Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Jeder zweite Hausarzt hört auf – was die Stadt dagegen tun will

Von 500 Hausärzten in der Westpfalz sind nur 30 zwischen 30 und 39 Jahre alt.
Von 500 Hausärzten in der Westpfalz sind nur 30 zwischen 30 und 39 Jahre alt.

Der Westpfalz gehen die Ärzte aus. Dabei bräuchten immer mehr Ältere einen Hausarzt in der Nähe. Zweibrücken tut was dagegen. Davon profitieren auch junge Menschen.

Mehr als die Hälfte der Hausärzte in der Südwestpfalz sind über 60 und werden wohl in den nächsten zehn Jahren aufhören. Nachfolger, die die Praxen übernehmen, sind kaum in Sicht. Von 500 Hausärzten in der Westpfalz sind nur 30 zwischen 30 und 39 Jahre alt. Gleichzeitig werden die Menschen aber immer älter und brauchen immer mehr Hausärzte. Damit die Westpfalz „nicht noch tiefer in eine Notsituation der ärztlichen Versorgung – insbesondere bei den Hausärzten – abdriftet“, haben sich die Städte und Landkreise von der Südwestpfalz bis hoch nach Bad Kreuznach zusammengetan.

Sie möchten 16 Stipendien anbieten, damit junge Menschen von hier in Ungarn Medizin studieren können. Finanziert werden sollen sie über Spenden. Die Stipendien würden die Studiengebühren abdecken – 15.000 Euro im Jahr. Wer eins in Anspruch nimmt, muss sich verpflichten, nach dem Studium mindestens drei Jahre in der Westpfalz als Arzt zu arbeiten. Das Studium in Pécs im Süden von Ungarn, nahe der kroatischen Grenze, wird in deutscher Sprache angeboten. Wer dort studieren möchte, braucht Abitur, einen Numerus clausus gibt es nicht. Stattdessen lege die Uni bei der Auswahl der Studenten den Schwerpunkt auf Vorerfahrung und Kompetenz, sagte Zweibrückens Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza am Mittwochabend in der Sitzung des Stadtrates. „Der Ruf der Universität ist extrem gut“, sagte Wosnitza. Die Westpfalz soll schon während der Ausbildung der neuen Ärzte profitieren, weil die Studenten ihre Praktika in der Region absolvieren müssen und auch Assistenzärzte hierher kommen.

Wer nicht hierbleibt, muss das Geld zurückzahlen

Wer ein Stipendium bekommt, dann aber nicht die vereinbarten drei Jahre als Arzt in der Westpfalz bleibt, muss das Geld zurückzahlen. Das sagte Wosnitza auf die Frage von Walter Rimbrecht (SPD). CDU-Sprecher Pascal Dahler lobte die „durchaus kreative Strategie“, fand es aber „traurig, dass die Kommunen sowas in Eigeninitiative starten müssen“. Diesen Seitenhieb auf die SPD-Landesregierung konterte SPD-Sprecher Stéphane Moulin mit dem Hinweis, dass die ärztliche Versorgung Sache der Kassenärztlichen Vereinigung sei. Es wundere ihn aber nicht, „dass für die CDU mal wieder die Landesregierung an allem Schuld ist“.

Kritik kam von Anne Bauer (SPD), die sich wunderte, warum man Studenten aus der Westpfalz nach Ungarn schicken muss: „Wir haben die Uni Homburg vor Ort, wir haben eine Uni in Mainz. Sind da nicht genügend Studienplätze?“ Auf den Hinweis von Gertrud Schiller (CDU), dass dort der Numerus clausus bei der Auswahl der Bewerber gilt, sagte Bauer: „Das hat doch einen Grund, warum wir den haben. Dann muss man daran arbeiten.“ Der Stadtrat beschloss am Ende gegen die Stimme von Anne Bauer, dass Zweibrücken gemeinsam mit den anderen Städten und Kreisen den Verein „Studieren in Europa – Ärzte für die Westpfalz“ gründet.

Berufsbildende Schule möchte neues Angebot

Auch ein zweiter Beschluss des Stadtrates vom Mittwoch kann helfen, den Mangel an Fachkräften im Bereich Medizin und Pflege zu lindern: Die Stadt unterstützt den Vorstoß der Berufsbildenden Schule (BBS), das Abitur in der Fachrichtung „Gesundheit und Soziales“ anzubieten. An der BBS kann man zwar im Bereich „Wirtschaft und Verwaltung“ Abitur machen, aber die Nachfrage im Gesundheitsbereich. Das wäre „für uns und für die Region ein sehr wichtiger Abschluss“, erläuterte der zweite stellvertretende Schulleiter Achim Rohr dem Stadtrat.

Denn wer bisher im Bereich „Gesundheit und Soziales“ Abitur machen möchte, muss für die 13. Klasse nach Rodalben wechseln. Aber Achim Rohr schränkte ein: „Die fahren nicht alle nach Rodalben. Das machen vielleicht drei oder vier.“ Dagegen gibt es laut einer Umfrage der BBS Zweibrücken in der jetzigen Oberstufe 28 Schülerinnen und Schüler, die gerne an einer „Berufsoberschule 2 – Gesundheit und Soziales“ in Zweibrücken Abitur machen würden, wenn es sie gäbe. Dazu kämen Schüler aus dem Saarland. Auch mit dem Abitur in der Fachrichtung „Gesundheit und Soziales“ könne man jedes Fach studieren, betonte Achim Rohr – „ob Lehramt, Medizin, Jura oder sonst was“.

Die Stadt kostet das nichts

Die Verwaltung wird nun einen Antrag an die Schulbehörde stellen. Stimmt die der neuen Fachrichtung zu, könnte sie 2025 starten und die ersten Abiturienten wären 2026 fertig. Der Stadtrat stimmte dem einstimmig zu – was ihm leicht fiel: „Endlich mal wieder was, das uns nix kostet“, freute sich AfD-Sprecher Harald Benoit. OB Wosnitza hatte zuvor bereits darauf verweisen, dass die Schule für diese Erweiterung nicht anbauen müsste, und mit einem Schmunzeln ergänzt: „Lehrer kann das Land dann einstellen, wie es möchte.“ Die Stadt müsste nämlich für die Arbeiten am Schulgebäude aufkommen, während das Land die Lehrer bezahlt. Wobei Achim Rohr erläutert hatte, dass zusätzliche Lehrer nicht nötig wären: „Wir können so umorganisieren, dass es ohne Neueinstellungen machbar ist.“

Info

Wer sich für ein Medizinstipendium in Ungarn interessiert, findet unter aerzte-fuer-die-westpfalz.de nähere Informationen im Internet.

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