American Football RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens Praetorians gewinnen erstmals Lokalderby und steigen ab

Vorbildlich getackelt: Bryce Boyda (rechts) unterbindet diesen Angriff.
Vorbildlich getackelt: Bryce Boyda (rechts) unterbindet diesen Angriff.

Die Praetorians schlagen zum ersten Mal den Lokalrivalen Kaiserslautern Pikes. Doch sie gewinnen nicht hoch genug, um noch eine kleine Chance auf den Klassenverbleib zu haben.

Die Pirmasens Praetorians gewinnen ihr letztes Saisonspiel, müssen aber trotzdem den Gang in die Oberliga antreten. Beim 35:34 auf dem MTV-Sportplatz auf der Husterhöhe landen die FKP-Footballer gegen die Kaiserslautern Pikes sportlich ihren ersten Regionalligasieg. Der andere Erfolg gegen Mainz war am grünen Tisch zustandegekommen. Die Pikes sichern sich mit der knappen Niederlage den Klassenverbleib und können nun beruhigt in die restlichen beiden Saisonspiele gegen Rüsselsheim gehen. Allerdings verlor Kaiserslautern zum ersten Mal überhaupt gegen die Kontrahenten aus der Nachbarschaft.

Für Pirmasens ging es in diesem Lokalduell darum, die Chancen auf den Klassenverbleib zu erhalten. Dazu hätten die Prätorianer allerdings den direkten Vergleich gegen Kaiserslautern gewinnen müssen. Nach der Hinspielniederlage in Kaiserslautern mit 36 Punkten Unterschied brauchte Pirmasens also einen Erfolg mit 37 Punkten. Selbst wenn das geglückt wäre, hätten die Pikes mit einem Sieg in einem der letzten beiden Saisonspiele noch aus eigener Kraft den Abstieg vermeiden können. Für die Praetorians dagegen war die Partie das letzte Spiel einer total verkorksten Saison.

Riesenchancen liegen gelassen

Auch wenn Kaiserslautern die Partie in der Schlusssekunde beinahe noch gewonnen hätte, so war doch zwischenzeitlich auch ein Pirmasenser Sieg mit den benötigten 37 Punkten Unterschied durchaus möglich. Schließlich führten die FKP-Footballer im dritten Viertel mit 35:14 und hatten zwei Riesenchancen auf weitere Touchdowns durch krasse Fangfehler in der gegnerischen Endzone von Rodney Coates und Colby Anderson liegen gelassen.

Ermöglicht wurde das unter anderem durch zwei bizarre Entscheidungen des Kaiserslauterer Trainerstabs, der auf den aus persönlichen Gründen abwesenden Cheftrainer Michael Edwards verzichten musste. Zweimal spielten die Pikes tief in der eigenen Hälfte vierte Versuche mit deutlich über zehn Yards zu gehen aus und scheiterten beide Male, so dass Pirmasens den Ball tief in der gegnerischen Hälfte übernahm. Edwards’ Stellvertreter Kenyatta Colbert erklärte die Entscheidungen so: „Wir denken immer, dass wir in diesen Situationen ein First Down erzielen können. Wir glauben an unsere Offense und stehen zu 100 Prozent hinter ihr.“ Der unbedingte Glaube an das eigene Team ist sicher eine Tugend. In diesem wichtigen Spiel wäre das Ganze allerdings beinahe nach hinten losgegangen.

Im dritten Viertel den Schwung verloren

Bei Temperaturen um die 30 Grad war Pirmasens in der ersten Halbzeit das dominante Team und konnte den vom Ex-Praetorians-Spielmacher Justin Jordan angeführten Angriff der Lauterer regelmäßig stoppen. Erst in einem gefühlt endlosen dritten Spielviertel, in dem der Spielfluss durch viele Verletzungen und Strafen unterbrochen wurde, ging der Pirmasenser Schwung verloren. Colbert hatte auch seinen Anteil an der Unterbrechung des Spielflusses, weil es ihm gelang, die Schiedsrichtercrew mehrfach in lange Diskussionen über ihre Entscheidungen zu verwickeln.

Nachdem Justin Jordan spät im letzten Viertel auf 21:35 aus Kaiserslauterer Sicht verkürzt hatte und der nächste Pirmasenser Angriff im vierten Versuch endete, war klar, dass die Aufholjagd der Praetorians nicht von Erfolg gekrönt werden würde. Statt das Spiel nun so schnell wie möglich zu Ende zu bringen, um weitere Verletzungen zu vermeiden, von denen es vor allem auf Kaiserslauterer Seite sehr viele gegeben hatte, entschieden sich die Pikes nun, die erste Niederlage gegen die lokalen Konkurrenten unbedingt vermeiden zu wollen.

Verstöße gegen den Football-Knigge

So entstanden bizarre letzte zwei Minuten, in denen Kaiserslautern das Spiel fast noch gedreht hätte, während Pirmasens die Partie gerne so schnell wie möglich beenden wollte.

Dabei kam es auch zu Tabubrüchen durch die Pikes-Defense, die den Praetorians-Angriff, der schon dabei war abzuknien, um die Partie zu beenden, trotzdem noch attackierte. Der Football-Knigge verbietet so etwas. Lamar Hall, der Pirmasenser Quarterback, der bis dahin ein sehr gutes Spiel gemacht hatte, entschied sich Sekunden vor Schluss, mit einem eigenen Lauf die Restzeit von der Uhr zu nehmen, verlor aber den Ball und Kaiserslautern übernahm mit drei Sekunden. Durch einen Touchdownpass von Jordan auf Paris Ferguson kamen die Pikes auf 34:35 heran, die anschließende Conversion zum Sieg misslang aber.

Wilhelm: Wir sind zu Recht abgestiegen

Damit hält Kaiserslautern sicher die Klasse, für Pirmasens geht es nächste Saison in der Oberliga weiter. Heiko Wilhelm, der Interimscheftrainer der Praetorians, sagte nach dem Spiel: „Es fühlt sich scheiße an. In dieser Saison sind Dinge passiert, mit denen niemand rechnen konnte. Im Endeffekt sind wir zu Recht abgestiegen.“ Er selbst zieht die Konsequenzen aus der schwierigen Saison: „Ich habe vorhin in der Mannschaftsbesprechung gesagt, dass ich aufhöre. Ich brauche jetzt erst einmal eine Auszeit. Die Verantwortlichen hier müssen sich aber bemühen, mehr Struktur reinzubringen.“

Eine Analyse, die auch der erfahrene Quarterback und Angriffskoordinator Lamar Hall teilt: „Uns hat dieses Jahr die Struktur gefehlt, besonders auf der Management-Ebene. Ich habe selbst viele Aufgaben übernehmen müssen, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie in meinen Bereich fallen. Wir müssen uns einen Plan überlegen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“ Die Verpflichtung eines neuen Cheftrainers, der den über weite Strecken der Saison abwesenden Head Coach Jens Mollnau ersetzt, steht dabei an erster Stelle. Während die Saison für Pirmasens beendet ist, treffen die Pikes am Samstag, 16. August, 15.30 Uhr am Schulzentrum Süd auf die Rüsselsheim Crusaders.

Die Touchdowns für Pirmasens erzielten Bryce Boyda (3), Lamar Hall und Justin Michaels. Für Kaiserslautern scorten Justin Jordan (2), Paris Ferguson (2) und Ruben Friedrichsen.

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