Zweibrücken
Massenschlägerei beim Stadtfest 2022 vor Gericht
Die mutmaßliche Massenschlägerei an der Calpam-Tankstelle am Stadtfest-Sonntag vor einem Jahr nahm ihren Ursprung in der Von-Rosen-Straße. Das sagten vorm Amtsgericht am Dienstag sowohl die beschuldigten Jugendlichen als auch Zeugen und Geschädigte aus. Ein Freund der Geschädigten, so erzählte es einer der Zeugen, sei nach einer Rangelei in der Von-Rosen-Straße verhaftet worden. Die arabisch-stämmigen Jugendlichen hätten sich eingemischt, gesagt, dass sie dem Jugendlichen die Verhaftung gönnen. Das wollte sich die zweite Gruppe Jugendlicher nicht gefallen lassen. Die Angeklagten sagen, dass von ihnen üble Beleidigungen, unter anderem gegenüber der Mutter eines der Angeklagten, folgten. Und plötzlich setzte es die erste Schelle.
Die Polizei und Sicherheitsmitarbeiter des Stadtfestes griffen ein, trennten die beiden Gruppen voneinander und erteilten Platzverweise, so die Aussagen vor Gericht. „Wir sind dann zum Urfa hoch“, erzählt einer der Angeklagten. Zusammen mit einem zweiten Mann von der Anklagebank habe er sich bei dem Döner-Imbiss etwas zu essen geholt. Der dritte Angeklagte sei nicht mitgegangen.
Beim Döner-Imbiss habe dann das Telefon eines der Angeklagten geklingelt, die Nummer war unterdrückt. Es gab den kurzen Hinweis, dass die andere Gruppe Jugendlicher an der Calpam-Tankstelle sei. Die arabisch-stämmigen Jugendlichen seien daraufhin zur Tankstelle gerannt. „Wenn jemand meine Mutter beleidigt, dann schlage ich den noch mal“, sagt der eine Angeklagte vor Gericht, ohne eine Miene zu verziehen.
Geschädigter: Zahlreiche Tritte und Faustschläge
An der Tankstelle eskalierte die Situation dann. Eigentlich wollte die andere Gruppe Jugendlicher dort noch schnell Nachschub für die Partynacht einkaufen. Plötzlich, so schildern es die Geschädigten, seien die arabisch-stämmigen Jugendlichen angerannt gekommen, und es sei zur Schlägerei gekommen. Bis dahin stimmen die Versionen der Angeklagten und der Geschädigten vor Gericht noch überein.
Ein Detail trennt aber die beiden Versionen voneinander. Die Geschädigten sagen aus, dass sie auch mit leeren Glasflaschen verdroschen worden seien. Ein Geschädigter macht das an seinen Verletzungen fest. Laut Gericht habe er noch am Stadtfest-Sonntag in der Homburger Uni-Klinik notoperiert werden müssen. Bei einer zweiten OP wenige Tage später seien ihm Titanplatten im Gesicht eingesetzt worden. Zudem habe er nicht mehr seine volle Sehkraft. „An der Tankstelle sind zehn bis 15 Mann auf mich los“, erzählt er weiter. Er habe irgendwann in einem Busch gelegen und von allen Seiten Tritte und Faustschläge abbekommen. Auch andere Zeugenaussagen spielen auf zerdepperte Glasflaschen an. „Überall waren zerbrechende Flaschen zu hören“, gibt eine Zeugin an. Ein anderer Geschädigter erlitt eine Gehirnerschütterung, ein weiterer Schürfwunden.
Die arabisch-stämmigen Jugendlichen sagen aus, dass sie zwar Glasflaschen dabei hatten, diese jedoch vor der Schlägerei weggeworfen hätten. Der dritte Angeklagte, der gar nicht erst mit zum Döner-Imbiss gegangen ist, habe die Schlägerei erst nach deren Ende bemerkt. Andere Zeugen berichten, dass sich eine große Traube Menschen an der Tankstelle gesammelt hatte.
Party- und Krawallnacht im Vollrausch
Als etwas später die Polizei eintraf, habe sich die Schlägerei vor Ort in Windeseile aufgelöst. Ein Zeuge gibt an, dass er zum Tatzeitpunkt auf Bewährung war, „ich bin schnell weggerannt“. Geschädigte und Angeklagte geben an, den gesamten Abend über viel Alkohol getrunken zu haben: Bier, Wodka, Jack Daniels und Mischgetränke.
Die Jugendgerichtshilfe führte in ihren Berichten aus, dass bei allen drei Angeklagten das Jugendstrafrecht anzuwenden sei, sollte es zur Verurteilung kommen. Die Angeklagten seien jeweils nach Deutschland geflohen, zwei stammen aus Syrien, der dritte aus dem Irak. Die Flucht und die Herausforderungen, sich vor Ort zu integrieren, hätten starke Brüche im Lebenslauf hinterlassen.
Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.