Handball
Oberliga: SV Zweibrücken geht mit reaktivierter Mama ins Heimspiel gegen HSG Hunsrück
Nach den beiden Auftaktniederlagen, die zeigten, dass dem sehr jungen Zweibrücker Oberliga-Team Erfahrung fehlt, „wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, bis zum Rundenende mitzuspielen“, erzählt Hoffmann, wie es zum Comeback kam. Mit 41 Jahren ist das nicht selbstverständlich. Aber wen das Handball-Virus erwischt, den lässt es in der Regel nicht mehr los. Glück für die SV-Verantwortlichen, dass im Hause Hoffmann nur Handballer leben. Papa Thorsten, früher Oberligaspieler, spielt in der dritten Mannschaft. Und mit July und Lia wächst die nächste Hoffmann’sche Handballgeneration beim SV heran.
Fit genug war Katrin Hoffmann sowieso. „Wir sind eine Familie mit viel Bewegungsdrang“, verrät sie. Daheim in Walshausen halten unter anderem die Islandpferde Maeva und Elli die Hoffmanns auf Trab. Surfbrett oder Stand-up-paddle-Board sind im Urlaub dabei. Und der Handball ist ohnehin immer präsent.
Über Rodalben zum SV 64
Die 1,58 Meter große SV-Spielmacherin, die in Leipheim bei Günzburg geboren wurde, begann dort mit dem Handball. Als sie in der sechsten Klasse war, zog die Familie nach Rodalben. Sie spielte in der TSR-Jugend und wechselte dann nach Zweibrücken.
Mit Handball auf Oberliganiveau hatte Hoffmann 2006 eigentlich abgeschlossen. „Beruflich bedingt“, sagt sie. Bis dahin hatte sie mit den Zweibrückerinnen zwei Mal den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Mitspielerin und Trainerin beim ersten Aufstieg war Dunja Bullacher, die das aktuelle Oberligateam von Jugend an trainiert hat und jetzt SV-Trainer Rüdiger Lydorf auf der Bank unterstützt. „So schließt sich der Kreis“, bestätigt Katrin Hoffmann lachend.
Karriere und Kinder
Beteiligt war Hoffmann auch am Aufstieg 2007. Als Standby-Spielerin, denn nach ihrem Wirtschaftsinformatikstudium begann sie als Beraterin bei einem Software-Konzern zu arbeiten. 50 bis 60 Stunden Arbeit pro Wochen waren normal und die verteilten sich nicht sehr geregelt. „Das war mit regelmäßigem Handball nicht zu vereinbaren“, sagt Hoffmann. Aber sie trainierte, wenn es die Zeit erlaubte und half aus.
Auch nachdem July und Lia geboren waren, wurden die Handballschuhe wieder angezogen. „Beim Handball kann ich mich richtig auspowern, das tut mir einfach gut“, sagt sie. Als sie wieder etwas regelmäßiger spielen konnte, lief sie für die zweite Mannschaft des SV auf, wurde mit den Mamas beim SV – mit vielen Teamkolleginnen hatte sie in der Oberliga gespielt – 2020 Saarlandliga-Meisterin.
(Fast) immer auf der Mitte
„Ich freue mich, dass man mir zutraut, dass ich der jungen Mannschaft helfen kann“, sagt Hoffmann. In Bassenheim, wo das Zweibrücker Team zum ersten Mal gewinnen konnte, hat das schon ganz gut geklappt. An der Abstimmung müsse noch gefeilt werden, sagt Hoffmann. Viele Tore werfen, „das war noch nie meine Stärke“, bekennt sie. Aber ihre Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und zu lenken, wurde schon in der Jugend erkannt. „Ich habe immer auf der Mitte gespielt“, erzählt sie. Ausnahme: „In der Saar-Auswahl habe ich links außen gespielt.“
Dass sie wieder mehr Zeit für Handball hat – „mittrainiert hatte ich schon und hätte ich auf jeden Fall weiterhin“, sagt Hoffmann – hat mit einem Job-Wechsel zu tun. Sie ist Inhouse-Beraterin und fest, meist im Homeoffice, bei einem Elektrogroßhändler in Dortmund.
Eine große Aufgabe
Am Sonntag kommt der Drittligaabsteiger aus dem Hunsrück nach Zweibrücken. „Die stehen nicht umsonst auf Platz zwei“, ist sich Hoffmann mit Lydorf einig, dass das eine sehr große Aufgabe ist. Diese gehen die jungen Wilden und die reaktivierte Mama mit Selbstbewusstsein an.