen zu lassen, dann mit Bescheinigung. „Das nahmen viele an, weil die Tests ja auch, etwa in Vereinen, die Teilnahme am Betrieb ermöglichten“, sagt die Schulleiterin. Ganz wenige, eine einstellige Zahl von Schülern, verweigere den obligatorischen Test. Sie dürfen dann am Schulbetrieb im Haus nicht teilnehmen, bekommen von ihren Lehrern Aufgaben für zu Hause. „Der Distanzunterricht hat bei uns wirklich gut geklappt. Wobei er für die Kollegen eine deutliche Mehrbelastung brachte. Die Kinder jetzt wieder vor sich zu haben, die ganze Klasse, ist etwas ganz anderes. Schön“, sagt Kerstin Kiehm. An Schulveranstaltungen sei in diesem Schuljahr nicht zu denken, weil durch Erlass sogar ausgeschlossen. Fürs nächste Schuljahr, sagt die Schulleiterin, würde sie sich die aber wieder wünschen.

Ein Teil der Hofenfelser findet kleine Lerngruppen besser

Ihr Kollege vom Hofenfels-Gymnasium, Jörg Neurohr, berichtet von einem Gefühl, „ein bisschen wie früher“. 30 Kinder und Jugendliche in einer Klasse, das hatte man auch am Hofenfels lange nicht mehr. Angenehm aus Schülerperspektive? „Wir haben da genau hingehört. Ein Teil der Schüler findet die kleineren Lerngruppen besser. Wünscht man sich ja auch als Lehrer.“ Am Montag habe aber, so sein Eindruck, absolut die Freude über das Wiedersehen überwogen. Für die Lehrer heiße es nun, die fünf Wochen bis zur Sommerpause gut zu nutzen. „Wir müssen uns ein Bild verschaffen, wie der Lernstand ist. Und schon in das nächste Jahr hinein planen. Ganz klar, es muss Anpassungen geben“, sagt Neurohr. Wie weit die Coronazeit die Schüler zurückgeworfen habe, sei in einer Quote gar nicht zu bemessen. „Das ist total individuell.“ Die Lehrerkonferenzen für die Zeugnisvergabe werden nach Neurohrs Einschätzung in diesem Jahr besonders werden. Die Möglichkeit, freiwillig die Klasse zu wiederholen, bestehe als Option. Man werde intensiv mit Schülern und deren Eltern besprechen, wie die Chancen stehen, im nächsten Schuljahr bei Versetzung den Lernrückstand aufzuholen. Nichts Neues, aber nach fast eineinhalb Jahren der Pandemie doch ein neu zu bewertender Umstand.

IGS in gefühlter Normalität: Schule ist wie Fahrradfahren

An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig haben pädagogische Konferenzen neben den Notenkonferenzen eine lange Übung. „Wir differenzieren ja auch während des Schuljahres in Grund- und Erweiterungskurse mit unterschiedlichen Niveaus. Und bewerten permanent, wie sich das Kind fühlt. Eine Drei mit Bauchweh und schlaflosen Nächten ist keine Drei ohne“, sieht IGS-Schulleiter Thomas Höchst die Kollegen diesbezüglich, bei der Besprechung der Schüler, durch Corona gar nicht besonders gefordert.

Ganz Praktisches habe den Montag in Vollpräsenz von den Wochen davor unterschieden. „Es macht einen Unterschied, ob 375 oder 750 Schüler den Schnelltest machen.“ Es habe am Montag alles ein wenig länger gedauert. Nach zwei, drei Stunden habe sich das Tagesgeschäft an der IGS aber eingespielt. Schule, sagt Thomas Höchst, ist wie Fahrradfahren. „Das verlernt man nicht.“

Emotionales Wiedersehen an der BBS

1050 Schüler – die Abiturienten und Schüler im Praktikum schon abgezogen – füllten am Montag die Berufsschule. „Sie waren alle sehr, sehr diszipliniert. Kompliment“, sagt Schulleiter Jürgen Bärmann. Nach dem Fernunterricht, der bei der Berufsschule über MS-Teams lief, sei das Zusammentreffen für die Schüler ein emotionales Erlebnis gewesen. „Wir sehnen uns alle nach Normalität. Ein bisschen davon hat der Montag eingelöst“, beschreibt Bärmann eine ganze besondere Stimmung am Montag im BBS-Gebäude.

Grundschule Sechsmorgen: Vor den Ferien so viel wie möglich Gemeinschaftsgefühl saugen

151 Schüler der Sechsmorgen-Grundschule klingen auch ganz anders als 75. „Wir hatten die Schüler im tageweisen Wechsel in der Schule. So kam nicht so ein Feriengefühl bei den Kleinen auf, als wenn wir Woche für Woche die Klassenhälften getauscht hätten. Aber dass sich alle wieder sehen, ist doch ganz was anderes“, sagt Andrea Djalali, die stellvertretende Schulleiterin. Fünf Wochen bis zu den Ferien, da kann noch Gemeinschaftsgefühl wachsen. Alles mit Vorsicht: Jede Klasse hält sich auf dem Pausenhof auf zugewiesener Fläche auf. Kontakte sollen nachvollziehbar bleiben. In den Spielpausen dürfen die Sechsmorgen-Kinder ihre Masken ablegen – und kommenden Montag wird die Maskenpflicht dann nach einer Ankündigung des Ministeriums vom Dienstag an allen rheinland-pfälzischen Schulen aufgehoben. Momente der Normalität.

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