Wallhalben
Junge Organisten an der renovierten Steinmeyer-Orgel
Beim Orgelkonzert am Sonntag in der protestantischen Wallhalben kommt sofort auch das Publikum ins Spiel. Denn die Schüler der Orgelklasse des Kirchenmusikalischen Seminars in Pirmasens von Maurice Antoine Croissant haben nicht nur Bach und Beethoven im Repertoire, sondern auch Lieder aus dem Kirchengesangsbuch.
Weil das Instrument vor allem in Gottesdiensten erklingt, sollten alle, die sich an der Orgel ausbilden lassen, nicht nur freie Stücke spielen, sondern sich auch auf die Choralbegleitung einlassen können. Das klappt hervorragend, denn die Konzertbesucher nehmen diese Einladung gerne an. Fünf Schüler stellen sich mit ihrem Spiel in der Öffentlichkeit und wechseln sich an der Orgel ab: fünf Teenager und zwei Männer.
Sieben Orgelschüler
Die historische Steinmeyer-Orgel von 1906 – so benannt nach dem Unternehmen des Orgelbauers Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen, wurde von dem Kirkeler Orgelbauer Peter Ohlert 2023 aus der Kirche ausgebaut und für 60.000 Euro wiederhergestellt mit Calcantenglöckchen und Schöpferbalganlage, automatischem Pianopedal, Rollschweller, Stoßfängerbalg sowie Manualladen. Seit Ostern erst wird sie wieder bespielt.
Es sind sieben Schüler, die Maurice Antoine Croissant am kirchenmusikalischen Seminar in Pirmasens leitet – mit Chorleitung, Musikgut bestückt mit Schülern gut bestückt ist, freut ihn. Denn sein Dienstauftrag lautet, Schüler an der Orgel auszubilden und somit die Kirchenmusik in die nächste Generation zu tragen. Früher sei für den Unterricht im Seminar eine Aufnahmeprüfung notwendig gewesen, erklärt er, heute könne im Grunde jeder teilnehmen, der möchte. Aber Klaviererfahrung ist seiner Meinung nach sinnvoll, damit der Einsatz der Füße und Hände beim Musizieren den Spieler nicht völlig überfordert.
Eröffnung mit Werk von Fischer
Bunt gemischt präsentiert sich am Croissants Klasse. Sein jüngster Schüler eröffnet den Abend mit einem Werk von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1656-1746), dem Präludium a-Moll „Korn, dass in die Erde“ aus dem Evangelischen Kirchengesangsbuch. Der Choreinsatz des Publikums funktioniert einwandfrei. Dass Tim Joachim aus Pirmasens aufgeregt ist, spürt man. Und das, obwohl er schon einige Jahre Unterricht nimmt. Trotzdem tastet er sich auch an Beethovens Allegro Assai aus der Sonatine F-Dur heran. An Anfang habe er Stelzen an den Füßen gehabt, um die Pedale zu erreichen, erklärt Kirchenmusikdirektor Croissant . Er ist stolz darauf, dass der junge Mann immer mehr in die Musik hineinwachse.
Beeindruckend ist das Spiel von Thorsten Ruf aus Rieschweiler-Mühlbach, einem der gestandenen Männer. Er spielt Chorale zu „Ein feste Burg“, doch die Begeisterung schlägt noch höhere Wellen, als er Johann Sebastian Bachs „Toccata C-Dur“ präsentiert. Dafür kassiert er mächtigen Applaus.
Der heimliche Star aus Vinningen
Der heimliche Star des Abends ist allerdings Julian Ermshaus aus Vinningen, der den Klassiker schlechthin anbietet: Bachs „Toccata und Fuge d-Moll“. Damit stellt der 16-Jährige souverän sein Können unter Beweis. Noch schöner ist es, wenn man sich ab und zu umdreht, um den jungen Mann auf der Empore beim Orgelspiel zu beobachten. Nur so kann man sehen, wie sehr er in die Musik eintaucht und hingebungsvoll spielt. „Der kann was“, freut sich Croissant nach dem Konzert.
Mit von der Partie ist Hannah Strauch aus Pirmasens mit Karl Zieschangs Lied „O Welt, ich muss dich lass“, das sie gekonnt vortragt. Außerdem spielen Andreas Süßmuth aus Zweibrücken und Anna Lena Meyer aus Lemberg, die als Letzte zum Seminar gestoßen ist. Dafür, dass sie erst ein Jahr Orgelunterricht hat, bietet sie ein souveränes Spiel. Besonders „Walk Along“ von Johannes Matthias Michel (1962) gefällt dem Publikum, ein Lied, mit dem sich die Atmosphäre im Kirchenraum prompt ändert und mit frohen, gelösten Klangfarben erfüllt.
Das bestbesuchte Klassenkonzert
„Es ist das bestbesuchte Klassenkonzert“, freut sich Croissant über die 60 Zuhörer. Immerhin mache er dies Konzerte schon seit 2002, betont er. Die Veranstaltung in Wallhalben stattfinden zu lassen, sei für ihn von Bedeutung wegen der schönen romantischen Orgel. So könnten seine Schüler die im Vorjahr aufwendig restaurierte Steinmeyer-Orgel kennenlernen. Von denen gebe es nicht mehr so viele, weiß der Kirchenmusikdirektor. Anfang des 20. Jahrhunderts seien die meisten abgerissen worden, um sie durch barocke Instrumente zu ersetzen.
2024 sei die Kirche mit großen Aufwand saniert worden, sagt Pfarrer Axel Schmitt, der die Evangelische Kirche Wallhalben geschäftsführend leitet. Gerade wegen der Orgel hoffe er, dass sich der Ort zum kirchenmusikalischen Zentrum der Sickinger Höhe entwickele. Mit dem gestrigen Abend starten eine Reihe von Konzerten dort.