Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schöne Kindheit im kriegszerstörten Zweibrücken

Herzensangelegenheit Bücher; Gisela Cölle.
Herzensangelegenheit Bücher; Gisela Cölle.

Gisela Cölle ist eigentlich Ärztin. Doch seit ihrer Kindheit und Jugend in Zweibrücken schlägt ihr Herz für die Kunst. Als Illustratorin und Autorin ist sie seit fast 50 Jahren neben ihrem Hauptberuf erfolgreich. Ihr neuestes Buch „Anton Wassermanns Geburtstag“ schaffte es auf die Empfehlungsliste der „Silbernen Feder“.

„Meine Fantasie hat ihren Ursprung wohl in meiner Kindheit in Zweibrücken“, sagt Gisela Cölle nachdenklich im Gespräch, ganz so als sei sie sich dessen gerade eben erst so richtig bewusst geworden. Denn ihre Fantasie, ihre Kreativität, ihr Bedürfnis zu malen haben sie ihr Leben lang begleitet, waren selbstverständlich geworden. Gisela Cölle hat Zweibrücken nach dem Abitur verlassen, um in Mainz Medizin zu studieren. Dort lebt die heute 72-Jährige seither mit ihrer Familie und hat bis vor kurzem gemeinsam mit ihrem Mann eine Hausarztpraxis betrieben.

Doch das ist nur ein Teil ihres Lebens: Schon direkt nach dem Medizinstudium, das erste ihrer drei Kinder war gerade auf der Welt, hat sie sich einen Jugendtraum verwirklicht und ihr erstes Kinderbuch geschrieben und illustriert: An der Fachhochschule für Kunst und Gestaltung in Hamburg hat sie zu dieser Zeit regelmäßig sie ihre Sommerurlaube verbracht, um sich in Kursen Fachkenntnisse zu Buchgestaltung und Comics anzueignen. „Ich habe immer schon gemalt. Kunst war in der Schule mein Lieblingsfach.“

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Gisela Cölles Umwelt-Kinderbuch: „Anton Wassermanns Geburtstag“

Warum sie dann Medizinerin geworden ist? Weil ihre Eltern ein Kunststudium nicht unterstützt hätten: Ihr Vater war Zahnarzt in Zweibrücken, der Opa handelte mit Puppen und Kinderwagen, erzählt sie und in ihrer Stimme schwingt eine tiefe Zufriedenheit darüber mit, wie alles gelaufen ist: „Ich hatte eine wirklich schöne Kindheit. Meine Kindheit, das war vor allem das Haus meines Opas, wo wir alle, Cousinen und Cousins, ständig waren. Wir spielten im Garten, wir zogen durch die Stadt, durch den Park. Sie müssen sich vorstellen: Alles hinter dem Schloss bis zum Rosengarten war Park, aber eben durch den Krieg nicht mehr so, – so geordnet.“

In Gisela Cölles Blick blitzen Erinnerungen auf, an all die kindlichen Abenteuer im kriegszerstörten Zweibrücken: „Wir haben uns Geschichten ausgedacht und sie gespielt.“ Und das Geschichtenausdenken sie sich bewahrt. Seit den 1970er Jahren hat sie immer wieder Bilderbücher geschaffen, darunter sogar den 1997 im Nordsüd-Verlag erschienen Weihnachtsbuchklassiker „Der Sternenbaum“, der in einer Neuauflage bis heute erhältlich ist und mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Sie hat etwas zu sagen, möchte nicht einfach nur unterhalten: Mit ihrem neuesten Projekt „Anton Wassermanns Geburtstag“ hat sie ein Umweltbuch geschrieben, das es auf die Empfehlungsliste des Kinder- und Jugendbuchpreises „Silberne Feder“ des Deutschen Ärztinnenbundes geschafft hat. Sie möchte Kindern ganz niedrigschwellig vermitteln, dass sie selbst durch ihr Verhalten dazu beitragen können, dass die Umwelt ein bisschen weniger unter uns Menschen leidet. Wie sie schreiben muss, damit es auch bei der Zielgruppe ankommt, weiß sie aus eigenem Erleben: Früher waren ihre drei Kinder Probepublikum, heute sind es ihre acht Enkelkinder. Und dieser Tage erwartet die Familie das neunte Enkelkind. Wenn ihre Manuskripte diese Hürde genommen haben, geht es raus: Gisela Cölle liebt es, Kindern in Kindertagesstätten und Schulen aus ihren Büchern zu lesen – was sie zur Zeit sehr vermisst.

Wie sie das alles geschafft hat – eine Praxis aufbauen und führen, drei Kinder erziehen und dann auch noch Bücher schreiben? Das Geheimnis liegt in ihrer Haltung dazu: „Das Malen, das Geschichten schreiben, das war immer Ausgleich für mich. Viele gehen joggen, mein Mann zum Beispiel. Das kann ich nicht. Ich male.“ Und seit sie ihre Praxis in die Hände einer ihrer Töchter übergeben hat, unterstützt sie die Familien ihrer Kinder auch ganz praktisch, die durch den Lockdown und Homeschooling zur Zeit mehr um die Ohren haben als sonst: Sie kocht für sie und liefert das Essen sogar an die Haustür: „Sie haben mir ein T-Shirt mit ,Omarando’-Aufdruck geschenkt!“

Ob sie noch oft nach Zweibrücken kommt? „Nachdem meine Eltern gestorben waren, bin ich nicht mehr oft nach Zweibrücken gekommen. Aber jetzt, wo ich älter werde, bekomme ich manchmal Heimweh nach Zweibrücken. Ich glaube, das gehört zum Alter dazu. Aber außer einer Tante lebt dort niemand mehr, zu dem ich Kontakt habe.“

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