Zweibrücken
Nach Jonis und DM: Nächstes Geschäft in Fußgängerzone schließt
„Ja, wir schließen aus wirtschaftlichen Gründen. Im Sommer läuft unser Mietvertrag aus, und im Vorfeld macht man sich da Gedanken, ob es Sinn macht, sich für weitere fünf Jahre zu binden“, sagt Joachim Escher, Geschäftsführer des Reformhauses Escher, das an 33 Standorten in Südwestdeutschland mit Filialen vertreten ist. Die Umsatzentwicklung in Zweibrücken sei so, dass man hier keine Zukunft sehe. Escher bekräftigt, das dies jedoch keineswegs die Schuld des Vermieters sei, eines Mannes aus Pirmasens. Die Firma Escher insgesamt sei auch nicht in Schieflage. „Wir haben im vergangenen Jahr schon eine positive Umsatzentwicklung, und das Konzept Reformhaus passt ja auch in die Zeit, wenn man beispielsweise die Themen Longevity und gesunde Ernährung betrachtet. Insgesamt ist mir da nicht angst und bange, zumal gerade mein Sohn vor drei Jahren Verantwortung im Unternehmen übernommen hat. Das macht man ja nicht, wenn es schlecht läuft“, erklärt der Firmeninhaber.
Die Gründe für die Schließung der Zweibrücker Filiale lägen am Mikrostandort Zweibrücken. „Die Fußgängerzone ist leer, die Frequenz fehlt, und die Grüne Wiese ist nicht wegzudenken“, erläutert Joachim Escher. Die Umsatzentwicklung in Zweibrücken sei zwar nicht katastrophal schlecht gewesen, aber eben so, dass man in Zweibrücken einfach keine Zukunft sehe. Auch das Angebot des Stadtmarketings, ihn zu unterstützen, hätte die Entwicklung in die falsche Richtung nicht aufgehalten, sagt Escher. „Wir sehen in Zweibrücken leider kein Potenzial, und dann bindet man sich nicht fünf weitere Jahre mit einem neuen Mietvertrag“, beschreibt Escher, warum Ende Juni geschlossen wird.
„Leerstände sind für kein Geschäft gut“
Derzeit arbeiten drei Frauen in der Zweibrücker Filiale des Reformhauses, das ursprünglich 1975 von den Eheleuten Ruth und Johannes Escher in Bad Bergzabern eröffnet wurde und heute seinen Hauptsitz in Pirmasens hat. Sohn Joachim Escher übernahm im Jahr 1988 zwei Filialen in Pirmasens und baute das Geschäft weiter aus. Ebenfalls 1975 gründete Klaus-Peter Stoltz das Reformhaus Stoltz. Nach 41 Jahren suchte Stoltz 2016 einen Nachfolger und fand ihn mit der Firma Escher, die im Januar 2017 neben den Räumen auch die Mitarbeiter übernahm und das Geschäft unter neuem Namen weiterführte. Nach neuneinhalb Jahren Reformhaus Escher wird diese Branche jetzt komplett aus Zweibrücken verschwinden.
„Wir haben gehört, dass der Drogeriemarkt DM zumacht, dann machen wir auch zu“, sagt Joachim Escher am Telefon scherzhaft, als ihn DIE RHEINPFALZ auf die Schließung anspricht. Schließungen von weiteren Geschäften in der Fußgängerzone tragen ihm zufolge natürlich auch zur schlechten Kundenfrequenz bei. So sei der Juwelier Rohrbacher in der Nachbarschaft auch schon etliche Jahre geschlossen, „und Leerstände sind für kein Geschäft gut. Die Fußgängerzone als Einkaufsmeile stirbt aus“, zeigt sich der Herr über 250 Angestellte gut informiert über Lage und Umfeld seiner Zweibrücker Filiale. Seine Firma betreibt Filialen im Saarland, in Rheinland-Pfalz, im Rhein-Neckar-Raum und in der Stuttgarter Gegend. Sie hält aber auch eine Beteiligung an einem Reformhausunternehmen, das sechs weitere Filialen betreibt, bis nach Gotha.
Mitarbeiterinnen kommen in anderen Filialen unter
Wichtig sei ihm, dass man nicht aus der Not heraus schließe, deshalb sei er auch offen, über das Thema zu sprechen. Und ebenfalls wichtig sei, dass seine Angestellten die Schließungspläne nicht durch Gerüchte oder aus der Zeitung erfahren. Deshalb sei er im Vorfeld selbst in der Filiale gewesen und habe den drei Mitarbeiterinnen neue Arbeitsplätze in anderen Filialen angeboten. „Zweibrücken hat ja das Glück, dass es genau in der Mitte zwischen Homburg, St. Ingbert und Pirmasens liegt“, verweist Escher auf dortige Filialen dort, in denen die drei Frauen unterkommen. Die Zweibrücker Filialleiterin, den Kunden als „die Frau Schwab“ bekannt, hat selbst beim Gründer Klaus-Peter Stoltz gelernt, und alle drei Mitarbeiterinnen sind schon länger im Unternehmen Escher.