Saarland
Naturbühne Gräfinthal : Schmunzeln in der „Pension Schöller“
Das beliebte Lustspiel „Pension Schöller“ von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs von 1890 erheitert durch seine Situationskomik immer noch Jung und Alt und brachte auch das Publikum in dem fast bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerraum am Samstag immer wieder zum Schmunzeln und Lachen.
Philipp Klapproth (Thomas Kohl) hat einen Spleen: Da er jetzt zu Wohlstand gekommen ist und ein Gut besitzt, möchte er es für einen wohltätigen Zweck nutzen. Er bittet seinen Neffen Alfred (Felix Lauer), ihn im Gegenzug dafür, dass er seine Selbstständigkeit unterstützen will, in ein Berliner Haus einzuführen. Damit meint er ein Irrenhaus, kein Bordell, wie sein Neffe vermutet. Auf Anraten des gewitzten Kellners Josef (Martin Birster) bringt er ihn in die Familienpension Schöller. Deren Gäste sind etwas exzentrisch, so dass Onkel Klapproth bei seinen „Milieustudien“ durchaus auf seine Kosten kommt.
Der Major sucht Streit
Zunächst fällt der ständig polternde Major a.D. von Mühlen (Uwe Heinen) unangenehm auf, der den Oberkellner Josef (Martin Birster), einen ehemaligen Soldaten, ständig schikaniert und abkanzelt. Auch in der Pension Schöller wittert er ständig Intrigen gegen ihn und sucht Streit, den er durch Duelle beilegen will.
Schriftstellerin Josephine Zillertal (Christa Heinen) sieht in Klapproth einen Helden für ihren nächsten Herz-Schmerz-Roman. Als sie ihn ausfragen will, tischt er ihr eine irrwitzig abenteuerliche Lebensgeschichte auf, die sie sofort mit größtem Interesse notiert ohne zu merken, dass er sie an der Nase herumführt.
Die Sängerin ist erfolglos
Eine andere Mieterin der Pension ist die erfolglose Sängerin Agatha Scheiberl (Irmtrud Stiller), deren Vortrag „Ich bin eine Dirne“ Klapproth ständig mit unpassendsten Bemerkungen stört.
Der charmante Weltenbummler Bernhardi (Peter Bachmann), wohl eine Persiflage des zur Entstehungszeit der Komödie sehr populären Abenteuerschriftstellers Karl May, möchte mit Klapproth auf Tour gehen, nach Tibet oder in den Wilden Westen. Und Eugen, der Bruder des Pensionsinhabers, ist zur Zeit zwar noch Verkäufer, arbeitet aber seit 30 Jahren daran, einen Sprachfehler – er spricht jedes „l“ wie ein „n“ aus – loszuwerden, um Schauspieler werden zu können. Da Klapproth sich als Bekannter des berühmten Schauspielers Alfred Bassermann ausgibt, soll er sich bei ihm für Eugen Schöller verwenden. Schöllers Frau Amalie (Kristina Plitt) möchte ihrwe Tochter Frieda (Fabienne Jenewein) gut verheiraten und hat ein Auge auf den gut situierten Klapproth als potenziellen Schwiegersohn geworfen. Frieda hat sich aber schon mit Alfred verlobt. Schöller (Christian Mischo) muss derweil seine Pension führen und alle diese Leute händeln.
Doch keine Irrenanstalt
Als Klapproth seine Studien mit den Verrückten zu viel werden, reist er ab auf sein Gut. Aber sie folgen ihm dorthin. Da wissen auch seine Schwester Ulrike (Alexandra Biehl) und ihre Töchter Ida (Lara Fillgraff) und Franziska (Luzie Flieger) kaum noch Rat. Schließlich klärt Alfred die Wirrungen auf und erklärt seinem Onkel, dass Pension Schöller keine Irrenanstalt ist.
Die Aufführung auf der Naturbühne Gräfinthal konzentriert sich auf Situationskomik und eine stimmige Schauspielerführung, ganz in der Tradition des Volkstheaters.
Alles dreht sich hier um Philipp Klapproth. Urkomisch spielt Thomas Kohl den verklemmt-überspannten Möchtegern-Wohltäter, der kneift, als es Ernst wird, und nur allzu froh ist, dass sich alles als eine Verwechslung herausstellt. Gefunden hat sich allerdings das Paar Alfred und Frieda. Eugen hat seinen Sprachfehler verloren und freut sich darauf, endlich als Schauspieler durchstarten zu können. Quer durch die Bank meistern die Laiendarsteller ihre Rollen mit unübersehbarer Spielfreude, die in komödiantisch-humorvoller Weise unseren Begriff von Normalität hinterfragt und uns Zuschauern so ohne moralinsauren Zeigefinger oder wissenschaftlichen Diskurs vor Augen führt, dass wir alle ein bisschen verrückt sind und alles letzten Endes oft eine Sache des eigenen Standpunkts ist.
Info
- Nächste Vorstellungen: 22. und 30. Juli, 12., 13., 26. und 27. August, jeweils um 20.30 Uhr. Karten: zehn Euro (alle ab 15 Jahre und Erwachsene), fünf Euro (alle bis 14 Jahre).
- Die Naturbühne Gräfinthal im Saarpfalz-Kreis gehört zum Ortsteil Bliesmengen-Bolchen der Gemeinde Mandelbachtal, etwa 30 Kilometer westlich von Zweibrücken. Es gibt einen großen Parkplatz.
- Warme Kleidung, Decken, Sitzkissen und eventuell Regencape mitbringen (keine Schirme). Karten und Infos: naturbuehne-graefinthal.de.