Zweibrücken „Mama war schon immer schnell“

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ZWEIBRÜCKEN. Gestern Eugene (USA), heute Bochum-Wattenscheid. Sina Mayer ist mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Im übertragenen Sinne. Ende Juli war die Sprinterin vom LAZ Zweibrücken Teilnehmerin bei den Jugend-Weltmeisterschaften in Eugene, wenn sie auch ohne Einsatz in der Sprintstaffel blieb. Bronze gewannen die Kolleginnen. Heute steht der erste Start bei den deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften in Wattenscheid an. Mayer startet über die 100 und morgen über 200 Meter. Nichts weniger als persönliche Bestzeiten hat sie sich vorgenommen.

Sina Mayer

ist nicht so bekannt wie die LAZ-Größen Raphael Holzdeppe, Kristina Gadschiew, Daniel Clemens oder Christin Hussong. Die 19-jährige trainiert seit 2009 am LAZ in Zweibrücken. Viermal die Woche kommt sie dafür aus Schönenberg-Kübelberg, wo sie zu Hause ist. „Das war noch viel umständlicher, als ich noch keinen Führerschein hatte“, erzählt Mayer. Zum Glück waren ihre Eltern ebenso verständnisvoll wie sportbegeistert. „Sie haben sich sehr engagiert, haben mich immer hin- und hergefahren und jedes Mal gewartet, bis das Training vorbei war“, berichtet Mayer. Zwischendurch heimfahren hätte sich nicht wirklich gelohnt. Jetzt könne sie selbst mit dem Auto kommen, was die Sache vereinfache. Das Training ist nicht der einzige Grund für die ständige Reise nach Zweibrücken: „Ich mache jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim LAZ.“ Ihr Fachabitur habe sie an der Paul-Weber-Schule in Homburg abgelegt. Nun sei sie bei der Sportjugend Rheinland-Pfalz angestellt. Beim LAZ übernehme sie das Kindertraining. „Nach den Ferien soll ich auch Sportunterricht an Grundschulen geben“, erzählt Mayer. Das LAZ habe verschiedene Kooperationen mit den örtlichen Grundschulen. Die Arbeit mache ihr viel Spaß. „Mit Kindern komme ich gut zurecht“, sagt sie. Außerdem hofft sie, sich in diesem Jahr auch mehr auf ihren eigenen Sport konzentrieren zu können. Nach dem FSJ werde sie wahrscheinlich eine Ausbildung machen. Heute startet Mayer bei der U20-DM über 100 Meter, am Samstag über 200 Meter. „Ich erwarte Bestzeiten“, erklärt die von Karl-Heinz Werle betreute Athletin selbstbewusst. Die Fitness stimme, Form wie Chancen stünden gut. Bisher stehen 11,86 Sekunden für die 100 Meter, über 200 Meter liegt die Bestzeit knapp über 25 Sekunden. „Über die 100 Meter möchte ich auf jeden Fall in den Endlauf kommen. Bei den 200 Metern wird das schwieriger“, schätzt sie die Lage ein. Gina Lückenkemper (LAZ Soest) nennt sie als gefährliche Konkurrentin. „Sie ist wirklich schnell.“ Die beiden Sprinterinnen waren gerade gemeinsam bei den Jugendweltmeisterschaften in Eugene. Mayer war auf den letzten Drücker aufgrund ihrer Bestzeit bei der DLV-Juniorengala in Mannheim auf den WM-Zug aufgesprungen. Wenn auch nur als Ersatzfrau der deutschen Staffel. In Wattenscheid wird sie, altersbedingt, das letzte Mal an U20-Meisterschaften teilnehmen. Seit 2010 startete Mayer jedes Jahr, nur 2012 musste sie verletzungsbedingt aussetzen. „Da war neben Schule und Training nicht viel Zeit für andere Sachen, aber es hat trotzdem immer geklappt“, erzählt sie. Sprinterin war Sina Mayer nicht immer. Im Heimatverein TV Kübelberg betrieb sie eine andere Sportart: Rope-Skipping, zu deutsch Seilspringen. 2010 nahm sie sogar an den Weltmeisterschaften in England teil. „Aber dieser Sport ist auf Dauer nicht gut für die Gelenke“, erklärt sie. „Außerdem ist Leichtathletik einfach populärer.“ Die Chancen auf eine professionelle Karriere, sagt sie ohne Zögern, seien größer. „Deswegen habe ich mich letztendlich auf die Leichtathletik konzentriert.“ In diesem Jahr ging es für Mayer so richtig schnell voran. 2013 stand noch eine Bestleistung von 12,23 Sekunden über 100 Meter zu Buche. Eigentlich habe sie am Training gemeinsam mit ihrem Übungsleiter Karl-Heinz Werle nicht viel geändert, überlegt Mayer. Klar: Mehr Krafttraining sei dazugekommen. „Sie war verletzungsfrei und hat vernünftig trainiert“, begründet Werle die Steigerung. Aufs Essen achte sie nicht besonders. „Ich esse sowieso alles“, erklärt Mayer und grinst. Also, wo kommen die vielen schnellen Muskelfasern bei ihr her? Ihre Familie sei durchweg sportlich, wenn auch nicht leistungsmäßig besonders in Erscheinung getreten. „Meine Mama war schon immer schnell, schon in der Schule“, vermutet das Sprintass, dass die günstigen Gene vor allem mütterlicherseits angelegt waren. Inzwischen spielen beide Eltern Tischtennis. „Sina läuft technisch sehr schön, arbeiten muss sie an den Zubringerleistungen, wie etwa der Kraft“, gibt Trainer Werle der 19-Jährigen noch mit auf den Weg. Für die U20-DM ist er sehr optimistisch: „Sie wird ihre Bestleistungen toppen, davon bin ich überzeugt.“

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