Zweibrücken Schwarzer Sonntag leitet Abstiegskampf ein

Auszeit: Während dieser Spielzeit gab es immer wieder viel Redebedarf zwischen Trainer Rüdiger Lydorf (Dritter von rechts, recht
Auszeit: Während dieser Spielzeit gab es immer wieder viel Redebedarf zwischen Trainer Rüdiger Lydorf (Dritter von rechts, rechts Vorstandsmitglied Axel Koch) und seinen Oberliga-Damen. Am Ende brauchte das Team auch ein wenig Schützenhilfe aus Luxemburg zum Klassenerhalt.

«ZWEIBRÜCKEN.»Was für eine Saison! „Das möchte ich nicht mehr erleben“, bekennt freimütig Rüdiger Lydorf, Trainer der Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken. Mit Ambitionen gestartet, am Ende der Runde einen Platz unter den ersten Fünf zu belegen, hieß es für die Zweibrückerinnen unerwartet: Abstiegskampf. Erst am 19. April, als das luxemburgische Team aus Bascharage seinen Rückzug aus den deutschen Handballligen verkündete, stand fest, dass die SV-Damen nicht absteigen.

Das war eine große Beruhigung vor den abschließenden Partien beim Meister Ottersheim/Bellheim/Zeiskam und beim Vizemeister TV Bassenheim. Da spiegelte sich aber ein Grund wider, warum die Zweibrückerinnen so lange um den Ligaverbleib zittern mussten. Sie spielten gegen beide Top-Teams gut, „aber wir haben uns nicht belohnt“, resümiert Lydorf. So gab es zwar Lob vom Gegner, „aber gefehlt haben die Punkte“, stellt der SV-Trainer fest. „Dabei gab es mit Wittlich eigentlich nur eine Mannschaft, gegen die wir in beiden Spielen nicht den Hauch einer Chance hatten“, bilanziert Lydorf. Versagt hat sein Team allerdings gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Die bitterste Niederlage war das 21:22 in Mundenheim zum Rückrundenstart. Mit 14:6 führte das SV-Team zur Halbzeit, lag Mitte der zweiten Hälfte noch 17:11 vorne und verlor in der Schlusssekunde. „Eine Niederlage, die ich irgendwie immer noch nicht ganz verdaut habe“, gesteht der Trainer. Sie verunsicherte die Zweibrückerinnen erneut und zog sie wieder in den Abstiegsstrudel, aus dem sie sich mit guten Leistungen vor der Weihnachtspause etwas befreit hatten. Die zweite Niederlage, die verhinderte, dass der SV den Abstiegskampf frühzeitig ad acta legen konnte, war das 28:30 beim Tabellennachbarn Osthofen. Selbst verschuldet, weil bei einem Großteil der Mannschaft die Einstellung in dem wichtigen Spiel nicht stimmte. Überhaupt tat sich die Truppe, die aber zusammenhielt, vom Kopf her schwer, das Thema Abstiegskampf anzunehmen. Mitentscheidend dass es überhaupt dazu kam, war der dritte Spieltag, der schwarze Sonntag mit dem prestigeträchtigen Duell gegen Marpingen/Alsweiler. Bereits nach wenigen Spielminuten der Schock: Bei Lucy Krein, SV-Spielmacherin, Torjägerin, gesetzt in der 3:2:1-Abwehr, riss das Kreuzband. Der Schock saß tief, war mehrere Spiele lang spürbar. Die SV-Damen, die ohnehin die Abgänge der erfahrenen Marion Weick und Nadine Zellmer (beide zweite Mannschaft) kompensieren mussten, fanden keine passende Formation. Zumal mit Anne Wild auch die zweite Spielmacherin verletzungsbedingt vermisst wurde. Vieles konzentrierte sich nun auf Katharina Koch. Sie war gefordert als Spielmacherin (nicht ihre liebste Rolle), Torschützin und Abwehrchefin. „Hat sie richtig gut gemacht“, weiß Lydorf, dass es ohne Routinier Koch ganz düster ausgesehen hätte. Das Gesamtgefüge passte aber nicht. Die Diskussion um die Abwehrformation begann. Um der Mannschaft Sicherheit zu geben, folgte der Wechsel vom 3:2:1-System zurück zur 5:1-Deckung. Vorstandsmitglied und Ex-Trainer Axel Koch rückte mit auf die Bank. „Ich bin immer noch der Meinung, dass es nicht am Deckungssystem lag“, sagt Lydorf und erklärt: „Viele Punkte haben wir in Spielen verloren, in denen wir in den letzten zehn Minuten versucht haben, die Entscheidung zu unseren Gunsten zu erzwingen. Wir haben zu schnell abschlossen, nicht getroffen und wurden ausgekontert“. Das habe mit der Abwehrformation nichts zu tun. Da schmerzte eher in beiden Deckungssystemen die eklatante Abwehrschwäche (inklusive Torhüterinnen) auf den Außenpositionen. Dazu kam in vielen Spielen eine Konterschwäche. Was die SV-Mannschaft kann, bewies sie beim Sieg bei Mainz/Budenheim II und beim Unentschieden gegen Bassenheim. Mit Carla Wiegand avancierte eine Jugendliche im Saisonverlauf zu einer wichtigen Spielerin. Mit etwas Abstand lasse sich aus so einer Saison viel lernen, sagt Lydorf. Er geht auch mit seiner Art zu Coachen kritisch ins Gericht. Lauter werden an der Seitenlinie, ist eine Erkenntnis, die er aus der Runde mitnimmt. Saison in Zahlen Platz zwölf – acht Siege, ein Unentschieden, 17 Niederlagen, 17:35 Punkte, 681:721 Tore - höchste Siege: 35:27 gegen VTV Mundenheim, 31:23 gegen TG Osthofen – höchste Niederlagen: 27:37 in Wittlich, 26:36 bei Mainz/Bretzenheim II - beste Torschützin: Katharina Koch, 149 Treffer.

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