Boxen
Profi-Boxer und Weltmeister Senad Gashi gibt Zweibrücker Gym auf
Der aus Zweibrücken stammende Boxprofi Senad Gashi hat sein Box-Gym in Zweibrücken geschlossen. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, denn das Gym in der Fruchtmarktstraße war sein Herzensprojekt. „Wir haben hier Kinder von der Straße geholt und sie umsonst trainieren lassen. Zwischen 25 und 30 Kinder sind im Schnitt regelmäßig zu den Trainingsstunden erschienen. Die Stadt – allen voran der damalige Sportamtsleiter Thomas Deller – hat mich zwar bei vielen bürokratischen Hürden der Vereinsgründung unterstützt. Letztlich flossen aber die finanziellen Hilfen leider nicht in der erhofften Höhe, was meine anfänglichen Erwartungen in weite Ferne rücken ließ“, sagt Gashi.
Auch Zusagen lokaler Sponsoren seien ausgeblieben, begründet der 35-Jährige seine Entscheidung. Umso ärgerlicher sei es, weil er selbst sehr viel Eigengeld und vor allem Zeit in sein Box-Gym gesteckt habe. Ärger hätte es von anderer Behördenseite gegeben, weil er die Kinder nicht umsonst trainieren lassen dürfe, sondern Mitgliedsbeiträge verlangen müsse. Ansonsten könne er keine Zuschüsse beantragen. Der Plan, in dem leerstehenden Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite einen Jugendtreff für Sechs- bis 18-Jährige einzurichten, war somit auch vom Tisch.
Gleich mehrere Problem führen zur Schließung
Gashi, amtierender WBF-Weltmeister im Bridgergewicht (91 bis 102 Kilogramm), absolviert seine Vorbereitung zu Profi-Boxkämpfen sehr oft in thailändischen Trainingslagern. Sein Trainingsschwerpunkt in Deutschland hingegen befindet sich seit kurzem in der Karlsruher Kampfsportschule „Mach 1“ unter Leitung von Dominik Junge, was eine erfolgreiche Weiterführung des Zweibrücker Gyms nahezu unmöglich gemacht hätte.
Ein weiterer unangenehmer Aspekt, der zur Schließung beitrug, seien Vorfälle dort in den nicht einsehbaren Räumlichkeiten gewesen. Diese seien wiederholt von einem Trainer genutzt worden, um private Schäferstündchen abzuhalten – ein Verhalten, das das Vertrauen in die Einrichtung erheblich erschütterte, so Gashi. Hin und wieder seien auch Einrichtungsgegenstände verschwunden. Immer mehr sei aus dem Ruder gelaufen, und in Kombination mit den anderen Problemen sei das der endgültige Grund für das Ende des Box-Gyms in Zweibrücken gewesen. Nicht zu vergessen die monatlichen Fixkosten für Miete, Strom oder Wasser. Sein Vermieter hätte die Kündigung des Mietverhältnisses ein wenig bedauert, sei jedoch sehr zuvorkommend, was die anstehenden Renovierungsarbeiten betrifft.
Suche nach Nachfolger-Betreiber klappt nicht
Um das voll ausgestattete Box-Gym unter anderer Regie weiterzuführen, bestand bei Senad Gashi ursprünglich die Absicht, einen nachfolgenden Betreiber zu finden. Bei Ebay-Kleinanzeigen schaltete er daher eine Anzeige. Niemand hätte sich anfangs gemeldet. Erst nachdem alles abgebaut war, hätte es ernstzunehmende Anfragen gegeben. Das Inventar sei aber inzwischen zusammengepackt und auf Halde gelagert. „Irgendwann wird es ja vielleicht mal wieder gebraucht“, sagt Gashi.
Was seinen nächsten Kampf gegen Tom Schwarz am 3. Mai im Braunschweiger Millenium Event Center betrifft, da würden die Vorbereitungen auf höchstem Niveau laufen. Das Training in der Karlsruher „Mach 1“- Kampfsportschule unter der Regie von Trainer Dominik Junge sei sehr zielgerichtet und mit das krasseste, was er als Profi erlebt hätte. Eine vergleichbare Trainingsstätte hätte er in Deutschland noch nicht gesehen. „Es gibt dort alles an modernster Technik und Spielereien, was man sich als Profi nur wünschen kann.“
Im „Mach 1“: Training mit Hightech-Geräten
Junge stammt aus der IT-Branche und hätte sein wissenschaftliches Know-how mit dem Boxen kombiniert und so an der Entwicklung einmaliger Hightech-Geräte mitgewirkt, an denen man beispielsweise Sparring simulieren oder feste Boxkombinationen ablaufen lassen könne, die Angriff oder Verteidigung in verschiedenen Geschwindigkeiten und Reaktionszeiten trainierten. Mit Dominik Junge hat Gashi einen Boxtrainer, der unter anderem zweimal in Folge zu einem der besten Coaches Deutschlands gewählt wurde und als WBC-Frauentrainer des Jahres vielen Boxerinnen zu internationalen Titeln verholfen hätte.